3-Watt-LED-Lampen bei Lidl: Die Effizienzwunder (Update 14.9.)

Vier LED-Spots, zwei „Mini-Globes“ und eine E14-„Kerze“ hat der Discounter Lidl diese Woche im Angebot (Prospektausschnitt unten). Mit 180 bzw. 250 Lumen Lichtstrom aus nur 3 Watt sind die Lampen erstaunlich energieeffizient.

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Inzwischen sind die Lidl-Beilagenbastler bei ihren „No Name“-LED-Lampen ziemlich mitteilsam geworden: Freimütig verraten sie Watt, Sockelversionen, Helligkeit, Farbtemperatur, Lebensdauer (in Leuchtstunden und schadlosen Schaltzyklen), Anlaufzeit und die fehlende Dimmbarkeit. Sogar das erst seit Monatsbeginn geltende neue EU-Effizienzlabel wird verwendet – bravo! Das hättet Ihr gerne auch schon letzten Monat bei Euren LED-Leuchten machen können.

Ein paar mehr Daten verlangt jedoch die ebenfalls gerade in Kraft getretene EU-Ökodesign-Verordnung schon noch – zumindest bei den entsprechenden Angeboten auf der Lidl-Website: Elektrischer Leistungsfaktor, Lichtstrom am Ende der Nennlebensdauer, Farbwiedergabe, Farbkonsistenz, spektrale Strahlungsverteilung im Bereich 180-800 Nanometer, Bemessungsspitzenlichtstärke in Candela (cd) und Halbwertswinkel (auch Abstrahlwinkel genannt). Vor allem die beiden letzten Werten sind für den Einsatz der Spotlampen wichtig, weil man sonst nicht weiß, wie weitreichend und breit deren Lichtkegel ist.

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Zwar kann beispielsweise der GU5.3-Niedervolt-Strahler mit seinen 180 Lumen EU-offiziell als Ersatz für einen 20-Watt/12-Volt-Halogenspot dienen. Er hat aber nach den Erfahrungen mit ähnlichen Modellen, die schon 2011 und vor rund einem Jahr bei Lidl im Angebot waren, rund 90 Grad Abstrahlwinkel – statt ca. 35° wie bei Halos – und deshalb eine geringere Lichtstärke und Reichweite. Dafür leuchtet der LED-Spot auch mehr als doppelt so breit.

Gleiches gilt für die drei Hochvolt-Strahlervarianten bei Lidl (E14, E27, GU10): Sie schaffen beim Lichtstrom locker die neue EU-Vorgabe für den Ersatz von 25-Watt/230-Volt-Halo-Spots, sind aber eher für breitere Raum- als für Akzentbeleuchtung geeignet.

Öko-Label wird korrekt verwendet

Die Effizienz liegt bei 60 Lumen/Watt, der Energieeffizienzindex (EEI) nach meiner Berechnung bei 0,14 für die Hochvolt- und 0,16 für die Niedervolt-Varianten. Das in der Werbebeilage gedruckte Öko-Label ist also korrekt, weil die Spots unter dem Grenzwert von 0,17 liegen. Der Verweis „2)“ wird unten auf der Prospektseite mit der Einschränkung „Gilt nur für Reflektor-LED-Lampe“ erklärt.

Tatsächlich müsste für die „Mini-Globe“- und „Kerzen“-LED-Lampen der Lidl-Eigenmarke „Livarno Lux“ ein anderes Label verwendet werden. Mit 250 Lumen aus 3 Watt haben sie eine Effizienz von über 83 lm/W, einen EEI von sagenhaften 0,11 und fallen damit in die beste Öko-Klasse „A++“. Mir ist keine hochwertige Marken-LED-Lampe bekannt, die das ebenfalls schafft.

Der Media-Markt („Ich bin doch nicht blöd!“) legt übrigens noch einen drauf und labelt auf seiner Website einen weitgehend baugleichen „ISY Mini-Globe“ mit „A+++“. Diese EU-Öko-Label-Stufe gibt’s für Leuchtmittel aber nicht – blöd gelaufen.

A++ zum Discounter-Preis: Wie ist das möglich?

Wie geht „A++“ bei Lidl – für nur 4,99 Euro? Zwei mögliche Erklärungen:

  • Die Lidl-Lampen liefern überdurchschnittlich viel Licht bei den grünlichen Farb-Wellenlängen, für die das menschliche Auge besonders empfindlich ist und die deshalb auch überproportional in die Berechnung des Lichtstroms einfließen.

In der Konsequenz bedeutet das aber eine ungleichmäßige Spektralverteilung mit Schwächen bei der Wiedergabe von Farben im Gelb-/Rot-Bereich. Das merken Sie beispielsweise, wenn Sie Ihre Hand darunter halten und sie nicht nach gut durchbluteter menschlicher Haut aussieht, sondern irgendwie fahl und ungesund.

Solche Lampen können dennoch den EU-Mindest-Farbwiedergabeindex Ra 80 für Innenbeleuchtung erreichen, weil bei dessen Ermittlung nur acht ungesättigte, blasse Farbtöne verwendet werden. Sattes Rot oder „Hautfarbe rosa“ spielen hier leider keine Rolle. Glühlampen erreichen übrigens einen Ra von rund 100 und haben auch mit satten Farben kaum Probleme.

Lidl-Lampen sind keine echten Rundstrahler

Und noch aus einem anderen Grund sind die Lidl-LED-Lampen kein vollwertiger Ersatz für herkömmliche Tropfen und Kerzen, obwohl sie nominell der Helligkeit von 25-Watt-Glühlampen entsprechen: Sie haben einen Halbwertswinkel von unter 180 Grad, strahlen hauptsächlich nach oben und zu den Seiten. In Richtung Sockel tut sich dagegen fast nichts. Der Haupt-Lichtkegel ist also nur etwa halb so breit wie bei echten Rundstrahlern mit annähernd 360 Grad. Je nach Einsatzbereich kann diese Richtwirkung jedoch durchaus erwünscht sein.

Mein Fazit: Ja, die Lidl-Lampen sind mit knapp 5 und 6 Euro sehr günstig und können durchaus ein Schnäppchen sein für alle LED-Umsteiger, die sparen wollen oder müssen. Sie sollten sich aber zuhause das Licht sehr genau anschauen und überlegen, ob Sie damit sehr lange Zeit leben können. Immerhin entsprechen 25.000 Leuchtstunden durchschnittlich 25 Jahren Nutzung. Im Zweifelsfall vereinbaren Sie lieber eine Rückgabe mit Erstattung des Kaufpreises.

Update 14.9.: Ob Lidl jetzt doch den Ehrgeiz entwickelt, seine Angebote künftig regelkonformer zu beschreiben? Jedenfalls suchen die Neckarsulmer derzeit einen „Texter/Redakteur (m/w) Werbung“. Die Aufgaben:

„Sie erstellen und optimieren die Auslobungstexte unserer Aktionsartikel und kontrollieren Texte auf Sachaussagen, Zahlen und Fakten. Ferner sind Sie für die inhaltliche Kontrolle und Einhaltung formaler Anforderungen verantwortlich und sorgen für eine einheitliche Schreibweise.“

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