Philips speckt ab, verkauft auch seine Aachener OLED-Tochter „Lumiblade“

Die Aachener Mitarbeiter der Philips-OLED-Sparte „Lumiblade“ könnten bald neue Chefs haben. Zur Zeit wird mit potenziellen Käufern gesprochen, weil sich der niederländische Mutterkonzern vom bisherigen Verlustgeschäft trennen will.

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Mit „Lumiblade“-OLED-Panels und -Leuchten wird zwar immer mehr Umsatz, aber noch kein Gewinn gemacht – Firmensprecher Dietmar Thomas freut sich auf bessere Aussichten und investitionsfreudige Käufer der Philips-Sparte. (PR-Fotos: Philips/Lumiblade)

FransvanHouten-kleinKeine königliche Bilanzzahlen hatte Philips-Chef Frans van Houten (PR-Foto rechts) heute zu verkünden: Etwas weniger Umsatz, deutlich gesunkener Gewinn – „2014 war kein gutes Jahr“. Die Börse reagierte darauf mit rund 5% Kursrückgang für die Aktien der „Koninklijke Philips N. V.„.

Die angespannte Lage dürfte sich 2015 nicht wesentlich ändern. Allein die Neuordnung des Konzerns könne laut Unternehmensmitteilung 300 bis 400 Millionen Euro kosten. Dazu kämen Schwierigkeiten auf den Märkten in China und Russland sowie negative Währungseffekte in den Schwellenländern. Vor allem die Gesundheitssparte hatte große Probleme, aber auch das Lichtgeschäft mit seiner aufwendigen, teuren Umstellung auf Halbleitertechnik bleibt harzig.

LED-Komponentengeschäft bald eigenständig

Schon im Sommer 2014 hatte der Konzern deshalb angekündigt, die „Philips Lighting“-Autolicht-Abteilung „Automotive Lighting“ abzuspalten und mit der US-Tochter „Lumileds“ zu fusionieren, um einen neuen, eigenständigen Komponenten-Anbieter zu schaffen. Philips will dort zwar Anteilseigner und Großkunde bleiben, suchte aber seither neue Investoren, um die Kosten und Risiken nicht alleine tragen zu müssen. Der Deal soll noch im ersten Halbjahr 2015 über die Bühne gehen.

Eigenwerbung Juni 2014

Philips trennt sich von einem Verlustgeschäft

Im Herbst gab’s den nächsten Knaller: Alle weiteren Lichtaktivitäten sollen abgetrennt und  in eine Firma namens “Philips Lighting solutions” überführt werden, während sich die Philips-Bereiche „Verbraucherelektronik“ und „Gesundheitstechnik“ zu einem „HealthTech“-Unternehmen zusammenschließen.

Ursprünglich wollte man auch die OLED-Tochterfirma „Lumiblade“ in die neue „Lichtlösungs“-AG mitnehmen, die 2016 an die Börse gebracht werden soll. Dieser Plan wurde aber jetzt revidiert: Die in Aachen beheimatete GmbH wird nun doch gesondert verkauft, weil sich Philips offenbar ganz auf das LED-Geschäft konzentrieren und einen Verlustbringer aus der durchwachsenen Bilanz entfernen will.

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High-Tech-Produktion in Aachen: Hier werden aus dünnen Glasplatten OLED-Panels.

Wie mir „Lumiblade“-Sprecher Dietmar Thomas heute bestätigte, sei man bereits „in guten Gesprächen“ mit potenziellen Investoren. Details über Namen, Herkunft und verhandelte Summen könne er noch nicht verraten; die 105 Aachener Mitarbeiter bräuchten sich jedoch keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz und den Produktionsstandort machen. „Im Moment ist Business as usual“, beruhigte Thomas. Er schaue mit Optimismus in die Zukunft, weil nun die Chance bestehe, dass „Lumiblade“ künftig nicht nur ein kleiner Teil eines großen Unternehmens sei, sondern eine prominente Position innerhalb einer kleineren und solventen Struktur einnehmen könne.

Auch die OLED-Patente werden verkauft

Im zum Verkauf stehenden Paket seien nicht nur die Produktionsanlagen und das Know-how der Mitarbeiter, sondern auch die zahlreichen Philips-OLED-Patente, die dem neuen Investor alle Möglichkeiten zur Weiterentwicklung dieser Lichttechnologie geben würden. Lumiblade-brite-FL300-kleinSchon jetzt verkauften sich die aktuellen „Brite FL300“-Panels (PR-Foto links) „wie geschnitten‘ Brot“; man sei von der großen Nachfrage regelrecht überwältigt worden.

Neue Bauformen seien aktuell in der Entwicklung und teils sogar noch dieses Jahr serienreif. Wenn nun jemand mit genug Geld, Geduld, großer OLED-Leidenschaft und dem festen Glauben an die Marktchancen des flächigen Halbleiterlichts die Firma „Lumiblade“ übernehme, könne der mittelfristige Trend zu einem massenkompatiblen, bezahlbaren Lichtprodukt beschleunigt werden.

Mein vorläufiges Urteil: Ein Verkauf würde „Lumiblade“ mindestens so viel nützen, wie er Philips langfristig schaden könnte. Denn die Zukunft der Beleuchtung heißt nicht „entweder LED oder OLED“, sondern „LED und OLED“ – die sich ergänzende Kombination aus stromsparenden Punkt- und Flächen-Lichtquellen. Vielleicht müssen die Niederländer schon bald bei einer Fremdfirma Produkte kaufen, deren Entwicklung sie selbst jahrelang teuer subventioniert haben – und das nur, weil derzeit gerade gespart werden soll/muss.

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