OBI-Sonderangebot: LED-Spots für Lichtempfindliche

Dass Discounter und Baumärkte zwar schon vor einiger Zeit das Thema “LED-Beleuchtung” entdeckt haben, aber noch nicht ganz trittsicher sind im Umgang mit ihrer Anpreisung, das können Sie hier im Blog regelmäßig lesen. Auch wenn es offenbar ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist, werde ich weiterhin mangelnde Verbraucherinformationen beklagen – so lange, bis die kritisierten Unternehmen nachbessern oder mir meinetwegen Hausverbot erteilen.

Das tue ich nicht aus Jux und Dollerei, sondern wegen der Befürchtung, dass LED-unerfahrene Kunden vermeintlich günstige Leuchtmittel kaufen, die sich dann aber als untauglich für den vorgesehenen Verwendungszweck herausstellen. Wer sich einmal über einen viel zu dunklen LED-Spot ärgerte oder eine LED-“Kerze” geholt hat, die schon nach ein paar 100 Brennstunden ausfiel, will sich möglicherweise nie wieder mit LED-Beleuchtung beschäftigen. So wird eine an sich sinnvolle Energiespartechnik grob fahrlässig in Verruf gebracht und das muss bestraft werden.

Immerhin ist ab und zu Lernfähigkeit zu beobachten – zum Beispiel bei der Baumarktkette OBI. In ihrem aktuellen Prospekt 2000/11 (gültig bis Samstag, 19. November) macht sie jedoch erneut so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Schauen Sie sich mal diese LED-Spot-Sonderangebote an:

OBI-LED-Mix klein
(Für größere Darstellung draufklicken)

Links sehen Sie Spots mit jeweils einer “3-Watt-Power-LED” aus der “Amber-Serie” von “16east” in Hongkong, erhältlich als GU10-Hochvolt- oder GU5.3-Niedervolt-Version. Außer dem Stromverbrauch erfahren Sie in dieser Beschreibung nur noch, dass es sich um “warmweiße” Spots handelt – kein Wort über die zu erwartende Helligkeit (die Angabe des Lichtstroms in der Einheit “Lumen” [lm] ist Pflicht).

Das könnte Kalkül sein, denn die Website des Herstellers verrät, dass diese Leuchtmittel nur 100 Lumen haben (bei einer Farbtemperatur von 3000 Kelvin, also etwas “kälter” als eine traditionelle Glühfadenlampe mit 2500 bis 2700 K). Das liegt knapp unterhalb der Lichtausbeute eines 10-Watt-Halogenstrahlers oder einer herkömmlichen 15-Watt-”Glühbirne” und bedeutet eine Effizienz von nur 33,3 Lumen pro Watt – anständige aktuelle LED-Serientechnik schafft mindestens das Doppelte.

Wenn Sie allerdings extrem lichtsensibel sind, geht’s auch noch dusterer: Die rechts abgebildeten Spots sind ebenfalls von “16east” (steht da bloß nicht). Die Version mit 18 Einzel-LEDs und 0,9 Watt kommt aus der “Jade-Serie” und hat nur 36 Lumen, der Spot mit 36 LEDs ist ein “Amber”-Modell mit 72 Lumen –  da fällt mir ad hoc kein traditionelles Leuchtmittel ein, das so wenig Licht liefert. (P. S.: Mir ist jetzt doch noch ein Vergleich eingefallen: Sechs Haushalts-Wachskerzen schaffen auch um die 70 Lumen.)

Fast schon ein Netzhaut-Schocker ist dagegen der Spot mit 60 LEDs: Sagenhafte 129 Lumen bei einer Farbtemperatur von 3200 Kelvin sind tatsächlich eine ernsthafte Konkurrenz für einen 10-Watt-Halogenstrahler. Wer solche Spots anbietet, der hat auch Spott verdient. Falls Sie in den nächsten Tagen mal bei OBI sind, können Sie mir vielleicht in den Kommentaren erzählen, ob diese kläglichen Lumenwerte wenigstens auf den Verpackungen der Spots stehen – gesetzlich vorgeschrieben wäre es jedenfalls.

Und wie sieht’s mit dem Preis/Leistungsverhältnis dieser “Sonderangebote” aus? Leider nicht gut; Sie werden in vielen Shops sehr schnell hellere und effizientere Leuchtmittel finden, deren reguläre Preise ähnlich günstig oder noch billiger sind. Bei einem imaginären Bewertungssystem für LED-Beleuchtungs-Offerten mit maximal 5 Sternen würde ich OBI für das aktuelle Angebot deshalb höchstens einen Stern geben.

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13 Gedanken zu „OBI-Sonderangebot: LED-Spots für Lichtempfindliche

  1. Hallo,
    ich hätte mir beinahe die MR16 3 Watt Power LED Lampe gekauft, wenn sie nicht schon vergriffen gewesen wäre.

    Nach dem Beitrag hier bin ich eher verunsichert, welche LED-Lampe denn nun als Ersatz für eine 20-Watt-Reflektor-Lampe in Frage kommt. Auf was muss ich achten?
    Haben Sie Empfehlungen?

    Ich habe im Wohnzimmer insgesamt 10 20-Watt-Reflektoren (MR16, GU5,3) installiert und würde sie gern vollständig aber auch vollwertig gegen LED-Strahler austauschen. Es handelt sich dabei um ein Seilsystem mit konventionellen Trafos (die schweren).

    Vielen Dank für eine Antwort im Voraus.

    Viele Grüße
    Leuni

  2. Wichtig sind der Lichtstrom in Lumen, der Abstrahlwinkel, die Farbtemperatur und eventuell auch die Dimmbarkeit (wenn Sie den Trafo an einem Dimmer betreiben).
    Ihre 20-Watt Niedervolt-Halogenspots haben so zwischen 250 und 300 Lumen, mindestens 40 Grad Winkel und sind problemlos dimmbar.
    Ordentliche LED-Pendants sollten also mindestens 250 Lumen haben (ist mit guten 3- bis 5-Watt-Spots etwa von Bioledex zu schaffen), rund 3000 Kelvin und einen Abstrahlwinkel nach ihren Bedürfnissen (es gibt auch welche mit 120 Grad, also breiterem Kegel). Damit kommt keiner der OBI-Spots für Sie in Frage.
    Mögliche Kandidaten wären etwa diese oder diese. Bei 10 Spots im System dürfte es auch kein Problem mit der Mindestlast des Trafos geben (falls doch, einfach mal “Mindestlast” hier ins Suchfeld des Blogs links unten eingeben und ein paar Beiträge dazu lesen). Übrigens: Manche Anbieter geben bei Abnahme von 10 Exemplaren ordentlich Mengenrabatt.
    ;Dimmbare Exemplare gibt’s auch, die sind aber deutlich teurer und funktionieren eventuell dann doch nicht richtig mit Ihrem Trafo. Auch dazu finden Sie hier im Blog einige Beiträge in der Kategorie “LED-Beleuchtung”.

  3. P.S.: Ich vergaß, dass Sie natürlich auch auf die Abmessungen schauen müssen. Die LED-Spots sollten ja in die vorhandenen Leuchten ‘reinpassen.

  4. Wow, 356 Lumen und 77 Lumen/Watt bei rund 11 Euro pro Stück klingen sehr ordentlich. Protron sagt mir nichts, der Name des Eigentümers von Arcs weist aber auf gewisse Beziehungen zum Hauptlieferland von LED-Leuchtmitteln hin (China, na klar!).

    Das Einzige, das mich am Angebot stört, ist die eigenmächtige Verleihung der EU-Verbrauchskategorie A. LED-Leuchten unterliegen dieser Klassifizierung noch nicht und wenn, dann müssten sie wohl besser als A eingestuft werden.

    Viel Glück mit den Spots und bitte bei Gelegenheit mitteilen, ob sie die versprochenen Merkmale tatsächlich haben und (irgendwann mal) ob sie vorzeitige Ausfallerscheinungen haben.

  5. Da das Internet leider überfüllt ist mit angefangen und nie beendeten Themen und die Leser nach dem Studium ellenlanger Beitragsketten meist enttäuscht sind, weil das versprochene Feedback ausblieb und ich dies hier vermeiden möchte, hier mein Feedback zum oben genannten Ebay-LED-Leuchtmittel:

    Schade! Die angegebenen technischen Daten waren bei dem Preis verlockend. Nur sie wurden nicht eingehalten. Messtechnisch überprüfen konnte ich den versprochenen Lichtstrom freilich nicht. Doch mit dem Auge beurteilt, war der LED-Strahler deutlich heller als ein handelsüblicher 20 Watt MR16 Halogen-Reflektorspot. Auch der angegebene Abstrahlwinkel entspricht in etwa dem Halogen-Pendant. Und jetzt kommt das Aber:

    Die Lichfarbe (auch Farbtemperatur genannt) entspricht in keinster Weise dem, was man sich unter “warmweiß” vorstellen möchte. Dieser LED-Spot produziert ein eher gelbliches Licht mit einem starken Grünstich. Und damit nicht genug. Das gesamte ausgestrahlte Lichtspektrum bleib auf diesen Farbbereich beschränkt.

    Welche Folgen ergeben sich daraus?
    Das Licht einer Halogenlampe denkt ziemlich gut den Farbbereich ab, den ein menschliches Auge wahrnehmen kann. Der leichte Rotstich der Halogenlampen wir in Wohnräumen meist als angenehm empfunden. Alle im Wohnraum vorhandenen Farben werden für das menschliche Auge gut wiedergegeben.

    Diese Ebay-LED-Lampe ist auf den gelb-grünen Bereich beschränkt. Auch wenn das angegebene Farbdiagramm etwas anderes verspricht. Als Hobbyfotograf mit guten Kenntnissen in der Bildbearbeitung kann ich das recht gut beurteilen. Dieses Diagramm kann nie und nimmer bei dieser LED-Lampe gemessen worden sein.
    Diese Farbbeschränkung führt dazu, dass alle anderen im Wohnraum vorhandenen Farben (also alles außer gelb-grün) eher dunkel und fahl erscheinen.
    In der Praxis ist das ein extrem grausames Lichtspiel: Gesichter von Menschen sehen “krank” aus, weil der natürliche Rotanteil fehlt und daher grau wiedergegeben wird. Ebenso ergeht es sämtlichen Einrichtungsgegenständen, Wand- und Bodenfarben.

    Auge und Gehirn reagieren extrem gereizt auf diese Fehlfarben. Von wohnlicher Atmosphäre kann man nicht mehr sprechen. Eher von sich rasch einstellender Müdigkeit und Kopfschmerzen.

    Daher gehen diese LED-Leuchten an den Absender zurück.

    Alternative?

    Ein weiterer Internetkauf schied für mich aus, da ich die LED-Lampen gern vor Ort und vor einem Kauf beurteilen wollte. Ein freundlicher Händler stellte mir darauf hin mehrere Exemplare zum Testen zur Verfügung.

    Und was soll ich sagen? Ich hätte nicht gedacht, dass es selbst bei den Marken-Leuchtmitteln so viele Unterschiede gibt und die Wahl so leicht fallen würde. Leicht deshalb, weil mich nur ein einziges Leuchtmittel in Punkto Helligkeit und Farbtreue wirklich und mit großem Abstand zu den anderen überzeugen konnte.

    Die eindeutige Wahl fiel auf die Philips MyVision LED-Spot, 7 W (35 W), warmweiß, mit GU5.3-Sockel.

    http://www.philips.de/c/-/myvision-7-w-35-w-warmweiss-mit-gu5.3-sockel-871829112753600/prd/?t=specifications

    Warum?

    Dieser Spot erzeugt eine Lichtfarbe (Farbtemperatur) welche ich wirklich mit herkömmlichen Glüh- und Halogenlampen gleichsetzen kann. Alles erscheint genau so natürlich, wie man es gewohnt ist. Keine Fehlfarben. Einfach ein schönes wohnliches Licht. Und das bei einer extremen Leuchtkraft. Der vom Hersteller angegebene Vergleich mit einer 35 Watt Halogenlampe ist glaubwürdig, also deutlich heller als 20-Watt Halogen-Spots.

    Auch der Abstrahlwinkel (angegben mit 36 Grad) entspricht in etwa der bisher im Einsatz befindlichen Halogen-Spots.

    Die kompakte Bauform bei dieser Lichtleistung bedingt den Einsatz eines kleinen Lüfters im Inneren des Spots. Diesen hört man aber nur, wenn man sich auf einen Stuhl stellt und das Ohr direkt an den Spot hält.

    Der Preis für diese Philips LED-Spots ist mit 19,90 Euro pro Stück zwar deutlich höher als bei den lichttechnisch inakzeptablen Ebay-Spots, aber man erhält dafür ein aus meiner Sicht konkurrenzlos gutes Leuchtmittel, dass die Qualität der bisherigen Halogenspots übertrifft und sich nach ca. 2 Jahren wegen des geringeren Energiebedarfs amortisiert hat.

    Was mich derzeit noch stört, ist die Tatsache, dass die beiden Trafos (beide an der Decke und beide konventioneller Bauart, also keine elektronischen Trafos) seit dem Einsatz der LED-Spots leicht surren. Die Ursache dafür kläre ich gerade mit dem Support von Philips ab und werde hier wieder darüber berichten.

    Ansonsten sind die Philips-Spots genau das, wonach ich gesucht habe. Auch wenn der Preis dafür etwas höher war, als ich zunächst dafür einkalkuliert hatte.

    Viele Grüße!

  6. Danke für das tolle Feedback! Das dürfte so Manchem eine Warnung sein, sich auf vermeintlich günstige no-name-Lämpchen einzulassen. Blöd allerdings, dass wirklich gute Leuchten noch derart teuer sind.

    Dass die Philips so gut funktionieren, wundert mich nicht. Da dürften wohl ähnliche “Luxeon Rebel Power”-LEDs drin sein wie bei den Ledino-Leuchten:
    http://fastvoice.net/2011/10/17/der-vergleich-philips-ledino-alt-und-neu/

    Das Surren der Trafos kann ich mir fast nur mit einer eventuell nicht ganz erreichten Mindestlast erklären. Schon probiert, einen der Philips-Spots pro Trafo-Kreis durch einen Halo-Spot zu ersetzen und dann zu lauschen, ob’s noch surrt?

  7. Vielen Dank für die Antwort. Ich habe tatsächlich schon viele “Bestückungsmöglichkeiten” durchprobiert. Ergebnis: je mehr Philips LED-Spots im Spiel sind, desto mehr surrt der Trafo. Auch ein Drehen einzelner Spots (Tipp eines Kollegen, der wegen des anliegenden Wechselstroms an die einseitige Sperrwirkung der LEDs dachte) half nix. Eine notwendige Mindestlast sollte es bei konventionellen Trafos nicht geben. Zum Vergleich: Bei einer “Belastung” mit nur einem LED-Spot (also insgesamt nur dieser Spot am Seilsystem) surrt der Trafo kaum. Ich hoffe weiter auf eine Klärung über den Philips-Support. Viele Grüße

  8. Pingback: Fastvoice-Blog » Blog Archive » LED-Lampen: Toom kann auch teuer

  9. Ich habe ähnliche Erfahrungen wie Leuni gemacht: Alles außer Philips geht mehr oder weniger stark in Richtung kühl (Osram) bis unangenehm (China).

    Staffelung laut Philips:
    4,0w –> 20w
    5,5w –> 35w
    7/10w–> 50w

    Im Einsatz habe ich inzwischen 10 4w Philips Master 827k MR16 in der Küche und 3 5,5w Philips Master 827k MR16.

    4w Philips Master 827k MR16: sind von der Lichtfarbe und Leuchtkraft als 20w Halogenersatz ok. Auch der Preis von 14€ pro Stück ist ok

    5,5w Philips Master 827k MR16: mein Favorit. Ausgesprochen warm und leuchtstark, aber ohne Lüfter.

    Kritik: Die 7w und 10w Versionen sind auf Lüfter angewiesen. Allerdings ist das meiner Meinung nach der falsche Weg. Eher wie Osram, die in ihrer “Advanced”-Serie, die Leuchtstärke temperaturgesteuert machen.

    Kein Lüfterlager hält die versprochene Lebensdauer von 20 Jahren aus ohne nicht lauter (schleifen) zu werden. Auch Staub darf man nicht unterschätzen, was die Kühlleistung kontinuierlich mindert.

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