Mit einem radikalen Sparprogramm will Siemens auf den gesunkenen Gewinn während des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahrs 2011/2012 reagieren. Rund sechs Milliarden Euro Kosten sollen in den nächsten beiden Jahren gekappt werden, wie Vorstandschef Peter Löscher diese Woche in Berlin erklärte. Unterdessen registrierte die Noch-Konzerntochter Osram eine Gewinnsteigerung und macht sich fit für die geplante Selbstständigkeit. Dazu gehören Friedensschlüsse mit südkoreanischen Konkurrenten und spektakuläre LED-Installationen.

Unter anderem solche individuell steuerbaren Osram-Multi-LED-Leuchten sind bereits in der „Städtischen Galerie im Lenbachhaus“ in München eingebaut und werden nach der Wiedereröffnung im Mai 2013 die Kunstwerke ins richtige Licht setzen. Als indirekte Beleuchtung in den Deckenkehlen (schematische Zeichnung unten) ergänzen oder ersetzen sie – je nach Tageszeit – das natürlich einfallende Licht. (Fotos/Grafik: Osram-PR)

Im Januar kommenden Jahres sollen die Siemens-Aktionäre über ein „Spin-off“ der Licht-Tochter Osram entscheiden. Siemens selbst will vermutlich nur knapp 20 Prozent einer ab Mai 2013 börsennotierten Dachgesellschaft namens „Osram Licht AG“ behalten (stimmt, siehe Update unten). Das wäre zwar weniger als die Sperrminorität, Osram müsste dann aber nicht mehr im Siemens-Konzernabschluss aufgeführt („konsolidiert“) werden. Formell ist das bereits jetzt der Fall, seit Osram offiziell den Börsengang anstrebt. Im aktuellen Siemens-Geschäftsbericht (pdf-Datei) liest sich das so:
Der Gewinn aus nicht fortgeführten Aktivitäten in Zusammenhang mit OSRAM betrug 87 Mio. , nach 54 Mio. in der Vorjahresperiode. OSRAM berichtete ein Umsatzwachstum von 3% im vierten Quartal. Auf vergleichbarer Basis ging der Umsatz um 3% zurück.
„Vergleichbare Basis“ bezieht sich hier auf die Bereinigung von Währungs- und Inflationseffekten. Noch ist die LED-Marktlage schwierig und der Kostendruck hoch. Auch der im seit Juli 2011 zu Osram gehörende Leuchtenhersteller Siteco hat die finanziellen Erwartungen nicht erfüllt. Insider berichten von knapp 100 Millionen Euro außerordentlichen Abschreibungen, um die Osram im Sommer 2012 den Bilanzwert kürzen musste. Offensichtlich ist auch das Geschäft mit den Siteco-Großkunden (Kommunen, Sportstätten, Industrie und Handel) nicht einträglich genug.

LED-Straßenbeleuchtung von Siteco/Osram (unten links eine „Streetlight 10 micro LED“-Leuchte) – zahlreiche Städte scheuen trotz des enormen Stromsparpotenzials noch die hohen Investitionskosten. (Fotos: Siteco-PR)

Der Osram-„Kriegsschauplatz Südkorea“ hat sich dagegen inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst: Nach einer außergerichtlichen Einigung im mehrfachen LED-Patentstreit mit Konkurrent Samsung im August gelang das Gleiche jetzt auch mit „LG Electronics“ und „LG Innotek“. Künftig wolle man kooperativ miteinander umgehen und sich wechselseitig alte und neue Entwicklungen zugänglich machen.
Bravo! Dieser Friedensschluss dürfte zwar kollektives Heulen bei hochbezahlten Patentanwälten auslösen, kommt aber wegen der wegfallenden Patentverwertungs-Blockaden letztendlich der Entwicklung des LED-Markts und der Kundschaft zugute. Ich hatte ja deshalb in diesem Blog erst neulich einen verstärkten Komponenten-Austausch zwischen den Herstellern angeregt.
Statt sich im Patent-Gekabbel um die Zusammensetzung von Luminiszenz-Konversionsschichten oder ähnlichen Kleinkram zu verheddern, kann sich „Osram Opto Semiconductors“ nun unbelastet seinen zahlreichen Neuentwicklungen zur Steigerung von LED-Lichtqualität und -Effizienz widmen. Dazu gehören auch neuartige Leuchten für publikumswirksame Installationen im öffentlichen Raum.
Farbtreues Licht mit vier LED-Sorten
So wird nach umfangreicher Renovierung voraussichtlich im Mai kommenden Jahres die „Städtische Galerie im Lenbachhaus“ in München wiedereröffnet und laut Stadtratsbeschluss ausschließlich mit Osram-LEDs und Tageslicht erhellt. Die vorab veröffentlichten Bilder (siehe oben) und Informationen lassen die Vermutung zu, dass hier zumindest bei eine der drei Leuchtentypen durch die individuell steuerbare Kombination aus roten, grünen, blauen und „weißen“ „Oslon“-LED-Modulen ein außergewöhnlich farbtreues Kunstlicht erzeugt wird.
Im Unterschied zu den üblichen Messkriterien für den Farbwiedergabeindex Ra, die sich auf Pastellfarben konzentrieren, legte Osram für die Galerie auch Wert auf die Wiedergabe der gesättigten Grundfarben. Nur dann erscheint beispielsweise ein sattes Rot in einem Gemälde so, wie es bei Tageslicht der Fall wäre. Allein mit weißen LEDs ist das aktuell noch nicht zu schaffen.
Das „Lenbachhaus“ dürfte dabei durchaus ein Referenzprojekt für andere Galerien und Museen sein; möglicherweise gibt diese Kombination aus vier verschiedenen LED-Farben auch dem Privatanwender-Markt neue Impulse. Ähnliche „Leuchtturm“-Installationen sind jedenfalls bereits in Planung: Vermutlich ab 2014 wird die weltbekannte Sixtinische Kapelle in Rom mit ihren legendären Gemälden und Fresken unter anderem im Licht von Osram-LEDs erstrahlen.
Update 28.11.: Heute berichtete die Siemens-Presseabteilung, dass Aufsichtsrat und Vorstand der Aktionärsversammlung am 23. Januar folgenden Vorschlag machen wollen: 80,5 Prozent von Osram sollen an die Siemens-Aktionäre verteilt werden – pro zehn Siemens-Aktien gibt’s eine von Osram. Die Siemens AG behält 17 Prozent, die Siemens-Pensionskasse weitere 2,5. Bei der Jahreshauptversammlung müssen mindestens drei Viertel der Anteilseigner diesem Plan zustimmen.
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