Osram-E14/R50-LED-Spots: Sehr ungleiche Geschwister

Sie heißen beide „Parathom R50 40 30°“, sie sind beide nicht dimmbare, „warm-weiße“ Osram-LED-Richtstrahler für E14-Schraubfassungen, unterscheiden sich aber dennoch stark bei Optik und Funktion. Ein Vergleich des aktuellen 4,2 Watt starken „LED Star“-Spots mit dem schon etwas älteren 6-Watt-„Superstar“.
Osram R50-E14 neu/alt Seite
Links der „Star“-Spot mit weniger Watt, aber mehr Lichtstrom  – rechts der „Superstar“. (Fotos: W. Messer)

Zum zweiten Mal sorgt meine noch frische Kooperation mit dem „Grünspar“-Shop für einen LED-Vergleichstest im Blog. Die Testobjekte sind mit ihren E14-Sockeln nicht ganz so verbreitet wie die zahlreichen GU10- oder GU5.3-LED-Spots auf dem Markt, aber dennoch als „Retrofits“ beliebt – beispielsweise für Wand- und Leseleuchten mit erwünschter Richtwirkung.

Bereits vor längerer Zeit hatte ich einen Osram-„Superstar“-Spot mit 6 Watt Nominalleistung, 170 Lumen Lichtstrom, 500 Candela Lichtstärke, 3000 Kelvin Farbtemperatur, 30° Abstrahlwinkel und Farbwiedergabeindex Ra/CRI 80 für meine Nachttischleuchte gekauft. Der versieht zwar weitgehend klag-, aber nicht ganz lautlos seinen Dienst: Nach merklicher Einschaltverzögerung von gut einer Sekunde leuchtet er mit einem leisen, hochfrequenten „Sirren“ – das ist auch anderen Käufern aufgefallen.

Der neue Spot ist deutlich billiger

Die spannende Frage: Kann es Osram wirklich nicht besser? Immerhin ist dieser Spot auch heute noch auf der offiziellen Osram-Website abgebildet und wird auch in verschiedenen Online-Shops zu ziemlich saftigen Preisen von bis zu knapp 20 Euro angeboten.

Zum Vergleich ließ ich mir deshalb von „Grünspar“ ein neueres Modell der „Parathom“-E14-Baureihe schicken: Die „LED Star R50 40 Warm White“ mit 4,2 Watt, 196 Lumen (laut Datenblatt, auf der Packung steht nur 190), 540 Candela, 2700 Kelvin und ebenfalls Farbwiedergabeindex Ra/CRI 80 sowie 30° Halbwertswinkel. Preis ohne Versand: 13,90 Euro (die Version mit einer kühleren Farbtemperatur von 4000 K kostet 14,40 Euro).

Osram R50 E14 neu/Packung
Die Verpackung des 4,2-Watt-„Parathom“-LED-Spots (oben) und die Leistungs- und Garantieangaben auf der Rückseite (unten).
Osram R50 E14 neu/Label
Osram R50 E14 neu/alt Front
Links der neue Spot mit glattem Linsenvorsatz, rechts der ältere mit geriffelter Linsen-/Streuscheibe-Kombination.

Beide „warm-weißen“ Osrams leuchten mit drei Einzel-LEDs, haben ähnliche Ausmaße (ca. 8,5 cm hoch und 5 cm Durchmesser) und sind nicht dimmbar. Das war’s aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Schon beim ersten Einschalten hat die 4,2-Watt-Lampe die Nase vorn: Sie leuchtet ohne merkliche Verzögerung, während sich ihre 6-Watt-Schwester noch überlegt, was sie mit der plötzlichen Stromzufuhr anstellen soll. Fast schon zwei verschiedene Welten offenbart anschließend der Leuchtbild-Vergleich:

Osram R50 E14 neu/alt Leuchtbild
Links neu, rechts alt: Farbtemperatur, Streuung und Richtwirkung unterscheiden sich drastisch; die Helligkeit der angestrahlten weißen Decke ist aber fast gleich. Unten rechts leuchtet der neue 4,2W-Spot allein. Dieses Bild wurde nachträglich stark abgedunkelt, um Abstrahlcharakteristik und Lichtfarbe zu verdeutlichen.

Leuchtbild Osram R50 neuDer Farbunterschied wirkt subjektiv noch deutlicher als die nominelle Farbtemperatur-Differenz von 300 Kelvin; der 4,2-Watt-Spot leuchtet weitaus „wärmer“ und Halogen-ähnlicher. Der Lichtkegel beginnt ein paar Zentimeter oberhalb des Lampenkopfes, beim anderen Modell fast bündig. Hier macht sich bereits die unterschiedliche Auslegung der Vorsatz-Optik bemerkbar.

Im weiteren Verlauf des Lichtkegels scheint der 6-Watt-Spot stärker in die Breite zu streuen. Der nominelle Halbwertswinkel mag zwar identisch sein – der „Feldwinkel“, innerhalb dessen mindestens 10 Prozent der maximalen Lichtstärke abgestrahlt werden, ist beim jüngeren Schwestermodell aber sicher kleiner. Der „Star“-Spot fokussiert also besser.

Der erste Helligkeits-Eindruck täuscht

Es liegt wohl auch an dieser strikten Bündelung, dass die Lampe trotz des höheren Lichtstromwerts auf den ersten seitlichen Blick dunkler erscheint. Den größten Anteil an diesem Eindruck hat jedoch die Farbtemperatur. „Kalt“ wirkt immer heller als „warm“. Im Praxiseinsatz als Leseleuchte bestätigt sich diese Wahrnehmung nicht: Vor allem auf größere Entfernung wird der Lesestoff vom 2700-K-„Star“-Spot etwas stärker beleuchtet als vom 3000-K-„Superstar“. Die objektiven maximalen Lichtstärkewerte untermauern das; hier bietet das ältere Modell 40 Candela weniger.

Die von Osram beworbene Gleichsetzung mit einer herkömmlichen 40-Watt-Glühlampe (>400 Lumen) passt zwar theoretisch wegen des weitaus geringeren Lichtstroms des LED-Spots nicht. Die in der Realität wichtigere Lichtstärke von 540 cd ist aber sicher mit der eines 35-Watt-Halogenspots vergleichbar – für die meisten Anwendungen dürfte das wohl ausreichen.

Endlich mal wieder eine „stille“ LED-Lampe

Noch ein Pluspunkt: Der 4,2-Watt-Spot startet nicht nur schneller, er leuchtet auch absolut lautlos. Im Gegensatz zum Schwestermodell ist selbst mit dem Ohr direkt an der Lampe nicht mal das kleinste Sirren, Surren oder Brummen zu hören. In vorwiegend stillen Umgebungen wie einem Schlafzimmer ist das natürlich ein enormer Vorteil.

Osram R50 Kamineffekt 1Osram R50 Kamineffekt 2Dazu gesellt sich die bessere Effizienz: Gut 45 gegen nur ca. 28 Lumen/Watt sprechen eine deutliche Sprache und verdeutlichen den Fortschritt der LED-Technologie in den letzten Jahren. Das wird in diesem Fall noch nicht mal mit einer kälteren Farbtemperatur oder geringerer Farbtreue erkauft – im Gegenteil: Der neue Spot leuchtet für meine Augen angenehmer und könnte subjektiv sogar einen Farbwiedergabeindex von über Ra/CRI 85 haben.

Der äußere Anschein und meine Messwerte sind Indizien für deutliche Unterschiede bei der Konzeption der Kühlung und den elektronischen Innereien. Der neue Spot ist mit ca. 90 Gramm rund 12 g schwerer als der alte. Nach über zwei Stunden Dauerbetrieb in einer halb offenen Leuchte steigt die Temperatur an der heißesten Stelle des Lampenkopfs auf knapp 47 Grad, während der 6-Watt-Spot über 55 Grad erreicht.

Die Detailbetrachtung offenbart beim 4,2-Watt-„Star“ ein konsequentes „Kamineffekt“-Design, bei dem die erwärmte Umgebungsluft durch lange und großzügig bemessene Vertikalschlitze direkt entlang des Gehäusekerns von unten nach oben abgeführt wird (Bilder rechts, jeweils entgegengesetzte Blickrichtung von und zum Lampenkopf). Diese „freie Konvektion“ braucht keine aktiven Lüfter und sorgt auch bei ungünstigen Einbausituationen für einen moderaten Temperaturhaushalt.

Der ältere „Superstar“ macht dagegen trotz seiner hübschen Kühlrippen und den vielen kleinen Löchern im Lampenkopf einen erheblich „verschlosseneren“ und thermisch ungünstigeren Eindruck.

Mein Fazit

Fassen wir zusammen: Der „LED Star R50 40 Warm White“ mit 4,2 Watt kann eigentlich alles besser als der ältere „Superstar“-Spot mit 6 Watt. Er hat keine Einschaltverzögerung, surrt nicht, ist effizienter, wird nicht so warm, leuchtet mit angenehmer Lichtfarbe, sehr guter Farbwiedergabe und Halogenspot-ähnlichem Abstrahlwinkel. Dass dieser Fortschritt auf mehreren Ebenen sogar noch von einem rund 6 Euro niedrigeren Preis begleitet wird, gibt ein gutes Beispiel für die Richtung, in die sich der LED-Beleuchtungsmarkt entwickeln muss und es größtenteils auch schon tut.

Dafür gibt’s auf meiner LED-Bewertungsskala von eins bis fünf die Maximalwertung für nicht dimmbare Lampen:
LED-SternLED-SternLED-SternLED-Stern vier Sterne.

(Disclaimer: „Grünspar“ hat mir den 4,2-Watt-Spot gratis als Testlampe zur Verfügung gestellt)

Mehr zum Thema:

Das LED-”Kerzen”-Duell: Toshiba “E-Core” vs. Osram “Superstar”

Neuer Osram-”Superstar”-Spot: Das LED-”Fernlicht”

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2 Gedanken zu „Osram-E14/R50-LED-Spots: Sehr ungleiche Geschwister

  1. Der alte Spot hat wahrscheilich ein aufwendigeres Schaltnetzteil eingebaut (zumindest, wenn im Obsoleszenz-Artikel abgebildet ist), während der neue nur ein einfaches Kondensatornetzteil hat – oder ein besonders gutes Schaltnetzteil.
    Die Schaltnetzteile haben typischerweise einen weiteren Eingangsspannungsbereich und einen geringere Bildleistung, also einen geringeren Unterschied zwischen Schein- und Wirkleistung. Genauer weiß man es, wenn man die Innereien betrachtet und noch genauer, wenn man die Schaltung aufgenomen hat.
    Eigentlich sollte man annehmen, daß Schaltnetzteile auch die besseren Eigenschaften produzieren. Das ist mit dieser Technik auch möglich, kostet aber Platz und Geld.
    So war auch ich enttäuscht als ich zwei ansonsten gleich ausgestattete China-Mais-LEDs verglichen habe. Das Leuchtmittel mit dem Schaltnetzteil war 30% teurer, deutlich dunkler und hat ca. 1 Sekunde Einschaltverzug.
    Die billigen Kondensatornetzteile passen recht gut für den Betrieb von LEDs. Sie produzieren auch recht wenig Verluste und damit nicht so viel Hitze. Allerdings regeln sie Netzspannungsschwankungen nicht aus und haben meist (wenn schon sparen dann richtig) noch fast das volle 100Hz flimmern.
    Wer mit diesen Nachteilen leben kann, ist aber gut bedient.

    • Die im Obsoleszenz-Beitrag abgebildeten Innereien gehören zu einem dort auch in der Bildunterschrift verlinkten nagelneuen Osram-GU10-Spot und haben nichts mit diesen E14-Spots hier zu tun.

      Ein Flimmern ist mir bei der neuen 4,2-Watt-E14-Lampe nicht aufgefallen (aber das sieht ja auch nicht jeder). Und – wie geschrieben: Die neue ist schwerer als die alte – eventuell ein Indiz für eine aufwendigere Elektronik? Auf’s Auseinandernehmen habe ich diesmal verzichtet, um einen weiteren totalen Lampenverlust zu vermeiden 😉

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