Nichts in der Birne

Wenn Sie diese Woche sehen wollen, wie die mutmaßlich Grenzdebilen in unserem Lande aussehen, dann gehen Sie einfach an die nächstgelegene „Bauhaus“-Kasse und beobachten Sie mal, wer diese Mega-„Dankebote-Highlights“ auf’s Band legt:

Bauhaus-Glühbirnen
Ausriss aus dem aktuellem „Bauhaus“-Prospekt, gültig bis 30. Oktober.

Ja, Sie haben richtig gesehen: „Bauhaus“ bietet in seinem aktuellen Prospekt für einen schlappen Euro Glühlampen-Zweierpacks an; mit 60 oder 75 Watt. Zwar sind Herstellung und Großhandelsvertrieb von solchen Lampen mit mehr als 60 Watt seit September dieses Jahres verboten (also z. B. 75 Watt, seit September 2009 auch schon die Exemplare über 75 Watt), nicht aber der Verkauf von Lagerware an Endverbraucher. Offenbar hat „Bauhaus“ – wie zuvor schon andere Baumärkte – noch einige Bestände in den Tiefen seiner Lager entdeckt und haut diese jetzt völlig legal ‚raus.

Hallo! Geht’s noch? Wer hier ein Schnäppchen sieht und dankbar zuschlägt, der hat in seiner Birne vermutlich weniger Substanz als die „Dankebote“-Lampen, nimmt seit dem vergangenen Jahrhundert kein neues Wissen mehr an, sieht sich vielleicht als Rebell gegen EU-„Reglementierungswut“ oder würde gerne die Laufzeiten der Atomkraftwerke unendlich verlängern. Muss man wirklich noch jemandem erklären, dass Glühlampen zu 95 Prozent stromfressende Heizquellen sind und nur so nebenbei auch Licht abgeben?

Genau dieses Merkmal macht sich neuerdings ein Kleinunternehmer aus Essen zu Nutze und bietet so genannte Heatballs an. Das sind aus China importierte 75- und 100-Watt-Glühlampen, die aber nicht als Leuchtmittel, sondern als „Kleinheizgeräte“ deklariert sind und deshalb die EU-Vorschriften unterlaufen sollen. In den Kommentaren der verlinkten FAZ.net-Berichterstattung über die wahnwitzige „Geschäftsidee“ des Ingenieurs Siegfried Rotthäuser fällt auf, dass die begeisterte Zustimmung überwiegt und die wenigen kritischen Stimmen durchweg schlecht bewertet werden (teils von mehreren Hundert „Bewertern“).

Mal davon abgesehen, dass diese Heatballs mit € 1,69 pro Stück erheblich teurer sind als das aktuelle „Bauhaus“-Angebot (à € 0,50), kräuseln sich mir angesichts dieser merkantilen Frechheit und der unkritischen Rezipienz die Fußnägel in die Höhe. Offenbar sind große Teile der Bevölkerung noch erheblich verantwortungsloser und dümmer als ich ohnehin schon vermutet hatte.

Vermutlich werden Sie aber auch in Ihrer Tageszeitung keine kritischen Stimmen zum „Bauhaus“-Angebot finden. Kein Verlag verliert gerne einen Kunden, der regelmäßig Prospekte einlegen oder Anzeigenseiten schalten lässt. Was früher die staatliche Zensur war, ist heute die Drohung eines Unternehmens, die Geschäftsbeziehung mit dem Verlag zu beenden. Das gilt natürlich sinngemäß auch für Radio- und TV-Sender sowie kommerzielle Online-Angebote.

Und so müssen wir uns damit trösten, dass die teuflischen Geschäftemacher selbst – teilweise parallel zu ihren umweltschädlichen „Dankeboten“ – manchmal den Engel spielen, etwa bei der aktuellen „Bauhaus“-Beilage mit dem schönen Titel „Der Umwelt zuliebe“. Ich bin gerührt.

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