Philips löst Osram beim „Allianz Arena“-Fassadenlicht ab (Update)

Philips-LED-Leuchten statt Osram-Leuchtstofflampen sollen künftig das Licht für die riesige Fassade der Münchener „Allianz Arena“ liefern. Mit der neuen Technik sind dynamische Muster mit 16 Millionen Farben möglich.

Allianz Arena Design-Studie
Beispielsweise so könnte die Fassade des Stadions künftig aussehen. Die Designstudie zeigt eines der unzähligen detaillierten Muster, die mit 380.000 LEDs erzeugt werden können (Grafik: Philips-PR). Mit den bisherigen Leuchtstoffröhren sind nur Rot, Blau und Weiß in verschiedenen Helligkeitsstufen möglich – maximale Auflösung sind die 1056 Luftkissen-Segmente (Foto: Joachim Schneider @ Wikimedia Commons, Lizenz: GNU):

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Ausgerechnet vor der Nase des stärksten Konkurrenten Osram (mit Hauptsitz München) hat Philips jetzt einen Hammer-Deal abgeschlossen: Die Niederländer werden laut Pressemitteilung Sponsor und offizieller Licht-Partner des FC Bayern München und außerdem die seit 2006 bestehende Fassadenbeleuchtung der „Allianz Arena“ auf dynamisch farbsteuerbare LED-Technik umrüsten. Der Verein habe vergangene Woche den Vertrag über eine langfristige strategische Partnerschaft mit „Philips Lighting“ unterzeichnet.

Philips-ColorGraze MX4 PowercoreStatt jeweils sechs Siteco-Leuchten mit 24 Osram-Leuchtstoffröhren in jedem der 1056 beleuchteten Folienkissen (Detailbeschreibung) sollen später mal insgesamt 8000 digitale Philips-„ColorGraze MX4 Powercore“-Multicolor-Leuchten (Foto: Philips-PR) mit 380.000 einzeln ansteuerbaren LEDs für größtmögliche Flexibilität bei der Lichtgestaltung sorgen. Auch innerhalb der einzelnen Segmente der 29.000-Quadratmeter-Fassade seien dann Farbverläufe möglich, was bisher nicht zu realisieren war.

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Der Stromverbrauch könne um rund 60% gesenkt werden; außerdem reduziere sich der Wartungsaufwand wegen der Langlebigkeit der LED-Technik. Bestandteil des Deal seien auch umfassende Serviceleistungen von der Planung und Programmierung über die Inbetriebnahme bis hin zur regelmäßigen Wartung.

Die Stadt hat ein Wörtchen mitzureden

Wie bunt und lebhaft die Fassadenbeleuchtung der Arena aber in Zukunft tatsächlich wird, hängt nicht von der LED-Technik oder Digital-Programmierung von Philips ab. Stattdessen wird die Stadt München als oberste Polizeibehörde vermutlich klare Grenzen setzen, denn schon mit den bisherigen Farbspielereien gingen anfangs die Unfallzahlen in der Umgebung des Stadions steil nach oben – wegen der optischen Ablenkung der Autofahrer.

Aktuell ist es beispielsweise abends nur noch erlaubt, die Fassade nach jeder halben Stunde in einer anderen Farbe leuchten zu lassen – mehrfarbige Kombinationen wie oben abgebildet sind deshalb in der Regel nicht möglich. Welche LED-Farben und -Muster künftig die „Allianz Arena“ schmücken, dürfte noch Bestandteil diverser Verhandlungen sein. Nicht umsonst heißt es in der Philips-Pressemitteilung:

Erste Design-Studien haben die Partner bereits entwickelt und werden diese vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen weiterentwickeln.

Es wäre jedenfalls nicht der erste sportliche Dämpfer, den Niederländer in einem Münchener Fußballstadion hinnehmen müssten.

Update 14.08.2015: Zum heutigen Start der Bundesliga-Saison geht die neue Fassadenbeleuchtung in den Regelbetrieb und sieht beispielsweise so aus:

Philips-LED-Allianz-Arena-2015

Statt den ursprünglich geplanten rund 8000 „ColorGraze“-Leuchten wurden seit Oktober 2014 laut Pressemitteilung etwas mehr als 6500 mit insgesamt gut 300.000 Einzel-LEDs installiert. Dazu kamen mehrere Hundert „Data Enabler“ und über fünf Kilometer Kabel zur digitalen Steuerung über die Cloud-basierte Philips ActiveSite-Plattform. Die Farben und Farbintensitäten sollen sich so stufenlos in beliebiger Geschwindigkeit ändern lassen; Bildwiederholungsraten von bis zu 40 Bildern pro Sekunde würden flüssige Bewegungsabläufe garantieren.

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Ein Gedanke zu „Philips löst Osram beim „Allianz Arena“-Fassadenlicht ab (Update)

  1. Haben da urheberrechtlich nicht auch die Stadionarchitekten mitzureden? Rautenstruktur der Hülle und Lichtgestaltung waren kaum ganz zufällig. Wahllos reingekleisterte Sterne von Philips-Designern werden nur der Anfang sein, dem FC Bayern ist auch der Wille zu noch schmerzbefreiteren Verleinwandungs-Gags zuzutrauen, wenn es nur lukrativ scheint.

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