Stiftung Warentest wehrt sich gegen Manipulations-Verdacht

Erhebliche Zweifel an der Seriosität von „Stiftung Warentest“ äußerte ein Blogleser nach meinem Beitrag über einen „Sparlampen“-Test der Organisation („test“-Magazin-Coverausschnitt 4/2014 unten).

test-04-2014-detailIn seiner E-Mail an mich schrieb der Branchen-Insider, ihm sei zumindest ein Fall bekannt, bei dem Hersteller von Haushalts-Großgeräten vor einem Test kontaktiert worden seien und diese anschließend der Stiftung „einen Pool an Geräten“ zur Auswahl angeboten hätten. Diese seien „natürlich mit handverlesenen Teilen aufgebaut, penibel verarbeitet und getestet“. Von gerechten Ergebnissen könne man da nicht mehr sprechen.

Dieser Vorwurf hätte – wenn er zuträfe – sicher „ADAC 2.0“-Skandalpotenzial. Auf meine Nachfrage antwortete mir jedoch Heike van Laak, Presse-Abteilungsleiterin der „Stiftung Warentest“:

„… dass wir Haushaltsgroßgeräte von Anbietern bekommen, ist ausgeschlossen. Wir kaufen diese Geräte immer und ausnahmslos anonym im Handel ein und bezahlen vor Ort, wie jeder andere Verbraucher auch. (Zu Ihrer Information: wir beschäftigen alleine 9 Einkäufer in unserem Haus, die hauptberuflich nichts anderes machen, als in ganz Deutschland Produkte für Tests einzukaufen).

Das ist übrigens für uns auch mit Nachteilen verbunden: Neuheiten auf dem Markt (I-Phones, I-Pads, Kameras usw.) können von uns erst dann getestet werden, wenn sie schon auf dem Markt sind. Bei Fachzeitschriften, die die Produkte vom Anbieter bekommen, sieht das anders aus. Sie können zum Erscheinen einer Neuheit bereits mit einem Test aufwarten. Wir hinken da immer etwas hinter her. Aber anders geht es eben nach unserer Auffassung nicht.“

Für diese Darstellung von „Stiftung Warentest“ spricht immerhin, dass auch beim aktuellen Lampentest LED-Leuchtmittel vertreten waren, die es so nicht mehr im Handel oder in den offiziellen Hersteller-Sortimenten gibt. Überprüfen kann ich mangels gerichtsverwertbarer Beweise weder die eine noch die andere Sicht der Dinge. Der Blogleser möchte offiziell anonym bleiben; seine Identität ist mir allerdings bekannt.

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9 Gedanken zu „Stiftung Warentest wehrt sich gegen Manipulations-Verdacht

  1. Ich persönlich sehe es als keinen gravierenden Nachteil an, dass Stiftung Warentest durch den Einkauf schon am Markt befindlicher Produkte ein zeitlicher Nachteil entsteht. In wievielen Fällen ist oder war es speziell bei LED Markenleuchtmitteln so, dass ein Nachfolgemodell um so viel schlechter war als das Vorgängermodell des gleichen Herstellers, dass man davon ernsthaft abraten hätte sollen?

    • Zustimmung. Der einzige Nachteil, der bei den meisten Herstellern in den fortschreitenden Produktgenerationen auftritt, ist die stetig abnehmende Lebensdauer. Aber die grundlegenden Produkteigenschaften wie Lichtqualität und Leistung sollten sich nicht grundlegend verschlechtern, eher verbessern. Zudem bieten Baumärkte oftmals noch die älteren LED-Generationen an. Daher haben auch diese verzögerten Tests durchaus ihre Berechtigung. Evtl. wäre auch ein Splitten denkbar: Ein Test aktueller Modelle hinsichtlich Lebensdauer und ein, zwei Jahre später ein Nachtrag, wo die Lebensdauer ermittelt wurde.

      Ein viel größerer Kritikpunkt an der Stiftung Warentest ist ihre Knauserigkeit mit den Messdaten. Es wäre absolut kein großer Aufwand, die Daten z.B. zur Spektralverteilung, R1-14, Abstrahlprofil usw. für angemeldete Kunden, die den Testartikel gekauft/abonniert haben, zum Download bereit zu stellen, ggf. auch gegen Aufpreis. Ich meine, wenn ein privates Blog wie Wolfgangs das (sogar kostenlos!) hinbekommt, sollte das für die StiWa doch erst recht Routine sein.

      Stattdessen beobachte ich in den letzten ca. 30 Jahren einen stetigen Rückgang der Testdetails, etwa auch bei Fernglas-Tests (Ferngläser sind ja ein gutes Beispiel für Produkte, wo sich technisch nicht allzu viel ändert, anders als bei LEDs oder gar Smartphones): Wo früher noch detaillierte Messdaten etwa zur effektiven Lichtstärke, Vergrößerung usw. standen, gibt es nur noch „Schulnoten“. Und schlimmer noch: Man wird nicht müde, dies etwa auf den Kommentarseiten damit zu begründen, dass der gemeine Leser mit den Daten nichts anfangen könne. Hallo? Wer mit Details nichts anfangen kann, braucht sie ja auch nicht zu lesen bzw. herunterzuladen 😉

    • @Johannes: Nicht unbedingt schlechter, aber häufig komplett anders aufgebaut – siehe beispielsweise diese beiden Osram-Varianten. Da konnte man vom Testergebnis des alten Modells überhaupt nicht auf die Qualitäten des damaligen Nachfolgers schließen. Jener kam wiederum jetzt beim aktuellen Test dran, ist aber schon wieder von einer völlig neuen Lampe abgelöst worden.

      Derzeit haben wir LED-Produktzyklen von rund sechs Monaten – das genügt nicht mal für einen 6000-Leuchtstunden-Dauertest.

      • @Wolfgang: Ich bezweifle stark, dass jede günstige Consumer-LED einen 6000-Stunden-Dauertest aushalten würde (und wer braucht das im Haushalt auch).
        Um ein Beispiel aus der Fotografie zu bringen: Hier hat mir mal einer vom Fach erklärt, dass der Unterschied zwischen einer günstigen Digitalkamera und einer professionellen Digital-Spiegelreflexkamera heute nicht mehr in der ‚Bild‘-Qualität liegt, sondern in der ‚Build‘-Qualität. Sprich für härteren und Dauergebrauch ist eigentlich nur die Professional-Variante ausgelegt. Ist denke ich auf Consumer + Business Notebooks, PCs bzw. andere Elektronik ebenfalls übertragbar. Auf so manchem Consumer-Produkt steht zur Hersteller-Absicherung auch in den Garantiebedingungen, dass selbige bei professionellem Gebrauch nicht geltend gemacht werden kann.

  2. Wenn man nur die hier veröffentlichten Leserhinweise sowie die Stellungnahme der StiWa abgleicht und darüber hinaus nichts über etwaige Prozesse weiß, mit denen die Kette „Entscheidung der zu testenden Typen-:-:-:-Einkauf-:-:-:-StiWa(-beauftragtes)-Testlabor“
    auf Nichtmanipulation abgesichert wird, gäbe es rein theoretisch diverse Möglichkeiten, ausgesuchte Geräte einzuschleusen. Wie gesagt, ich will da niemandem etwas unterstellen, aber wenn’s um Geld geht, steigt die Kreativität überproportional.

    Vielleicht sollte man unsere „OSZE“-Bundeswehrler umschulen für Verifikationsaufgaben der StiWa? So müssten sie nicht ins Ausland und könnten problemlos Zivilkleidung tragen.

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