Ei, Ei, Ei! Mysteriöser Teilausfall bei „Lumiblade“-OLED-Panel (Update)

Ein wenig von seiner ohnehin überschaubaren Helligkeit verloren hat eins meiner „Lumiblade“-OLED-Panels aus dem im Herbst 2012 vorgestellten „Plus 2 Experience-Kit“. Nach rund 1000 Leuchtstunden entwickelte sich Ende März plötzlich ein kleiner schwarzer Fleck in einer Ecke der Glasfläche. Die Ursache liegt vermutlich in unsachgemäßer Behandlung, jedoch nicht von mir.

Lumiblade-Fleck
Die 7,4 x 7,4 cm große Leuchtfläche des „Lumiblade GL26“-OLED-Panels mit dem eiförmigen schwarzen Fleck von rund 3 mm Durchmesser. (Foto: W. Messer)

Es klingt wie ein schlechter Aprilscherz: Woran merken Sie als OLED-Besitzer, dass Ostern ist? Am plötzlich auftauchenden dunklen Osterei auf dem Glas-Panel. Genau so war’s bei mir und ich traute meinen Augen kaum. Schließlich leuchteten die beiden Philips-„Lumiblade“-Plättchen schon seit meinem ersten Test vor rund sechs Monaten problemlos mehrere Stunden täglich, weil ich sie versuchsweise als TV-Hintergrundbeleuchtung zweckentfremdet habe.

Okay, das „Experience Kit“ für 242 Euro ist vom Aachener Hersteller ausdrücklich nur für Experimental- und nicht für echte Beleuchtungsaufgaben vorgesehen. Aber muss es sich dafür gleich mit so einem mysteriösen Phänomen rächen? Muss es nicht, wie mir „Lumiblade“-Sprecher Dietmar Thomas jetzt versicherte. Der Fleck habe auch nichts damit zu tun, dass bei mir eventuell ein Insekt oder was ähnlich Kleines darauf gefallen und sich eingebrannt haben könnte.

Zu hohe mechanische Belastung?

Die Ursache liege wahrscheinlich bereits bei der sehr sensiblen Produktion des Panels oder beim Verpacken verborgen. Wenn hier nämlich ein zu starker und anhaltender Druck auf eine Stelle ausgeübt werde, bliebe zwar das Glas möglicherweise unbeschädigt. Die verschiedenen Schichten der wie ein mehrfach belegtes Sandwich aufgebauten OLED könnten aber zu stark zusammengedrückt werden, so dass der unten liegende „Getter“ (eine Art Kissen) in direkten Kontakt mit dem Abdeckglas oben komme. Die dazwischen liegenden, lichterzeugenden Schichten würden dabei gequetscht.

Das sehe man nicht unbedingt sofort; das Panel könne dennoch einwandfrei leuchten. Mit der Zeit würden aber die Chemikalien an der gequetschten Stelle austrocknen und genau so einen Ausfall erzeugen wie bei meinem „GL26“. Passiert sei das bisher extrem selten – es handele sich um absolute Einzelfälle. Ohnehin sei die Reklamationsquote bei „Lumiblade“ sehr niedrig.

Lumiblade-OLED-Produktion
Sorgfalt ist oberstes Gebot bei der OLED-Produktion. Selbst kleinste Fehler können sich katastrophal auswirken. (Foto: Philips-Lumiblade-PR)

„Black Spots“ sehen anders aus

Die bisher am häufigsten beobachteten OLED-Fehler machen sich als erheblich kleinere „Black Spots“ bemerkbar: Schwarze Punkte etwa in der Größe einer Kugelschreiberspitze, die an mehreren Stellen des Panels auftauchen können und mit der Zeit immer zahlreicher werden. Ursache ist hier die mangelhafte seitliche Versiegelung der Schichten, so dass Sauerstoff und Feuchtigkeit eindringen können. Beides schadet den organischen Verbindungen der lichterzeugenden Schichten, die deshalb hermetisch gegen Umwelteinflüsse abgeschlossen sein muss.

Die gute Nachricht für mich: Während der „Black Spot“-Fehler mit der Zeit immer größere Teile eines OLED-Panels unbrauchbar machen kann, wird sich mein „Osterei-Fleck“ wohl nicht weiter ausdehnen. Er bleibe, so versicherte mir Dietmar Thomas, auf den Bereich beschränkt, bei dem irgendwann mal zu stark draufgedrückt wurde.

Update 29.11.: Die Vorhersage war korrekt; der Fleck hat sich bisher nicht vergrößert. Inzwischen haben sich aber – nach weniger als 2000 Leuchtstunden – zwei weitere dunkle Stellen gebildet. Sie liegen ebenfalls in einem Eckbereich und haben eine ähnliche Form wie der erste:

Lumiblade-Panel-11-2013

„Lumiblade“-Sprecher Dietmar Thomas erklärte mir heute dazu:

„Das habe ich so gesammelt bei einer OLED noch nicht gesehen. Wie Sie aber korrekt im Blog schreiben, handelt es sich um Design-Sample, die vor allem einen ersten Eindruck der Lichttechnologie ermöglichen sollen. Diese sind nicht wirklich für die Ewigkeit gemacht. OLEDs aus unseren Produktreihen haben mittlerweile eine Lebensdauer von 30.000 Stunden. Reklamationen unserer Kunden kennen wir nur in Ausnahmefällen. Auch hier sind es meist mechanische Probleme beim Einbau in eine Leuchte oder Installation, die zu einem Ausfall geführt haben.“

Lumiblade-4PunkteUpdate 14.01.2014: Jetzt ist die Symmetrie wieder hergestellt: Ein viertes schwarzes „Osterei“ hat sich in der bis dahin noch freien Ecke gebildet (Bild). Das im Oktober 2012 erstmals in Betrieb genommene Demo-Panel hat inzwischen ca. 2500 Leuchtstunden hinter sich.

Form und Lage der Flecken bestätigen die ursprüngliche Vermutung von Dietmar Thomas, dass irgend eine Halterung während des Produktionsprozesses zu starken Druck auf die betroffenen Stellen ausgeübt hat. Seit 2012 gibt es in Aachen jedoch eine völlig neue, 40 Millionen Euro teure OLED-Fertigungsanlage, in der so was hoffentlich nicht mehr passiert.

Update 11.07.2014: Nach rund 3000 Leuchtstunden haben sich diesen Monat drei neue dunkle Flecken zu den vier „Ostereiern“ gesellt, die ich nur schwer mit einer Halterung assoziieren kann. Die inzwischen sieben Muster erinnern eher an die Anzahl der deutschen Tore gegen Brasilien bei der Fußball-WM. Oder geht Deutschland-Argentinien am Sonntag 4:3 aus?

Lumiblade-07-14-1

So allmählich sollte ich mich mit „Lumiblade“ vielleicht mal über aktuellere OLED-Panel-Testexemplare unterhalten oder die Verwendung des alten als Orakel ins Auge fassen … Interessanterweise zeigt die von mir exakt gleich behandelte „GL 55“-Variante bisher noch keinerlei Ausfallerscheinungen und leuchtet fast wie am ersten Tag:

Lumiblade-07-14-2

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7 Gedanken zu „Ei, Ei, Ei! Mysteriöser Teilausfall bei „Lumiblade“-OLED-Panel (Update)

    • Danke, hat mir heute schon jemand bei Twitter vorgeschlagen. Hat aber leider nichts mit LED- oder OLED-Beleuchtung zu tun – ist eher ’ne neue Sorte der Kompaktleuchstofflampe. Mag ich mich derzeit nicht drum kümmern, sorry.

  1. Gut, dass du drauf hinweist, Wolfgang.
    Familien mit ein paar Kindern sollten dann wegen potentieller mechanischer Belastungsgefahr wohl noch etwas zuwarten mit dem Bepflastern ganzer Wände mit OLED. Kommt halt doch noch ein bisschen teurer als die Wände wieder mal neu streichen 😉

  2. Wahrscheinlich entstammt das Muster aus der künstlerisch besonders wertvollen „Living Art Collection“.
    Spaß beiseite. So etwas kann bei frühen Demonstrationsmustern einer neuen Technologie(stufe) schon passieren. Die Teile werden ja noch keine ordentliche Qualifizierung mit Lebensdauertests wtc. durchlaufen haben. Es ist eben eine Gratwanderung, ob man solch ein frühes Muster einem Journalisten überläßt. Die meisten schreiben nur kurz drüber, ohne eine dauerhafte Nutzung. Dafür sind solche Muster ok.

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