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10.1.2012 von Wolfgang Messer.
Wenn Sie in einer Wand- oder Deckenleuchte mehr als eine Lampenfassung haben, schrauben Sie in der Regel gleiche “Kerzen”, “Birnen” oder Spots ‘rein und gehen optimistisch davon aus, dass diese Leuchtmittel dann auch jeweils identische Helligkeit und Farbtemperatur haben. Diese Zuversicht wurde bei den herkömmlichen Glüh- und Halogenlampen selten enttäuscht. Anders bei LED-Lampen: Hier müssen Sie davon ausgehen, dass vermeintlich gleiche Exemplare doch unterschiedlich ausfallen können. Nicht immer ist das so offensichtlich wie bei diesen “Lumixon-Kerzen”:

Zwei Chargen der gleichen Baureihe: Die obere Lampe hat fünf LEDs pro horizontaler Reihe, die untere (nachgelieferte) sechs. Außerdem liegen die Reihen unten weiter auseinander; das Design der Kerzenspitze, die Helligkeit und die Farbtemperatur differieren. (Fotos: W. Messer)
Überraschende Unterschiede kann es aber auch bei äußerlich identischen LED-Lampen geben, wenn Sie im eingeschalteten Zustand genau hinschauen. Aufgefallen ist mir das zum Beispiel bei meinen sieben Zwillings-Wandspots, bestückt mit je zwei dimmbaren (und nicht mehr angebotenen) 4-Watt-“Lumixon“-Strahlern. Hier musste ich drei defekte Exemplare durch neue ersetzen und hatte anschließend meine liebe Mühe, “matching pairs” zusammenzustellen - also einigermaßen identisch leuchtende LED-Strahlerpaare.

Zwei der dimmbaren “Lumixon”-LED-Spots mit leicht differierender Helligkeit und Farbtemperatur.
Bevor Sie jetzt aber darüber meckern, dass ich schon wieder auf den vergleichsweise preisgünstigen “Lumixon”-Lampen herumhacke: Das Problem der Serienstreuung betrifft auch erheblich teurere Produkte von renommierten Marken. Aktuell habe ich das bei den letzte Woche von “ELV” gelieferten dimmbaren 5,5-Watt-Osram-”LED SUPERSTAR PAR16″-Strahlern beobachtet:

Den kleinen Unterschied bei Helligkeit und Farbtemperatur dürften Sie wohl auch bei dieser nicht ganz originalgetreuen Fotografie sehen. Um irreführende Einflüsse durch den Betrachtungswinkel auszuschließen, habe ich versuchsweise Streufolien davor geklebt. Aber auch so wird die unerwünschte Individualität sichtbar:

Nun mag das bei weit auseinander liegenden Einzelstrahlern optisch kein Problem sein, in meinen Zwillingsleuchten allerdings schon. Bei Einzelpreisen von knapp 20 Euro erwartet man als Kunde doch eine gewisse Homogenität und damit eine problemlose Einsetz- und Austauschbarkeit der Produkte.
Die Realität sieht bei “weißen” LED-Leuchten anders aus. Tatsächlich gibt es schon bei der Herstellung der einzelnen Dioden bauartbedingt eine leichte Serienstreuung. Diese Unterschiede können sich durch die Mischung verschiedenfarbiger LEDs oder eine hinzugefügte Leuchtschicht (zur Erzeugung einer “warm-weißen” Farbtemperatur) und die anschließend montierte Vorschaltelektronik noch verstärken. Hier mal ein paar Milliohm mehr oder weniger in einem Widerstand, dort einige Picofarad Schwankung bei der Kapazität der Kondensatoren und schon haben wir als Endprodukt eine etwas hellere oder dunklere Lampe, die dann meist auch eine leicht abweichende Farbtemperatur liefert.
Anfällig sind besonders die dimmbaren LED-Leuchtmittel, die über die gesamte Dimmerspanne hinweg unter jeweils gleicher Spannung asynchrone Ergebnisse aufweisen können. Völlig vergessen müssen Sie das Mischen von verschiedenen LED-Fabrikaten im selben Dimmer-Stromkreis, selbst wenn die Lampen offiziell weitgehend identische Daten haben. Dann können Sie nämlich fast immer erleben, dass die Dimmkurven erheblich differieren: Wenn etwa ein Spot bei niedrigster Stufe schon fast aus ist, kann der andere eventuell noch mit der Hälfte der Maximal-Helligkeit strahlen. Möglicherweise beginnt auch ein Teil der Spots wegen zu geringer Mindestlast zu flackern; aber das ist eine andere Geschichte.
Bei fertig gelieferten Strahlerleisten oder Deckenleuchten mit mehreren fest eingebauten LED-Modulen (etwa bei der dimmbaren Philips-“Ledino”-Serie) behelfen sich die Hersteller mit einer strengen Selektion der Bauteile (“Binning” genannt), um solche Probleme zu vermeiden.

Ein Philips-”Ledino”-Dreier-Spot mit selektierten, identisch strahlenden “Luxeon Rebel Power“-LED-Modulen.
Das erfordert allerdings einen extrem hohen Aufwand und entsprechend extreme Preise (der abgebildete Dreierbalken kostet über 300 Euro). Bei Lampen für den Einzelgebrauch (meist “Retrofit”-Leuchtmittel) versuchen die Hersteller deshalb höchstens, die innerhalb des jeweiligen Leuchtmittels verwendeten Einzel-LEDs zu selektieren. Lampen der gleichen Serie können sich also durchaus unterscheiden und werden trotzdem ohne schlechtes Gewissen in den Handel gebracht. Es ist halt der Kompromiss im klassischen Zielkonflikt zwischen erwünschter Produktqualität und marktfähiger Kosten/Nutzen-Relation.
Die aktuelle LED-Beleuchtungstechnik ist mit ihrer erst 16jährigen Geschichte offensichtlich noch immer mitten auf dem langen Weg vom Nischen- zum Massenprodukt und bei Weitem noch nicht ausgereift. Aber seien Sie nachsichtig: Dieses Problem hatten die meisten anderen technischen Innovationen ebenfalls. Denken Sie daran, wie Automobile, Telefone oder Computer 16 Jahre nach ihrer Erfindung aussahen und was aus ihnen inzwischen geworden ist. Die Richtung stimmt jedenfalls schon mal.
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10.1.2012 von Wolfgang Messer.
Eigentlich war es kein besonders herausforderndes Thema gestern (9. Januar) für die Nachrichtenredaktionen: Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim (Foto: lastsham@Wikimedia Commons, Lizenz CC by 2.0) war von einem Gericht überraschend freigesprochen worden - aus Mangel an Beweisen. Die kleine sprachliche Falle lag aber im angeklagten Delikt: “Sodomie” bzw. “sodomy” - so hieß es jedenfalls in den französisch- und englischsprachigen Quellen der Meldung. Wegen des gleichen Vorwurfs musste Anwar Ibrahim bereits im letzten Jahrzehnt für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Tagesschau.de übersetzte das so:
Auch damals schon war Anwar wegen Sodomie und darüber hinaus wegen Korruption angeklagt und jahrelang aus der aktiven Politik verbannt worden.
… und bekräftigte das noch in einer Bildunterschrift:
Anwar hat bereits acht Jahre im Gefängnis verbracht, wegen angeblicher Korruption und Sodomie.
Die taz ergänzte das durch Anführungszeichen und ein in diesem Zusammenhang seltsam anmutendes Adjektiv:
Im Fall des malaysischen Oppositionsführers Anwar Ibrahim, der bei einer Verurteilung wegen “konsensualer Sodomie” mit bis zu 20 Jahren Gefängnis hätte rechnen müssen, ist der überraschende Freispruch natürlich erfreulich.
Der durchschnittliche Deutsche dürfte da spontan und entsetzt an Unzucht mit Tieren denken, denn genau diese Bedeutung hat “Sodomie” im heutigen Sprachgebrauch. Nun gibt es aber so genannte “false friends” - Begriffe, die gleich oder ähnlich wie ein deutsches Wort geschrieben werden, aber etwas völlig Anderes bedeuten können. So ist das englische gift bekanntlich kein Gift, sondern ein Geschenk, und das französische batterie meist ein Schlagzeug.
Tatsächlich war nämlich kein Malaysier jemals der Ansicht, der Oppositionsführer könnte Hühnern, Ziegen oder Schafen beigewohnt haben - auch nicht “konsensual”, also im gegenseitigen Einvernehmen (ich vermag mir kaum vorzustellen, wie das juristisch festgestellt werden könnte).
Stattdessen ging es - neben der behaupteten Korruption - um die wiederholte Anklage wegen angeblicher homosexueller Handlungen; im engeren Sinn um Analverkehr, der in diesem muslimischen Land verboten ist. Im Französischen wird das als “sodomie” und im Englischen als “sodomy” bezeichnet. Im Deutschen heißt das alles Mögliche, aber schon lange nicht mehr “Sodomie”.
Übrigens, falls Sie mal wieder was mit Tieren übersetzen müssen: Chèvre ist auf Deutsch kein Schäfchen, sondern eine Ziege.
Update 11.1.: Tagesschau.de hat inzwischen (offenbar aber erst heute) durchgängig, kommentarlos und ohne Aktualisierung des ursprünglichen Zeitstempels den Begriff “Sodomie” durch “Homosexualität” ersetzt.
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