Gut, „LED-Geheimnisse“ mag jetzt etwas übertrieben sein, weil Sie vielleicht doch das Eine oder Andere bereits wissen. Aber diese langweiligen und sattsam bekannten Argumente für LED-Beleuchtung wie „spart ’ne Menge Strom“, „hält ewig“ oder „kein Quecksilber drin“ legen wir jetzt mal auf die Seite und holen ein paar „Fun Facts“ ‚raus, die zwar auch irgendwie für LEDs sprechen, über die jedoch kaum jemand redet:
- Textilien, Dokumente, Fotos, Tapeten und Wandbehänge bleichen unter LED-Licht viel langsamer aus als zum Beispiel unter Glühlampen oder bei Tageslicht. Der Grund: LEDs geben weder Infrarot- noch Ultraviolett-Strahlung ab. Bei der Renovierung eines seit dem 18. Jahrhundert bestehenden Hotels im belgischen Gent wurde deshalb konsequent auf LED-Beleuchtung umgerüstet, um das historische Interieur zu schonen. Leider sind die Tapeten in einigen Zimmern dieses Hotels derart gewöhnungsbedürftig, dass man sich eher ein vorzeitiges Ausbleichen wünschen würde. Schauen Sie mal:

Eines der LED-beleuchteten Zimmer im „Sandton Grand Hotel Reylof“ in Gent. (Foto: PR)
LED-Lampen sind nett zu Klimaanlagen, Pop-, TV-Stars und Schokohasen. Da sie inklusive der Verluste durch die Vorschaltelektronik aktuell bis zu 30 Prozent der eingesetzten Energie in Licht umsetzen (statt nur 5 bis 10 Prozent wie Glühfaden- und Halogenlampen), entsteht vor allem beim Dauerbetrieb viel weniger Wärme. Also brauchen Sie auch weniger Energie, um einen Raum kühl zu halten. Besonders vorteilhaft ist das zum Beispiel für Musiker im Bühnenscheinwerferlicht bei schweißtreibenden Konzerten, für Moderatoren in taghell ausgeleuchteten Fernsehstudios und für Schokoladenfiguren bei LED-/Glühlampen-Vergleichstests. Diese Medaille hat natürlich noch eine andere Seite, denn …
- Ältere Passivhäuser, deren Wärmehaushalt ursprünglich (meist vor 2005) mit dem Einsatz von Glühlampen berechnet wurde, haben eventuell ein Problem mit der Umrüstung auf LED-Beleuchtung. Im Winter fällt nämlich ein Teil der geplanten internen Wärmeerzeugung weg und es muss zugeheizt werden. Da aber das Heizen mit Strom (egal, ob mit Radiatoren, Heizlüftern, Nachtspeicherheizungen oder Glühlampen) rund doppelt so teuer ist wie mit Gas oder Öl, steht unter’m Strich dann doch ein Plus. Und außerdem könnte man ja eine großzügig bemessene Erdwärme- oder Sonnenkollektoren-Anlage einbauen, um das Defizit auszugleichen.
- LED-Beleuchtung ist ein Segen bei Gedächtnisschwäche und Demenz. Ich habe leider vergessen, warum, aber hier steht’s vermutlich.
- LED-Lampen (jedenfalls die hochwertigen) behalten ihre Lichtfarbe und Helligkeit unter fast allen Umständen. Während Glühlampen mit zunehmendem Alter merklich dunkler werden und „wärmeres“ Licht abstrahlen, schaffen anständige LEDs mindestens 25.000 Brennstunden, bis sie 30% ihrer Anfangshelligkeit verloren haben. An der Farbtemperatur ändert das Alter der Leuchtdiode in der Regel nichts. Diese Farb- und Helligkeitsstabilität behält LED-Beleuchtung wegen ihres geringen Stromverbrauchs und mit anständiger Vorschaltelektronik auch bei Spannungsschwankungen im Stromnetz, die bei Glühlampen zum merklichen Flackern führen würden. Selbst starke Vibrationen und Erschütterungen, wie sie zum Beispiel in Autos üblich sind, beeinträchtigen weder Leistung noch Lebensdauer von hochwertigen LED-Lampen.

Kein „Insekten-Magnet“: Eine unserer Außenleuchten mit dimmbarer 6-Watt-LEDON-„Globe“-Lampe. (Foto: W. Messer)
- LED-Außenleuchten locken weniger Insekten an. Sie kennen das wahrscheinlich von früher, dass sich in lauen Sommernächten schier undurchdringliche Schwärme von Mücken und Motten um die Hochdruck-Quecksilberdampflampen am Straßenrand scharten, wild gegen die Leuchten knallten und so ihr Leben vorzeitig beendeten. LED-Leuchtmittel sind erheblich insektenfreundlicher, weil sie kaum Wellenlängen haben, die Insektenaugen besonders anziehend finden (etwa der Ultraviolettbereich unter 380 Nanometer, den gibt’s bei LEDs gar nicht). Außerdem produzieren LED-Lampen durch ihre klar begrenzten Abstrahlwinkel weniger Streulicht, das weitere Insekten zum Besuch einladen könnte. Und was für Straßenleuchten zutrifft, das gilt natürlich auch für Ihre Garten- und Balkonbeleuchtung zuhause.
- LEDs leuchten auch noch, wenn der Strom ausfällt. Okay, das ist jetzt stark übertrieben, aber zumindest zuhause mit handelsüblichen Lichtschaltern für eine sehr kurze Zeit zu beobachten. Da LED-Leuchten nur eine sehr geringe Leistungsaufnahme haben, genügt Ihnen manchmal nach dem Ausschalten der kleine Reststrom in den Leitungen für ein „Nachleuchten“ oder Blitzen (Update: Mehr zum Thema „blitzende LED-Lampen nach dem Ausschalten“ lesen Sie auch hier und dort). Umgekehrt können Sie bei dimmbaren LED-Lampen und mit einem kombinierten Drehdimmer/Drückschalter eventuell beobachten, dass die Lampen nach dem erneuten Einschalten kurz mit voller Helligkeit leuchten, bevor Sie wieder auf die vorher eingestellte Dimmerstufe abgedunkelt werden. Es geht aber noch besser:
- Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA haben eine Leuchtdiode entwickelt, die es auf über 200 Prozent elektrische Effizienz bringt. Das heißt, dass diese LED mehr als doppelt so hell leuchten kann, als es mit der gegebenen Energieversorgung im besten Fall eigentlich möglich wäre. Bei 30 Pico(Billionstel)-Watt Stromzufuhr haut dieses kleine Ding 69 Picowatt ‚raus. Damit wurde nun allerdings nicht das „Perpetuum mobile“ erfunden. Stattdessen kühlt die Wunder-LED nach dem Überschreiten der 100%-Effizienzmarke deutlich ab, holt sich zusätzliche Energie aus der Umgebungswärme und wandelt sie in Photonen um. Theoretisch könnte man diese Mini-Diode also auch als leuchtendes Kühlelement einsetzen.
- Blaue LEDs können Rückenschmerzen lindern. Daran glauben zumindest die Hersteller von „therapeutischem Licht“. Wenn Sie in der Apotheke für 249 Euro so ein Umschlagband mit eingearbeiteten Leuchtdioden kaufen, dann glauben Sie das sicher auch. Müssen Sie einfach, sonst wär’s ja ‚rausgeworfenes Geld. Aussagekräftige, vergleichende Patientenstudien gibt’s dazu jedoch noch nicht. Apropos:
- Angebliche Vollspektrum-Tageslicht-LED-Lampen (die technisch wegen der bei LEDs fehlenden UV- und Infrarot-Anteile eigentlich nicht möglich sind) können eine „saisonal bedingte Depression“ (sinnigerweise „sad“ abgekürzt) heilen. Glauben zumindest die Hersteller. Wenn Sie für einen saftigen zweistelligen Betrag so eine Lampe kaufen, dann glauben Sie das sicher auch. Allerdings werden Sie bald feststellen, dass die Beleuchtungsstärke einer einzigen Lampe viel zu wenig Lux für eine therapeutische Wirkung liefert. Sie bräuchten wohl eher zehn. Die dafür fälligen Ausgaben werden Sie ganz sicher in eine Depression treiben.
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