Philips-”hue”-LED-Lampen ab heute bei Apple (Update)

Eine kurioses Vertriebsmodell ist diese Woche an den Start gegangen: Die Apple-Online- und Offline-Stores verkaufen ab heute exklusiv die neuen drahtlos gesteuerten “hue”-LED-Sets und -Lampen des niederländischen Philips-Konzerns. Die Technik mit der von Philips entwickelten App für Apple- und Android-Smartphones/Pads erlaubt das Programmieren detaillierter Lichtstimmungen sowohl über’s häusliche Netzwerk als auch global via Internet-“Remote Access”.
hue-Starter-Pack
Blick ins geöffnete “hue-Starter-Pack” für 199 Euro: Unten die runde “Smartbridge”, oben drei E26/E27-LED-Lampen mit maximal 600 Lumen Lichtstrom pro Stück. Einzelne Lampen können für je 59 Euro nachgekauft werden – bisher gibt’s nur diese Sockel- und Leistungsversion, 2013 kommen weitere hinzu. (Fotos: Philips-PR)

Man soll ja nicht gehässig sein, ich bin’s aber trotzdem manchmal, wenn’s angebracht scheint. Da hatte doch Samsung vor rund zwei Monaten auf der IFA in Berlin eine drahtlose ZigBee-Steuerung für seine LED-Lampen vorgestellt, aber in der Pressemitteilung versehentlich nicht verraten, dass diese Technik erst im Sommer 2013 auf den Markt kommen soll und noch lange nicht serienreif ist. Räusper.

Philips hatte auf der IFA nichts dergleichen präsentiert, überraschte aber an diesem Montag bei einer Präsentation in London mit einem ausgefuchsten Serienprodukt, das innerhalb eines Jahres entwickelt, bereits in einigen Pilot-Haushalten ausgiebig getestet wurde – unter anderem in Deutschland – und ab heute gekauft werden kann (okay, ich wusste es schon seit ein paar Tagen, durfte aber nichts verraten). “Hue” (das englische Wort für Farbton) nennt sich das Konzept, das Internet, WLAN und den Funknetzstandard ZigBee-”LightLink” als Steuerungsmedien kombiniert.

Viel mehr als nur ein Dimmer

Dazu wird ein Konverter namens “Smartbridge” mit einem Ethernet-Kabel an einen WLAN-Internet-Router angeschlossen. Dieser empfängt die Steuerungssignale einer “hue”-App (etwa vom iPhone, iPad oder Android-Smartphone) und leitet sie an die “Smartbridge” weiter. Hier werden die Daten “übersetzt” und mit einem ZigBee-Sender an die “hue”-LED-Lampen geschickt, die das Signal wiederum als “Repeater” an weitere Leuchtmittel senden können.

Während aber beispielsweise das Samsung-Konzept bisher allein das Dimmen der Lampen vorsieht, geht Philips deutlich weiter: Die Lampen der Niederländer verfügen über 11 LED-Module, die auf Funkbefehl mit RGB-Mischungen warm- bis kalt-weiße Farbtemperaturen zwischen 2000 und 6500 Kelvin sowie 16 Millionen Farbabstufungen erzeugen können. Erreicht wird das mit der individuellen Ansteuerung von vier rot-orange-farbenen, zwei “royal-blauen” und fünf “limonengrünen” LED-Chips – letztere eine exklusive Spezialentwicklung der Philips-Tochterfirma “Lumileds”.

Hue-Lichtstimmungen
Mit der intuitiv bedienbaren Oberfläche der “hue”-App (rechts oben) kann jedem Raum eines Hauses eine individuelle Lichtstimmung zugewiesen werden.

Wie mir ein Philips-“hue”-Spezialist außerdem mitteilte, werde durch die Kombination der verschiedenfarbigen Module im “warm-weißen” Bereich zwischen 2700 und 3000 Kelvin ein Farbwiedergabeindex über CRI 90 erreicht – solche Werte sind allein mit den sonst in LED-Lampen verwendeten “weißen” Modulen (in Wirklichkeit blaue LEDs mit gelber Phosphor-Beschichtung) nur schwer erreichbar.

Den höchsten Lichtstrom von 600 Lumen erzeugt die “hue”-Lampe natürlich, wenn alle 11 LEDs mit voller Leistung leuchten. Dann ist sie etwa so hell wie eine herkömmliche 50-Watt-Glühlampe, konsumiert aber nach Philips-Angaben nur maximal 8,5 Watt. Mit der App kann sie selbstverständlich gedimmt werden (jedoch nicht mit einem Dimmer im Stromkreis!) und ist dann noch sparsamer. Wenn sie mit einem herkömmlichen Schalter aktiviert und nicht via “Smartbridge” angesteuert wird, leuchtet sie in einem “default”-Modus “warm-weiß” bei mutmaßlich etwa 3000 Kelvin. Die Abstrahlcharakteristik ist mir nicht bekannt, dürfte aber weitgehend rundstrahlend sein; die Lebensdauer wird mit rund 15.000 Leuchtstunden angegeben.

Fastvoice-Eigenwerbung

Fast endlose Möglichkeiten 

Eine “Smartbridge” ist in der Lage, bis zu 50 “hue”-Lampen einzeln anzusprechen und mit individuellen Befehlen zu versorgen; Reichweitenprobleme dürfte es normalerweise durch die “Repeater”-Funktion der Lampen nicht geben. Dieses “mesh network”-Merkmal war auch einer der Gründe, warum Philips auf den ZigBee-Funkstandard setzte. Außerdem konsumiere diese Technik nur wenig Ruhestrom und sei robust und ausgereift genug, um für Beleuchtungs-Steuerungen eingesetzt zu werden.

Die Möglichkeiten sind schier endlos: Mit der “hue”-App können Sie von Nah oder Fern eigene Lichteinstellungen verändern und speichern, für jeden Raum eine individuelle Farbstimmung kreieren, die Beleuchtung an die Lichtfarbe eines Bildpunkts Ihres Lieblings-Fotos anpassen, sich mit einer Zeitschaltfunktion morgens sanft wecken lassen und abends angenehm einschlafen.

Wenn Sie keinen Termin verpassen wollen, programmieren Sie ein regelmäßiges Lichtsignal als Erinnerung oder gaukeln Sie bei längerer Abwesenheit potenziellen Einbrechern durch wechselndes Licht pralles Leben im Haus vor. Diesen Effekt können Sie sogar manuell im Urlaub vom Strandkorb aus via Internet beeinflussen. Dazu müssen Sie allerdings Ihre Lampen auf der “hue”-Website anmelden, die App mit Ihrem “hue”-Account verbinden und können dann eine “Remote Access”-Verlinkung erlauben.

Vier Lichtstimmungen als Presets

Falls Ihnen die zahlreichen individuellen Einstellungsmöglichkeiten zuviel sind, können Sie auch auf vier werksseitig programmierte Lichtszenarien zurückgreifen: “Read”, “Concentrate”, “Relax” und “Energize”. Dass etwa orange-rötliche Farbe einen beruhigenden und bläuliches Licht einen aktivierenden Einfluss auf Menschen hat, weiß man schon seit Langem. Philips verfeinerte diese Konzepte noch durch eigene Untersuchungen.

Hue-Lichtrezepte
Von warmen, rötlichen Farbtönen zum Entspannen (hier das Szenario “Relax”) bis zum Arbeitslicht mit hohem Blauanteil reichen die vier Werks-Presets. 

Hue-Energize
Der selbe Raum, die selben Lampen, aber eine erheblich kühlere und hellere Lichtstimmung mit dem “hue”-Preset “Energize”.

Damit ist jedoch noch nicht das Ende der “hue”-Entwicklung erreicht. In Zukunft sollen die Lampen etwa auch auf Videosignale aus dem Fernseher oder auf die Töne aus der HiFi-Anlage reagieren können. Denkbar wäre beispielsweise auch die Einbindung in das “smarte” Netzwerk eines Gehörlosen-Haushalts, um akustische Signale aller Art (Telefon, Türklingel etc.) in visuelle umzuwandeln. Zusätzlich arbeitet Philips daran, dass “hue” mit Hilfe von “Geo-Location-Services” erkennt, wann Sie in der Nähe Ihres Hauses sind, und so das Licht automatisch ein- und ausschalten kann.

Offen für weitere Vorschläge

Weiteren Ideen sind keine Grenzen gesetzt: Philips legt die Programmier-Schnittstellen und das “Software Development Kit (SDK)” für jeden offen. Auf www.meethue.com können Nutzer und externe Entwickler Vorschläge machen. Die werden dann ausprobiert und eventuell in die App integriert. Falls es solche Erweiterungen gibt, wird die Steuerungs-Software automatisch über die “Smartbridge” aktualisiert.

Die außergewöhnliche Entscheidung von Philips, LED-Lampen nicht über den traditionellen Leuchtenhandel oder die bekannten Online-Shops, sondern exklusiv durch die Apple-Stores zu verkaufen, wird sicher nicht von allen begeistert begrüßt. Sie zeigt jedoch, wie ein technologisch hochwertiges Premium/Nischen-Produkt durch einen besonderen Vertriebsweg und den damit verbundenen Image-Transfer “trendy” werden und wo Apple einen Wachstumsmarkt sehen könnte.

Ähnliches gilt zwar bereits seit längerer Zeit für viele andere in Apple-Stores erhältlichen Philips-Produkte, die sogar teils zusammen mit Apple konzipiert wurden (etwa das “In.Sight”-Heimsicherheitssystem). “LED-Lampen bei Apple” – diese Idee wäre jedoch vor einiger Zeit noch stark Klapsmühlen-verdächtig gewesen. Das war “Smartphones von Apple” allerdings auch mal.

Update 14 Uhr: Bisher gibt es die “hue”-Lampen noch nicht im deutschen Apple-Online-Store. Kaufwillige werden derzeit von der deutschsprachigen “hue”-Seite auf den US-Store geleitet. Dort erhalten Sie aber wahrscheinlich keine Geräte, die in Deutschland funktionieren können.

Update 1.11.: Auf meine heutige Nachfrage via Twitter erhielt ich zuerst folgende Auskunft vom “hue”-Team:

Etwas später gab es erneut über Twitter einen weiteren Hinweis aus den Niederlanden:

Hier also endlich der Link zum “hue”-Starterpaket im deutschen Apple-Online-Store. Allerdings steht dort “Versandfertig in: März”. Nach Philips-Angaben war der Bestand nach nur drei Tagen komplett ausverkauft. Laut Auskunft der Philips-Pressestelle ist es ratsam, direkt beim nächstgelegenen Apple-Store anzurufen, da diese zuerst und wöchentlich beliefert würden.

Mehr zum Thema:

LED-Lichtkomposition: Je flexibler, desto besser

Dynamische LEDs als Tageslicht-Ergänzung

Druckversion dieses Beitrags

facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail

15 Gedanken zu “Philips-”hue”-LED-Lampen ab heute bei Apple (Update)

  1. @ Wolfgang:
    Die Sache zwischen Philips und Samsung relativiert dann wieder Deinen gestrigen Beitrag bei Kundenkunde, wonach sich die LED-Hersteller quasi ‘überhaupt nicht’ um Kunden bemühen würden ;-)

  2. @Johannes: Keine Ahnung, wo Du das herausgelesen haben willst. Da relativiert sich gar nichts, weil’s dort definitiv nicht um alle Hersteller geht. Und zu Samsung siehe einfach mal den Punkt 8.

  3. @ Wolfgang:
    Um welche Hersteller es dort geht, können wohl nur die betreffenden Hersteller selber wissen. Der Privatkunde kann ja nur raten, ob seine favorisierten Hersteller nun betroffen sind oder nicht.
    So ist zB. Osram auch angesprochen mit ab und zu vielleicht etwas weniger Kontakt zu Dir als Blogger (und mit teuren Lampen à la A75). Andererseits wurden Dir aber wiederum diese teuren Projektoren überlassen.
    Also was gilt denn nun – laut Schulnotenprinzip wäre es ein 3er, oder? Irgendwas ist doch überall, und wenn ich etwas Negatives finden will, dann finde ich das auch – sogar bei Namen wie Mercedes & Ferrari ;-)
    Soll jetzt aber natürlich nur meine persönliche Meinung dazu sein.

  4. Klingt ja mal interessant. Bei Bestellung in den USA werden die Lampen als 120V Version geliefert?
    Du schreibst, (…”Ethernet-Kabel an einen WLAN-Internet-Router angeschlossen”…), dass ein WLAN-Router erforderlich ist – ein normaler Router reicht auch aus.
    Hast du schon ein hue-Set im Einsatz?

  5. @Chris: Was für Lampenversionen da im Online-Shop genau verkauft werden, weiß ich nicht, weil’s dort nicht steht. Ich würde es da eher nicht kaufen, sondern eher in einem “echten” Apple-Store – oder warten, bis es auch im deutschen Online-Store ist.
    Um die Lampen drahtlos via WLAN zu steuern, braucht es natürlich einen WLAN-Router. Ohne WLAN geht’s halt nur über LAN oder einen anderen Internetzugang.
    Mir hat Philips zwar ein Test-Set angeboten, ich habe aber dankend abgelehnt, da ich weder über genügend E27-Fassungen in der Wohnung verfüge noch über Smartphone oder iPad. Ginge natürlich theoretisch auch mit meinen MBPs, aber ich habe nach einem Betrugsfall aus Sicherheitsgründen meine Apple-Store-Accounts deaktiviert und kann deshalb auch keine kostenlosen Apps ‘runterladen.

  6. @Johannes: Ich stehe in regelmäßigem und sehr freundlichem Kontakt mit Osram. Das Allerwenigste dieser Kommunikation findet allerdings hier öffentlich im Blog statt. Dieser Kontakt bedeutet aber auch nicht, dass ich automatisch alles von Osram gut finden muss.
    Gleiches gilt für Philips, LEDON, LCTW, Cree und einige andere Firmen und Projekte, die hier teils (noch) anonym bleiben wollen.

  7. @Wolfgang:
    Die Smartbridge stellt die Verbindung zu den Lampen her. Vielleicht kennen die Marketing-Leute keine normalen Router mehr…
    Ist auch unlogisch, wenn die Lampen WLAN nutzen würden, bräuchte es die Smartbridge nicht. Nur durch die Smartbrigde lassen sich die maximal 50 hue-Lampen gleichzeitig steuern.
    Der Begriff Glühbirne ist ja auch nicht mehr so geläufig.

  8. @Chris: Die Smartbridge stellt die Verbindung zwischen Lampen und Router her, nicht zwischen Lampen und iPhone/iPad etc.. Erstere laufen via ZigBee, letztere via WLAN. Die Smartbridge selbst empfängt keine WLAN-Signale, dafür braucht es einen WLAN-Router. Was ist daran so schwer zu verstehen?

  9. @Wolfgang:
    Ich habe die Struktur schon von Anfang an verstanden. WLAN ist ganz offensichtlich für die Smartbridge nicht notwendig, da sie die Befehle eh per Internet erhält. Ob das Smartphone nun über UMTS oder WLAN die Signale sendet, kommt aufs gleiche raus – nur dass WLAN halt kürzere Reaktionszeiten bietet.
    Die Smartbridge sollte auch an einen Router ohne WLAN funktionieren. Die App kann auch ohne WLAN arbeiten (UMTS).

  10. @Chris: Ja, das hatte ich doch schon in Kommentar #5 erwähnt. Aber wo läge jetzt der Sinn darin, zuhause über den Umweg kostenpflichtiges UMTS/Internet die Lampen zu steuern statt kostenlos über’s ohnehin vorhandene WLAN-Hausnetz?
    P. S.: Die “Smartbridge” bekommt ihre Befehle nicht direkt über’s Internet, sondern ausschließlich vom Router. Jener wiederum kann entweder drahtlos per App gesteuert werden (wenn’s ein WLAN-Router ist) oder via Internet über ein Remote-Access-Interface auf der “hue”-Website (wenn man seine Lampen vorher dort registriert und die App damit “verlinkt” hat). Eine direkte Steuerung mittels App und Internet (ob mit UMTS oder sonst was) ohne Verlinkung mit hue-Remote-Access ist nicht möglich.

  11. Interessante Idee, danke für den Artikel!
    Allerdings – obwohl neu auf dem Markt – schon nicht mehr aktuell. Stand der Technik sollte nicht mehr RGB Farbmischung, sondern RGBA (mit Amber) oder RGBW (mit Weiß) sein. Damit lassen sich mehr Farbtöne darstellen, ergo auch ein gleichmäßigeres Spektrum mit besserem CRI erzeugen. In der Veranstaltungstechnikbranche sind 4in1 LED-Chips hinter einer Minilinse bereits Stand der Technik. Und wer WIRKLICH gute Farbmischung sehen will, dem Empfehle ich einen Blick auf die ETC-Selador Serie. Dort werden (je nach Lampe) 5 bis 7 Grundfarben zur Farbmischung verwendet. Das Ergebnis ist beeindruckend. Und teuer.

    Ich kann jedenfalls aus meiner Erfahrung sagen, dass RGB-Farbmischung recht begrenzt ist. Viele Farben sind einfach nicht darstellbar. Den Namen der Farben im HUE-System nach würde ich vermuten, dass sie die rote und grüne LED im Spektrum dichter zusammengebracht haben, umd die Amberlücke dazwischen besser zu füllen. Trotzdem bleiben breite Lücken im Spektrum…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>