„Intelligente“ LED-Straßenleuchten machen Zebrastreifen nachts sicherer

Teilweise farbig strahlende LED-Straßenleuchten mit Sensoren reduzieren bei Dunkelheit das Tempo von Autos vor „Zebrastreifen“. Feldversuche in Österreich ergaben: Die Bremswege werden kürzer und die Anhaltebereitschaft größer. Diese Technik könnte also Unfälle mit Fußgängern vermeiden und Leben retten.

AIT_Highlight-Zebrastreifen
Speziell umgerüstete LED-Straßenleuchten des „Highlight“-Projekts projizierten in Niederösterreich hellrote, blinkende Balken auf die Straße, sensibilisierten so Autofahrer für Fußgängerüberwege und warnten gleichzeitig bei zu hohem Tempo. (Fotos: © AIT-„Highlight“, mit freundlicher Genehmigung)

Eigentlich haben Österreichs Autofahrer schon eine relativ hohe Anhaltebereitschaft an Zebrastreifen – sogar nachts bremsen noch rund 50 (auf dem Land in Niederösterreich) bzw. 86 Prozent (Wien) für Fußgänger, die die Fahrbahn überqueren wollen. In Frankreich beispielsweise dürfen Sie solche Traumwerte nicht mal tagsüber erwarten. Ein Projekt namens „Highlight“ hatte sich dennoch zum Ziel gesetzt, diese Prozentsätze und damit die Sicherheit durch spezielle LED-Straßenleuchten zu erhöhen. Jährlich sterben nämlich im Alpenland rund zehn Fußgänger an „ungeregelten Schutzwegen“ – meist bei schlechten Lichtverhältnissen oder in der Nacht, weil sie zu spät oder gar nicht gesehen wurden.

Bis Mitte 2014 liefen die Feldversuche, die im Dezember ausgewertet und als Forschungsstudie vorgestellt wurden (pdf-Download). Beteiligt waren das Austrian Institute of Technology (AIT), Experten des Wiener IT-Dienstleisters „Mobimera Fairkehrssicherheitstechnologien“ und der Grazer Elektronikfirma „Micro Electronic Design Spath“. Das österreichische Verkehrsministerium förderte „Highlight“ durch den „Verkehrssicherheitsfonds“.

Zwei Varianten spezieller LED-Leuchtenköpfe

Dabei wurden die Köpfe von drei Straßenleuchten einer Fahrtrichtung im Annäherungsbereich eines „Zebrastreifens“ gegen individuell schalt- und dimmbare LED-Spezialentwicklungen ausgetauscht, in denen neben den üblichen „kalt-weißen“ Leuchtdioden auch zu einem Drittel farbige Chips durch stark fokussierende Linsen strahlten. Variante 1 wurde auf dem Land in Niederösterreich ausprobiert und enthielt hellrote LEDs mit 615 Nanometer Wellenlänge, Variante 2 kam in Wien zum Einsatz und beherbergte zusätzlich bernsteinfarbene Chips („amber“, ca. 575 nm). Die Kombination aus beiden Farben (Detailbild unten) ergibt einen Orange-Ton mit 595 nm.

AIT-HIGHLIGHT-Leuchtenkopf

Zusätzlich wurden Radar-Detektoren zur Tempomessung und Leuchtensteuerung eingesetzt, damit die verschiedenen LED-Typen proportional zur Geschwindigkeit eines ankommenden Autos aktiviert werden konnten: Bei Variante 1 wurde ein roter, blinkender Balken mit variabler Frequenz quer zur Fahrbahn projiziert, bei Version 2 war’s ein orangefarbener, statischer Leuchtstreifen mit steuerbarer Intensität. Die Farbeffekte wurden allerdings nur dann sichtbar, wenn ein Fahrzeug das jeweilige Tempolimit überschritt; sonst leuchteten die Lampenköpfe mit normalem, „kalt-weißen“ Licht.

Die Resultate waren zumindest in Niederösterreich bei niedriger Umgebungshelligkeit durchschlagend: Die vor dem Zebrastreifen gefahrenen Geschwindigkeiten seien dank der roten Balken um durchschnittlich 7,1 km/h gesunken, während die Anhaltbereitschaft von 50 auf 93% gestiegen sei. In Wien war der positive Effekt der Orange-Streifen weniger signifikant – offenbar, weil es im Großstadtverkehr insgesamt heller ist und dort ohnehin langsamer gefahren wird.

Mehr Forschung nötig bis zum Serienprodukt

Über alle Feldversuche hinweg wurde außerdem festgestellt, dass die Fahrer/innen durch den Einfluss der Lichteffekte durchschnittlich 5 Meter früher bremsten als sonst. Diese Distanz kann schon den Unterschied zwischen Leben und Tod eines Fußgängers auf dem Überweg ausmachen.

Bis zur Serienreife einer „Highlight“-ähnlichen Technik ist es jedoch noch ein weiter Weg. Wie die Wissenschaftler betonen, bestehe noch Forschungsbedarf bei den Aspekten „Achtsamkeitssteigerung“ und „Ablenkung“. Wichtig sei, die Wirkungen der einzelnen Effekte genauer zu isolieren, „um optimale Setups von Beleuchtungssystemen definieren zu können“. Außerdem könnten Langzeitversuche eventuelle Gewöhnungseffekte der Verkehrsteilnehmer zeigen.

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