LEDON leuchtet jetzt selbstständig, getrennt von Zumtobel

Die 2009 als Zumtobel-Tochterfirma gegründete „LEDON Lamp GmbH“ steht rückwirkend zum 1. November 2012 auf eigenen Füßen. Laut einer Unternehmensmitteilung hat der österreichische Manager Thomas Lorünser die Gesellschaft übernommen. Das Geschäft mit LED-„Retrofit“-Lösungen soll ausgebaut werden und bleibt unter der Leitung des Geschäftsführers Detlef Mikulsky. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Lorünser/Mikulsky
Der neue LEDON-Eigentümer Thomas Lorünser (links) – Geschäftsführer Detlef Mikulsky (rechts) bleibt an Bord. (Fotos: LEDON-PR)

Die Pressemeldung kam ziemlich überraschend an diesem Freitag: Die Vorarlberger Zumtobel-Gruppe hat sich von der kleinen Tochter LEDON getrennt. Sie soll künftig auf eigenen Füßen neue Marktanteile bei LED-Lampen vorwiegend für Privathaushalte erobern (pdf-Download des aktuellen, neu gestalteten Produktkatalogs), während sich Zumtobel weiterhin auf professionelle Beleuchtungslösungen konzentriert.

Zumtobel-Pressesprecherin Astrid Kühn-Ulrich erklärte heute im Gespräch mit dem Fastvoice-Blog, dass sich die Synergieeffekte zwischen den beiden Bereichen nicht im erwarteten Umfang eingestellt hätten. Mit den Profi-Marken „Zumtobel“ und „Thorn“ und der Lichtkomponenten-Division „Tridonic“ (Betriebsgeräte, Lichtmanagement, LED-Komponenten/Module) erziele man rund 99% des Konzernumsatzes von rund 1,3 Milliarden Euro – ein Fünftel davon inzwischen mit LED-Technik.

LEDON-Logo neu
Optische Präsentation von LEDON mit einer „Retrofit“-Lampe im aktuellen „Wave Design“.

Die vor drei Jahren gegründete Tochter LEDON startete zwar mit seinen Premium-Lampen sehr gut in den Wachstumsmarkt „private LED-Beleuchtung“, blieb aber mit aktuell nur 19 Mitarbeitern in Vorarlberg, Deutschland, Frankreich und China ein sehr kleines Licht innerhalb der Zumtobel-Gruppe. Die neue Situation bringe, so Astrid Kühn-Ulrich, Vor- und Nachteile: Da LEDON nicht mehr Teil eines „großen, schwer beweglichen Dampfers“ sei, könne man jetzt dort flexibler auf die Anforderungen des Markts reagieren.

Dagegen fallen kleinere Synergieeffekte auf administrativer Ebene weg – LEDON kann nun nicht mehr „auf dem kleinen Dienstweg“ die Hilfe der Zumtobel-Verwaltung (Buchhaltung, IT etc.) in Anspruch nehmen. Vertraglich vereinbarte Kooperationen in entwicklungstechnischen Bereichen werde es aber weiterhin geben.

„Positive Wachstumsperspektiven“

LEDON selbst verweist darauf, dass es mit der Hilfe von Zumtobel gelungen sei, „eine Premiummarke im Endverbrauchersegment, ein umfassendes Produktportfolio fu?r LED-Lampen und die notwendigen Vertriebszugänge in den Fach- und Einzelhandel in zahlreichen europäischen Ländern aufzubauen.“ Der alte und neue LEDON-Geschäftsführer Detlef Mikulsky fomuliert das so:

„Als Start-up-Unternehmen der Zumtobel Gruppe haben wir in großem Maße von dem Technologie- und Licht-Know-How eines Innovationsführers der Lichtbranche profitiert. Damit ist es uns gelungen, in kürzester Zeit ein Produktangebot zu entwickeln, das dank seiner herausragenden Lichtqualität einzigartig im Markt ist. Wir bewerten unsere Wachstumsperspektiven für die Zukunft sehr positiv: Der Endverbraucher hat verstanden, dass qualitativ hochwertige LED-Lampen der optimale Ersatz für die konventionellen Glühlampen sind. In diesem Marktumfeld wollen wir nun als schlankes, flexibles und hoch motiviertes Team dynamisch wachsen.“

Der neue Eigentümer Thomas Lorünser erklärt zur Zukunftsperspektive:

„Gemeinsam mit dem hochmotivierten LEDON-Team werden wir weiter in die Entwicklung zukunftsweisender und ökologisch nachhaltiger LED-Lampen für Endverbraucher investieren. Außerdem sollen die schon jetzt sehr erfolgreichen Vertriebsaktivitäten weiter ausgebaut und neue Absatzmärke eröffnet werden – zumal die LED-Technologie aufgrund ihrer vielen Vorteile die umweltschonendste und energiesparendste Licht-Technologie der Zukunft ist und noch viele Innovationen folgen.“

In mehreren Unternehmen an der Spitze

Lorünser (LinkedIn-Profil) wohnt in Bludenz, ist derzeit noch Geschäftsführer bzw. Verwaltungsratsvorsitzender von „AKAtech“ und der „Limmex AG“ sowie Finanzvorstand (CFO) der „Photeon Technologies GmbH“ (Lustenau, Vorarlberg), die beispielsweise elektronische optische Komponenten für die Automobilindustrie herstellt. Zuvor war er in leitenden Positionen bei „NewLogic Technologies AG“, „Wipro Technologies“ sowie in verschiedenen Beraterfunktionen für den Vorarlberger Landeshauptmann und das österreichische Außenministerium in den USA tätig. Als Firmengründer oder -Eigentümer trat er bisher offiziell nicht in Erscheinung.

Laut offizieller Mitteilung bleiben „sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter … dem innovativen Start-up- Unternehmen erhalten.“ Nach meinen Informationen trifft das allerdings nicht in jedem Einzelfall zu. Wir werden uns wohl auch hier im Blog an den einen oder anderen neuen Namen gewöhnen müssen, zumal die geplante dynamische LEDON-Wachstumsstrategie auch Personalzuwachs bedeutet.

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Es bleibt nicht bei 19 Mitarbeitern

Auf Nachfrage erklärte mir LEDON-PR-Manager Erik Nielsen, dass im nächsten Schritt sowohl Verwaltung und IT, als auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung aufgestockt würden. Der Umfang hänge allerdings vom Markterfolg ab und sei noch nicht exakt zu beziffern. Auf die Mitarbeiter kämen in jedem Fall große Herausforderungen zu. Hoffnung mache die Kundenresonanz auf die aktuelle Produktpalette, die bisher sehr zufriedenstellend ausfalle.

Zufällige Koinzidenz und eine völlig andere Größenordnung, aber dennoch bemerkenswert: Das nächste „Spin-off“ in der Licht-/LED-Branche ist bereits beschlossene Sache; im Lauf des Jahres wird sich Osram aus dem Siemens-Konzern lösen und ebenfalls auf eigenen Füßen stehen. Die Herausforderungen des Technologieumbruchs im Beleuchtungsmarkt sind offensichtlich mit schlankeren, flexibleren Unternehmensstrukturen besser zu meistern. So gesehen, ist auch LEDON auf dem richtigen Weg.

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