TV-Quoten-Quatsch für „Zielgruppen“-Hörige

Mal eben geguckt, wie viele Menschen außer mir gestern „Mord mit Aussicht“ im „Ersten“ geschaut haben: Es waren über 6,2 Millionen, ein tolles Ergebnis für eine sehr gelungene Serie. Die Zuschauerzahl und der Marktanteil von 20,5 Prozent waren einsame Spitze quer durch alle Sendungen und Programme am Dienstag.

Aber: Beim „Kress-Quotencheck“ (und nicht nur dort) reicht’s nur für Platz 13. Denn hier zählt für die Platzierung ausschließlich die ominöse „Zielgruppe 14-49 Jahre“, und da waren’s nur 1,36 Millionen Zuschauer und 11,9 Prozent Marktanteil. Die rund 4,8 Millionen anderen Fans der Serie aus den Altersklassen darüber und darunter fallen durch den Rost und interessieren offenbar nicht – in diesem Fall besonders absurd.

Kress-Screenshot Quotencharts
Screenshot: Kress.de

Die alte und willkürliche Marketing-Erfindung der „werberelevanten“ 14-49jährigen (unter anderem vom damaligen RTL-Chef Helmut Thoma) wird aber inzwischen weder von der werbenden Wirtschaft noch von den Sendern so richtig ernst genommen. Auch Thoma selbst hält sie heutzutage für überholt. Immerhin versammelt sich schon seit vielen Jahren eine riesige Kaufkraft bei den über 49jährigen (und teils auch bei den unter 14jährigen), die im Übrigen auch durchaus empfänglich für Werbebotschaften und neue Produkte sind.

Das hindert aber diverse Marketing-Fuzzis und vermeintlich „hippe“ Medienredakteure nicht daran, diesen 14-49-Quatsch immer noch als Maßstab für ihre Quoten-Charts zu nehmen. Offenbar sind diese Jungspunde bei ihrer Methodik weitaus weniger flexibel als die „Alten“ bei ihren Kaufentscheidungen.

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