Doppeltest: Carus-LED-Lampen aus Hessen – teils besser als versprochen

by Wolfgang Messer | 10.1.2015 03:41

Nur knapp 5 und 7 Euro[1] kosten die neuen, dimmbaren Carus-LED-Lampen mit 400 bzw. 600 Lumen Lichtstrom. Trotz der relativ niedrigen Preise kommen die E27-Retrofits mitten aus dem „Hochlohnland“ Deutschland und bieten überdurchschnittliche Lichtqualität, wie mein Doppeltest mit Laborwerten zeigt.

Carus-Kombi-schwarz
Die Testobjekte: LED-„Birnen“ von Carus aus Hessen – links mit matter Haube und ca. 6,5 Watt, rechts klar mit knapp 9 Watt. (Fotos: W. Messer)

„Die Hesse komme!“[2] – dieser alte Gassenhauer der „Rodgau Monotones“ kann auch in der Licht-Branche gegrölt werden, seit im Herbst 2014[3] die Produktion von LED-Retrofits der Marke „Carus“ im hessischen Fronhausen anlief. Das „Spin-off“ des Marburger Aluminium- und Kunststoff-Spezialisten Seidel[4] setzt in der neuen Fertigungshalle (PR-Foto unten) auf einen hohen Automatisierungsgrad, um Produktionskosten zu sparen, die Endpreise niedrig zu halten und dennoch den Claim „Carus – besseres Licht“ zu rechtfertigen. Nach Firmenangaben wurde mit IKEA sogar sehr schnell ein Großabnehmer für die „LED-Birnen made in Germany“ gefunden. Im deutschen Online-Sortiment[5] habe ich diese Lampen jedoch bisher noch nicht gefunden; in Schweden werden sie laut „Carus“-Informationen bereits verkauft.

Carus-Halle Fronhausen

Sie sollen eine „warm-weiße“ Farbtemperatur[6] von 2700 Kelvin haben, dimmbar sein – zumindest mit den empfohlenen Dimmermodellen[7], dank eines Halbwertswinkels[8] von 240 Grad einen ziemlich runden Lichtkegel bieten sowie einen sehr guten Farbwiedergabeindex[9] von Ra >87 aufweisen. Mit einer Nennlebensdauer[10] von 25.000 Leuchtstunden und ebenso vielen Schaltzyklen liegen sie etwa im Mittelfeld des Marktes der Preisklasse unter 10 Euro. Wie gut und preiswert sind die „Carus“-Lampen tatsächlich? Das checken wir zuerst mit der schwächeren Variante.

Die matte 400-Lumen-„Birne“

Carus-400lm-Inlay2
Eine Seite des Inlays der „Carus“-Blister-Verpackung – unter anderem mit der Nennlebensdauer, der Effizienz und dem EU-Ökolabel[11] A+. Die Verbrauchsangabe „7 kWh/1000h“ wurde pflichtgemäß aufgerundet.

Carus-400lm-GratNur 71 Gramm bringt die nominell 6,3 Watt starke 400-Lumen-Lampe[12] für 4,99 Euro auf meine Test-Waage – bei knapp 11 cm Länge und maximal 6 cm Durchmesser. „Carus“ verwendet eine Kombination verschiedener Kunststoffe und Metalle: Polycarbonat[13] für die matte Haube, Polyamid-6[14] mit Glas- und Mineralfaserfüllung für’s Außengehäuse, Aluminium für den wärmeableitenden Innenteil und nickelbeschichtetes Messing für den E27-Schraubbsockel (pdf-Download des Datenblatts[15]).

Sichtbare Kühlrippen oder -öffnungen gibt’s nicht; das weiße Gehäuse und die Haube sind weitgehend glatt – wenn man von einem kleinen, oben vertikal umlaufenden Grat im Kunststoff (Detailbild rechts) und dem horizontalen Absatz zwischen Haube und Gehäuse absieht.

Keine außergewöhnliche Hitzeentwicklung

Müssen Sie deshalb Temperaturprobleme befürchten? Kaum. In meiner offenen, hängenden Testfassung startete die Carus-LED-Lampe an einem normalen Schalter mit unter 0,5 Sekunden Verzögerung, blieb dabei geräuschlos und wurde nach zwei Stunden Dauerleuchten an der heißesten Gehäusestelle[16] (oben) maximal 68 Grad warm. Die Haube blieb unter 30 Grad und somit gefahrlos berührbar. Nach Firmenangaben haben alle Modelle zudem eine automatische Dimmfunktion, die die Helligkeit bei Überhitzungsgefahr “kaum wahrnehmbar” reduziere und dadurch für eine “extrem lange Lebensdauer” sorge.

Mein Energiekosten-Messgerät zeigte einen „Warm“-Verbrauch von 6,7 Watt bei einem idealen elektrischen Leistungsfaktor[17] von 1,0 (das Profi-Labor ermittelte 6,4 W und 0,92). Im Display meiner Digicam war dabei ein deutliches Flimmern[18] zu sehen – ähnlich wie bei einer zum Vergleich beobachteten Glühlampe. Sensible Augen nehmen das eventuell auch ohne technische Hilfsmittel wahr. Nach dem Ausschalten dauerte es rund 3 Sekunden, bis die LEDs völlig dunkel waren.

Weitgehend runder Lichtkegel

Der Lichtkegel meines Standard-Leuchtbilds schien der 240-Grad-Winkel-Vorgabe zu entsprechen – sah alles relativ gleichmäßig und weitgehend rund aus:

Carus-400lm-Leuchtbild

Tatsächlich stützte das Diagramm meines Partnerlabors bei „David Communication[19]“ (pdf-Download[20]) meine subjektive Einschätzung: Knapp über 253 Grad Halbwertswinkel – sehr gut! Keine negativen Überraschungen gab’s auch bei der gemessenenen Helligkeit (408 Lumen), der Farbtemperatur (2646 Kelvin) und dem „allgemeinen Farbwiedergabeindex[21]“. Hier lag der ermittelte Ra-Wert von 91,4 sogar deutlich über dem versprochenen Mindestwert von 87 (pdf-Download des gesamten Messprotokolls[22]).

Sehr gute Werte bei den Zusatz-Messfarben

Nicht optimal, aber weit überdurchschnittlich fielen ebenso die Einzelwerte der Zusatz-Messfarben[23] R13 („Hautfarbe rosa“ = 95,1) und R9 („Rot gesättigt“ = 56,1) aus. Kein Wunder, dass sich sich mein Farbtreue-Modell – die sattrote Ducati 916 im Kleinformat auf weißem Untergrund, fotografiert mit Weißabgleich „bewölkter Himmel“ und ohne Nachbearbeitung – auf das Licht der „Carus“ freute:

Carus-400lm-Farbtreue

Tatsächlich gibt’s hier eine recht natürliche Wiedergabe der Farben und keine unangenehmen Stiche – abgesehen natürlich von der generellen Gelb-Orange-Verschiebung solcher „warm-weißer“ Lampen. Die wirkt auf mich übrigens bei sehr farbtreuen LEDs schwächer als bei den meisten Ra-80-Leuchtmitteln. Hat wohl was mit der ausgeglicheneren Spektralverteilung[24] zu tun, die übrigens bei beiden Testlampen weitgehend identisch aussieht. Deshalb hier stellvertretend das Diagramm der 400-Lumen-Lampe (Milliwatt Strahlungsleistung pro Nanometer Wellenlänge):

Carus-400lm-Spektrum

Dass man so was mal von einer dimmbaren LED-Lampe für knapp 5 Euro geliefert kriegt, hätte ich vor zwei Jahren kaum zu träumen gewagt. Bevor aber jetzt das große Schulterklopfen und Jubeln in Fronhausen ausbricht: Es gibt auch was zu Meckern. Fragwürdig erscheint mir beispielsweise der Inlay-Aufdruck „erzeugt Ambiente wie 40W Glühlampe“:

Carus-400lm-Inlay1-Aufdruck
Die offiziellen Daten auf dem Einleger der Verpackung und auf der Lampe selbst (unten rechts von mir ‚reinmontiert).

Tatsächlich müsste das LED-Äquivalent einer 40-Watt-Glühlampe laut EU-Tabelle[25] aber 470 Lumen leisten. Nicht umsonst wird auf der „Carus“-Website[26] nur eine (fiktive) 32-W-„Birne“ als Vergleich genannt. Das Label „Made in Germany“ bezieht sich außerdem nicht auf die elektronischen Innereien – LEDs und Vorschaltelektronik werden vorwiegend in Asien zugekauft, so wie es beispielsweise auch Osram bei seinen Retrofits aus Eichstätt[27] oder „vosla“ mit den „LED-Fadenlampen“ aus Sachsen[28] tun. Die aufwendige Entwicklung geschah nach Firmenangaben jedoch komplett in Deutschland – in Zusammenarbeit mit einem IC-Zulieferer aus den USA.

Die üblichen Probleme an meinen Test-Dimmern

Nicht ganz reibungslos verliefen erwartungsgemäß meine Dimmerversuche – da gibt’s ja bei fast jedem LED-Test diverse Problemchen[29]. Am nicht justierbaren „No Name“-Phasenabschnittdimmer aus dem Baumarkt lief’s noch einigermaßen okay: Bis maximal ca. 1 Sekunde Einschaltverzögerung, die Helligkeitsregelung folgte der Reglerstellung mit leichter Verspätung, blieb aber immerhin flackerfrei. Die Regelspanne: 2,8 bis 8,4 Watt (addierte Leistungsaufnahme von Lampe + Dimmer), was etwa einem sehr breiten Bereich zwischen 15 und 100 Prozent der Maximalhelligkeit entspricht.

Allerdings meldete sich die Lampe vor allem bei dunkelster Einstellung mit einem Surren[30], das in stiller Umgebung bis rund 50 cm Distanz hörbar blieb. Ebenfalls bei dunkler Stellung auffällig: Das Digicam-Display-Flimmern[18] wurde merklich schwächer und das Licht wirkte subjektiv „kühler“. Mir kam es fast so vor, als wären da zwei verschiedene LED-Typen am Werk und die rötlichen würden stärker gedimmt als die gelblichen. Ein Blick unter die Haube der klaren Lampen-Variante zeigt jedoch nur eine Vielzahl von SMD-Chips mit identischer Konversions-Beschichtung[31] (siehe Abbildung im zweiten Test-Teil).

Eigenwerbung Juni 2014[32]

Weitgehend unbrauchbar schien die „Carus“ mit einem offiziell LED-geeigneten, justierbaren Jung-Phasenanschnittdimmer 225 NVDE[33] (nicht auf der Liste der empfohlenen Modelle[34]). Zwar war die Lampe auch hier bei korrekter Voreinstellung des Dimmer-Schräubchens[35] zwischen 2,8 und 8,9 Watt Gesamtleistung regelbar, hatte eine ähnliche Einschaltverzögerung, zeigte sich aber ziemlich zickig: Im unteren Bereich änderte sich die Helligkeit teils sprunghaft, sonst zwar regelmäßig, aber mit „Nachlauf“. Lampe und Dimmer surrten noch dazu lautstark im Duett – bei mittleren Einstellungen bis ca. 1,5 Meter, sonst auf maximal einen Meter. Das dürfte für die meisten Einsatzbereiche inakzeptabel sein.

Im Spekulationen vorzubeugen: Surren und Flimmern sind in diesem Fall kein Problem einer eventuell zu hohen Mindestlast der Test-Dimmer, sondern treten bei beiden „Carus“-Varianten genau so auch mit einer parallel dazu betriebenen 60-Watt-Glühlampe auf.

Mein Testurteil:

Carus-400lm-ausErwarten Sie von dieser dimmbaren LED-Lampe für 4,99 Euro[36] bitte nicht exakt die gleiche Helligkeit wie von einer 40-Watt-Glühlampe und regeln Sie sie lieber nicht mit einem Phasenanschnittdimmer. Nur zwei Jahre Werksgarantie[37] bei privater Verwendung, 25.000 schadlose Schaltzyklen und das eventuell störende Flimmern sind ebenfalls keine Spitzenleistungen.

Davon abgesehen, punktet die rund 6,5 Watt starke „Carus“ aber mit sehr guter Lichtqualität und -Verteilung, guter Materialauswahl und -Verarbeitung sowie ca. 80% Stromsparpotenzial[38] – auch wenn sie das zweitbeste EU-Ökolabel A+ mit einem nach unseren Messwerten berechneten Energieeffizienzindex von 0,17 nur knapp erreicht.

Bei einem Farbtreuewert von knapp Ra 92 nehme ich aber gerne die dadurch physikalisch bedingte Einbuße beim Lumen/Watt-Verhältnis[39] (nur 64) in Kauf. Auf meiner bis Fünf reichenden, neuen und sehr strengen LED-Bewertungsskala[40] reicht das – vor allem wegen des hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnisses – locker für
LED-Stern halbdreieinhalb Sterne.

Update Mai 2015: Die matte 400-Lumen-„Birne“ gibt’s jetzt auch zum gleichen Preis mit einem kleinen E14-Schraubsockel[41].

Die klare 600-Lumen-Lampe

Carus-600lm-top-Kombi

Eigentlich ist die knapp 9 Watt starke Carus-LED-Lampe[42] mit klarer Haube für 6,99 Euro das spektakulärere der beiden Testexemplare. Erstens sehen Sie hier deutlich die runde Prismenoptik in der Mitte mit den ringförmig angeordneten Leuchtdioden (im Bild von der Seite und von oben), zweitens ist sie mit nominell 600 Lumen Lichtstrom[43] natürlich erheblich stärker und drittens mit ca 71 lm/W auch etwas effizienter. Dabei sind die Außenmaße (10,8 x 6 cm) identisch und das Gewicht liegt mit von mir gemessenen 77 Gramm nur unwesentlich über den 71 g der matten Schwester. Dennoch ist sie für mich nicht die bessere Lampe.

Warum? Etwa, weil sie mit gemessenen knapp 616 Lumen zwar etwas heller leuchtet als angegeben, aber noch weit weg liegt von einer 60-Watt-Glühlampe, die als „Ambiente“-Vergleich herhalten muss (siehe Abbildung unten). Laut EU-Tabelle[25] bräuchte ein LED-Äquivalent dafür mindestens 806 lm – diese Differenz von 190 lm dürfte auch in der Praxis für jeden sichtbar sein.

Carus-600lm-Inlay1-Aufdruck
Die Inlay-Vorderseite der Verpackung und – von mir hineinmontiert – der Aufdruck der stärkeren Carus-LED-Lampe. Alle Hersteller-Daten gibt’s hier als pdf-Download[44].

Carus-600lm-BeschlagOder, weil sich bei meinen Dauerleucht-Versuchen sehr schnell ein leichter Kondensationsfilm unter dem Haubenoberteil bildete, sobald die Lampe stehend montiert war (Detailbild rechts). Dieses bei LED-Retrofits verbreitete Phänomen[45] liegt eventuell am Verdampfen und Kondensieren der Restfeuchtigkeit von wasserbasierten Klebstoffen und ist zwar reversibel und unschädlich, fällt aber bei klaren Kuppeln unangenehm auf. Ein zusätzlicher Trocknungsprozess bei der Montage im Werk könnte das Problem vermutlich ganz fix lösen, falls es keine eindringende Feuchtigkeit durch ungünstige Lager- und Transportbedingungen ist.

Konkurrent Osram empfiehlt seinen betroffenen Kunden übrigens: „Normalerweise lässt sich die Feuchtigkeit mit einem oder evtl. mehreren längeren Brennzyklen (mindestens 6 Stunden an und anschließend ganz auskühlen lassen) austreiben.“

Mindestens eine dieser Angaben stimmt nicht

Carus-600lm-Inlay2
Ebenfalls nicht optimal: Der vom Labor gemessene Halbwertswinkel[46] liegt mit rund 193 Grad (pdf-Download des Diagramms[47]) deutlich unter dem 240-Grad-Nennwert auf dem Packungseinleger (Bild oben). Hier macht sich offensichtlich das Fehlen eines (matten) Diffusors bemerkbar, wie Sie auch am Leuchtbild mit seinen ungleichmäßigen „Zacken“ und Einbuchtungen sehen. Ein wirklich runder Lichtkegel ist das nicht. Er hat zwar seinen eigenen, speziellen Reiz, aber nur wenig mit der homogenen Abstrahlcharakteristik des matten Schwestermodells zu tun:

Carus-600lm-Leuchtbild

Dabei ist elektrisch und thermisch eigentlich alles im grünen Bereich: Am normalen Schalter gab’s nur rund eine halbe Sekunde Einschaltverzögerung; die Lampe blieb absolut still, nuckelte laut meinem Messgerät 8,5 Watt bei einem perfekten Leistungsfaktor[48] von 1,0 (Labor: 8,7 W, 0,96) und wurde bei hängender Montage nach zwei Stunden an der heißesten Gehäusestelle[16] maximal 75 Grad warm. Die unten liegende Haube erreichte höchstens moderate 35 Grad.

Das „Fading“ bis zur völligen Dunkelheit dauerte nach dem Ausschalten rund 3 Sekunden – wie bei der 6,5-W-Lampe. Auch das im Kamera-Display beobachtete Flimmern[18] war weitgehend identisch. Beides gilt übrigens ebenso beim Betrieb an einem beliebigen Dimmer.

Am Dimmer gibt’s „Light & Sound“

Das Stichwort „Dimmer“ bringt uns zum nächsten Schwachpunkt: Am Dreh-/Drück-Phasenabschnittdimmer brauchte die 600-lm-Lampe bei dunkelster Voreinstellung etwa 1,5 Sekunden, um die gewünschte Helligkeit zu erreichen. Bei hellster Position reduzierte sich das auf rund eine halbe Sekunde. Der flackerfreie Regelbereich: 2,7 bis 10,3 Watt (Gesamtleistung Lampe + Dimmer)  – das entspricht etwa 10 bis 100 Prozent des maximalen Lichtstroms. Dabei meldete sich die Lampe mit einem gepulsten Surren[30], das Sie in stiller Umgebung noch in etwa einem halben Meter Entfernung hören können. Der Dimmer selbst blieb lautlos.

Nicht gepulst, sondern durchgehend und noch nerviger und lauter war das Surr-Duett „Carus-Lampe/justierbarer Jung-Phasenanschnittdimmer“. Bei dunkler bis mittlerer Reglerposition trug es bis maximal ca. 2 Meter weit, bei hellster Einstellung waren es immer noch rund 1,5 m. Der Regelbereich: 2,7 bis 10,1 Watt – also ziemlich identisch mit dem Abschnittdimmer, obwohl der kein Schräubchen zur Feinjustage der unteren Schwelle[49] hat. Dazu gab es  im unteren Bereich teils sprunghafte Helligkeitsänderungen beim Dreh am Dimmer, sonst eine zwar flackerfreie und stufenlose Regelung, jedoch mit etwas „Nachlauf“ – also alles wie bei der 400-lm-Lampe.

Weitgehend Gleichstand bei der Lichtqualität

Wenig überraschend: Auch bei der Lichtqualität gibt es sehr starke Gemeinsamkeiten. Die vom Labor gemessene Farbtemperatur[6] lag mit ca. 2600 Kelvin etwas unter der Werksvorgabe (2700 K) und der schwächeren Schwester (2646 K); der „allgemeine Farbwiedergabeindex“[50] (Ra) war jedoch mit 91,9 fast identisch – auch die Einzelwerte der sechs Zusatzfarben R9 bis R14[51] zeigen keine nennenswerten Differenzen (pdf-Download des Messprotokolls[52]).

Deshalb sehen Sie hier auch keine weitere Abbildung eines langweiligen Spektraldiagramms[53], sondern nur der Form halber das Standard-Farbtreue-Bild mit der Duc. Dass es ein wenig satter und glänzender wirkt als das entsprechende Foto oben, liegt allenfalls an der größeren Helligkeit der klaren Lampe, nicht an einer höheren Farbtreue:

Carus-600lm-Farbtreue

Mein Testurteil:

Carus-600lm-ausEine nicht dimmbare, „warm-weiße“ E27-LED-Lampe mit 600 Lumen und Farbwiedergabeindex Ra 92 für nur 6,99 Euro wäre eigentlich schon ein sehr gutes Angebot. Dass sich die knapp 9 Watt starke „Carus“[54] mit einigen teuren Dimmermodellen[55] ganz gut verstehen soll, ist eine nette Zugabe, sollte aber nicht pauschalisiert werden – vor allem nicht mit Phasenanschnittdimmern.

Leichte Schwächen im Produktions- oder Lagerungsprozess (Kondensat in der Haube!) und eine deutlich zu optimistische Halbwertswinkelangabe geben meinem Gesamturteil weitere Dämpfer, zumal nur zwei Jahre Privatverwendungs-Garantie[56] und 25.000 Leuchtstunden sowie 25.000 Schaltzyklen Nennlebensdauer[10] nicht außergewöhnlich viel sind.

Deshalb gibt’s hier auch ein halbes Sternchen weniger als für die matte Carus-LED-Lampe, und meine strenge LED-Bewertungsskala spendiert nur
drei Sterne.

(Offenlegung: Ich wollte die beiden Lampen ursprünglich regulär im firmeneigenen Online-Shop[57] kaufen, bekam sie dann aber doch gratis von „Carus“ geliefert. Sie bleiben – wie üblich – zum Dauertest bei mir.)

Update 12.01.: Wie ich erst heute von Inhaber Dr. Andreas Ritzenhoff erfuhr, hat „Carus“ seit 1. November 2014 zwei neue Geschäftsführer: Pia Meier aus dem Seidel-Management und den niederländischen LED-Spezialist Martijn Dekker[58], der zuvor seit März 2013 intensiv als freier Projektentwickler an den LED-Lampen aus Hessen mitgearbeitet hatte.

Update 19.02.: Seit Dienstag bei YouTube zu sehen: Ein Werbevideo[59] des „VDI Zentrum Ressourceneffizienz[60]“ über die „materialeffiziente Produktion von LED-Lampen“. Im Wesentlichen geht’s um die Entwicklung und Fertigung der „carus“-Retrofits. Wer genau hinschaut, kann sogar einen Blick auf die Hitzeentwicklung der direkt nebeneinander zum Dauertest aufgereihten „Birnen“ werfen:
Carus-Waermebild
Die „Fluke“-Wärmebildkamera (Video-Ausschnitt) zeigt in mehreren Einstellungen rund 87 Grad als heißeste Kühlkörpertemperatur[61], bis zu 46 Grad auf den matten Hauben und 24 bis 25 Grad Umgebungstemperatur. Zum Vergleich: Bei meinem Test oben erreichte die knapp 9 Watt starke Lampe in einer hängenden, offenen Fassung laut IR-Thermometer maximal 75 Grad.

Update 11.03: Zumindest die matte 400-Lumen-Lampe scheint jetzt auch im offiziellen deutschen IKEA-Sortiment[62] gelandet zu sein.

Update September 2015: Die 600-Lumen-Variante gibt’s jetzt zum selben Preis auch mit matter Haube[63] und entsprechend runderem Lichtkegel.

Update Juni 2019: Nach eigenen Angaben[64] hat Carus leider bereits Ende April 2019 Produktion und Verkauf von LED-Lampen und Wohnaccessoirs eingestellt – „aufgrund der allgemeinen Marktlage und wirtschaftlicher Überlegungen“.

Mehr zum Thema:

LED-Lampen aus Hessen: „Carus“ startete heute die Produktion[65]

Test: Drei dekorative E27-LED-Lampen von Verbatim, Jooby und Carus[66]

Carus-Doppeltest: „Dim by Click“ und „Warm by Click“ – geniale LED-Lampen?[67]

Im Test: Dimmbare 10-Watt-Osram-LED-Lampe „made in Germany“[68]

Links/Quellen:
  1. knapp 5 und 7 Euro: http://www.carus-world.de/led-technik.html
  2. „Die Hesse komme!“: https://www.youtube.com/watch?v=F3uAGhWdrxo
  3. im Herbst 2014: http://fastvoice.net/2014/09/30/led-lampen-aus-hessen-carus-startete-heute-die-produktion/
  4. Seidel: http://www.seidel.de/
  5. Online-Sortiment: http://www.ikea.com/de/de/catalog/categories/departments/living_room/20514/
  6. Farbtemperatur: http://fastvoice.net/2012/06/06/led-licht-der-schein-kann-trugen/
  7. empfohlenen Dimmermodellen: http://www.carus-world.de/media/wysiwyg/pdf/CARUS_LED_Dimmerliste.pdf
  8. Halbwertswinkels: http://fastvoice.net/2013/02/12/led-lampen-und-das-winkel-dilemma/
  9. Farbwiedergabeindex: http://fastvoice.net/2012/02/19/auf-treue-achten-auch-bei-led-lampen/
  10. Nennlebensdauer: http://fastvoice.net/2014/01/16/led-nennlebensdauer-alles-ueber-leuchtstunden-und-schaltzyklen/
  11. EU-Ökolabel: http://fastvoice.net/2012/10/17/neues-eu-energie-label-auch-fur-led-beleuchtung/
  12. 6,3 Watt starke 400-Lumen-Lampe: http://www.carus-world.de/led-technik/led-birne-400lm-e27-matt-dimmbar.html
  13. Polycarbonat: http://de.wikipedia.org/wiki/Polycarbonate
  14. Polyamid-6: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Polycaprolactam&redirect=no
  15. pdf-Download des Datenblatts: http://www.carus-world.de/media/wysiwyg/pdf/CARUS_LED-Lampe_A_Shape_E27_400Lumen_matt_dimmbar_1014168.pdf
  16. heißesten Gehäusestelle: http://fastvoice.net/2012/08/11/hier-wirds-heis-der-tc-punkt-von-led-lampen/
  17. elektrischen Leistungsfaktor: http://fastvoice.net/2014/01/02/wie-led-lampen-das-stromnetz-belasten/
  18. Flimmern: http://fastvoice.net/2014/02/25/blog-leserfrage-12-warum-flimmern-manche-led-lampen/
  19. David Communication: http://led-lichtmesstechnik.de/
  20. pdf-Download: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2015/01/Lichtverteilungskurve-carus-1014168-matt.pdf
  21. allgemeinen Farbwiedergabeindex: http://fastvoice.net/2012/02/19/auf-treue-achten-auch-bei-led-lampen/
  22. pdf-Download des gesamten Messprotokolls: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2015/01/carus-1014168-matt.pdf
  23. Zusatz-Messfarben: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2012/02/cri-testfarben.jpg
  24. Spektralverteilung: http://fastvoice.net/2014/01/09/sagt-uns-ein-led-farbspektrum/
  25. EU-Tabelle: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2012/08/lumen-vergleichstabelle.jpg
  26. „Carus“-Website: http://www.carus-world.de/led-technik/led-birne-400lm-e27-matt-dimmbar.html
  27. Retrofits aus Eichstätt: http://fastvoice.net/2014/10/12/led-tagebuch-kw-41-deutsche-osram-lampen-physik-nobelpreis/
  28. „LED-Fadenlampen“ aus Sachsen: http://fastvoice.net/2014/07/19/im-test-dimmbare-vosled-fadenlampe-effizienz-wunder-mit-macken/
  29. diverse Problemchen: http://fastvoice.net/2014/03/07/led-lampe-und-dimmer-immer-noch-kein-traumpaar/
  30. Surren: http://fastvoice.net/2013/03/05/surrende-led-lampen-der-zufall-spielt-mit/
  31. Konversions-Beschichtung: http://fastvoice.net/2013/04/03/silicone-valley-leds-arbeiten-mit-silikon-und-silizium/
  32. [Image]: http://www.fastvoice.de
  33. Jung-Phasenanschnittdimmer 225 NVDE: http://www.jung.de/de/online-katalog/62514369/
  34. Liste der empfohlenen Modelle: http://www.carus-world.de/media/wysiwyg/pdf/CARUS_LED_Dimmerliste.pdf
  35. Voreinstellung des Dimmer-Schräubchens: http://fastvoice.net/2012/06/20/arger-mit-dimmer-led-lampen-justieren-kann-helfen/
  36. LED-Lampe für 4,99 Euro: http://www.carus-world.de/led-technik/led-birne-400lm-e27-matt-dimmbar.html
  37. zwei Jahre Werksgarantie: http://www.carus-world.de/led-technik/garantie.html
  38. Stromsparpotenzial: http://fastvoice.net/2012/11/17/led-umrustung-wie-viel-sparen-sie-wirklich/
  39. Lumen/Watt-Verhältnis: http://fastvoice.net/2013/01/28/wie-effizient-ist-led-beleuchtung/
  40. LED-Bewertungsskala: http://fastvoice.net/2014/06/25/die-neue-led-bewertungsskala/
  41. kleinen E14-Schraubsockel: http://www.carus-world.de/shop/led-birne-400lm-e14-matt-dimmbar.html
  42. 9 Watt starke Carus-LED-Lampe: http://www.carus-world.de/led-technik/led-birne-600lm-e27-klar-dimmbar.html
  43. Lumen Lichtstrom: http://fastvoice.net/2013/02/23/die-lumen-falle-wie-lichtstrom-werte-hinters-licht-fuhren/
  44. hier als pdf-Download: http://www.carus-world.de/media/wysiwyg/pdf/CARUS_LED-Lampe_A_Shape_E27_600Lumen_klar_dimmbar_1014170.pdf
  45. verbreitete Phänomen: http://fastvoice.net/2013/11/18/im-test-osram-led-star-classic-b40-hell-genug-fuer-hohe-ansprueche/
  46. Halbwertswinkel: http://fastvoice.net/2013/02/12/led-lampen-und-das-winkel-dilemma/
  47. pdf-Download des Diagramms: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2015/01/Lichtverteilungskurve-carus-1014170-klar.pdf
  48. Leistungsfaktor: http://fastvoice.net/2014/01/02/wie-led-lampen-das-stromnetz-belasten/
  49. Feinjustage der unteren Schwelle: http://fastvoice.net/2012/06/20/arger-mit-dimmer-led-lampen-justieren-kann-helfen/
  50. „allgemeine Farbwiedergabeindex“: http://fastvoice.net/2012/02/19/auf-treue-achten-auch-bei-led-lampen/
  51. sechs Zusatzfarben R9 bis R14: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2012/02/cri-testfarben.jpg
  52. pdf-Download des Messprotokolls: http://fastvoice.net/wp-content/uploads/2015/01/carus-1014170-klar.pdf
  53. Spektraldiagramms: http://fastvoice.net/2014/01/09/sagt-uns-ein-led-farbspektrum/
  54. knapp 9 Watt starke „Carus“: http://www.carus-world.de/led-technik/led-birne-600lm-e27-klar-dimmbar.html
  55. einigen teuren Dimmermodellen: http://www.carus-world.de/media/wysiwyg/pdf/CARUS_LED_Dimmerliste.pdf
  56. Privatverwendungs-Garantie: http://www.carus-world.de/led-technik/garantie.html
  57. firmeneigenen Online-Shop: http://www.carus-world.de/shop/led.html
  58. Martijn Dekker: https://nl.linkedin.com/pub/martijn-dekker/0/81a/b35
  59. Werbevideo: https://www.youtube.com/watch?v=hNxfJugCidg#t=202
  60. VDI Zentrum Ressourceneffizienz: http://www.ressource-deutschland.de/
  61. heißeste Kühlkörpertemperatur: http://fastvoice.net/2012/08/11/hier-wirds-heis-der-tc-punkt-von-led-lampen/
  62. im offiziellen deutschen IKEA-Sortiment: http://www.ikea.com/de/de/catalog/products/70266765/
  63. mit matter Haube: http://www.carus-world.de/shop/led/led-birne-600lm-e27-matt-dimmbar.html
  64. eigenen Angaben: https://www.facebook.com/caruslicht/photos/a.728372330555288/2267662703292902/?type=3&theater
  65. LED-Lampen aus Hessen: „Carus“ startete heute die Produktion: http://fastvoice.net/2014/09/30/led-lampen-aus-hessen-carus-startete-heute-die-produktion/
  66. Test: Drei dekorative E27-LED-Lampen von Verbatim, Jooby und Carus: http://fastvoice.net/2015/12/12/test-drei-dekorative-e27-led-lampen-von-verbatim-jooby-und-carus/
  67. Carus-Doppeltest: „Dim by Click“ und „Warm by Click“ – geniale LED-Lampen?: http://fastvoice.net/2016/10/10/carus-doppeltest-dim-by-click-und-warm-by-click-geniale-led-lampen/
  68. Im Test: Dimmbare 10-Watt-Osram-LED-Lampe „made in Germany“: http://fastvoice.net/2014/10/28/im-test-dimmbare-10-watt-osram-led-lampe-made-germany/

Source URL: http://fastvoice.net/2015/01/10/doppeltest-carus-led-lampen-aus-hessen-teils-besser-als-versprochen/