by Wolfgang Messer | 10.8.2012 13:34
Schlimm genug für einen altgedienten und beinahe schon legendären Schauspieler wie Bob Hoskins (Bild: James Lawrence Stewart@Wikimedia Commons[1], Lizenz CC-by 2.0[2]), wenn er wegen einer tückischen und leider nicht heilbaren Krankheit seinen Beruf aufgeben muss. Noch unangenehmer wird’s aber, wenn eine via “Deutsche Presse-Agentur” (dpa) flächendeckend verbreitete Nachricht darüber[3] diesem Mimen im Nachhinein noch eine Rolle andichtet, die er beim besten Willen nicht hätte spielen können.
Das sieht dann etwa so aus:

(Focus.de)[4]
… und anderswo genauso:

(Stuttgarter Nachrichten) [5]
… sowie ziemlich identisch in zahlreichen Online-Portalen (gestern, Quelle: Internet) und gedruckten Publikationen (heute, da fiel’s mir erst auf, Quelle: Zeitungskiosk) des deutschen Verlagswesens – teils auch als redaktionell bearbeiteter Mix mit Meldungen anderer Agenturen[6].
Falls Sie jetzt den Fehler nicht gleich entdeckt haben, grämen Sie sich nicht. Unzähligen Redakteuren ging es offenbar genau so – wenn überhaupt mal jemand die dpa-Meldung vor der Veröffentlichung redigiert haben sollte und sie nicht ohnehin standardisiert und automatisiert durch die Redaktionssysteme rutschte.
Tatsache ist: Bob Hoskins spielte zwar 1988 tatsächlich mit in der US-Produktion “Falsches Spiel mit Roger Rabbit”[7] unter der Regie von Robert Zemeckis, aber eben nicht die Titelrolle, sondern die menschliche Hauptrolle des Privatdetektivs Eddie Valiant, der 1947 eine Verschwörung in der Cartoon-Filmindustrie des (fiktiven) Los Angeles aufdeckt.
Die Titelrolle des Hasen “Roger Rabbit” ist dagegen – wie viele andere Protagonisten des Films – ein gezeichneter “Toon”[8], der nachträglich in den Realfilm montiert wurde – eine damals aufsehenerregende, stimmig umgesetzte Technik, die noch völlig ohne Computeranimationen auskam.
Hoskins musste seine Szenen deshalb häufig ohne Filmpartner spielen, weil es sie eben teils in Wirklichkeit nicht gab – eine wirklich beeindruckende künstlerische Leistung, die ihm 1989 immerhin eine “Golden Globe”-Nominierung einbrachte und die sicher nicht dadurch ausreichend gewürdigt wird, indem man ihn nachträglich zum Cartoon-Hasen umdeklariert.
Update 15.45 Uhr: Nach Auskunft der dpa-Unternehmenskommunikation wurden heute Nachmittag – nach meinen entsprechenden Hinweis – eine korrigierte[9] sowie eine neu formulierte Meldung[10] gesendet. In diesen ist nur noch von “einer Hauptrolle” die Rede bzw. davon, dass Hoskin es in dem “Roger Rabbit”-Film “mit einem animierten Hasen zu tun” bekommen habe. Die Agentur bat um Entschuldigung für den Fehler.
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