Solarwerte schmelzen wie Butter in der Sonne

Keine sonnigen Aussichten für die Solarbranche in Deutschland: Bei der Hauptversammlung der Bonner SolarWorld AG heute musste Vorstandschef und „Sonnenkönig“ Frank Asbeck den frustrierten Anlegern erklären, warum der Aktienkurs aktuell auf klägliche 8,14 Euro abgestürzt ist. Damit hat das Papier allein seit Sommer 2008 (damals bin ich mit einem kleinen vierstelligen Betrag eingestiegen) über 70 Prozent verloren; die heute beschlossene Dividende von 16 Euro-Cent pro Aktie ist da kein Trost und reicht bei meinem SolarWorld-Portfolio allenfalls für drei Tuben Sonnencrème.

SolarWorld-Logo
Im Börsen-Abwärtsstrudel: Die Bonner SolarWorld AG (Firmenlogo).

Was ist da schief gelaufen seit dem Aktien-Höchststand von rund 48 Euro im Frühjahr 2007? Liegt’s am Regenwetter zur Zeit bei uns? An diversen, sonnigen südeuropäischen Ländern, die gerade den Börsen zu schaffen machen? Immerhin hat sich das Unternehmen doch sehr breit aufgestellt, sowohl bei der Fertigungstiefe als auch bei der globalen Ausdehnung. SolarWorld hat die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff Silizium bis zur fertigen Solaranlage im Griff und damit eigentlich jede Menge Ansatzpunkte zur effizienteren Produktion und für günstige Endpreise. Die bittere Wahrheit ist aber, dass zur Zeit nur ein deutsches TecDax-Unternehmen aus der Solarbranche börsentechnisch gut dasteht: SMA Solar – und das produziert keine Solarzellen, sondern hauptsächlich Wechselrichter, die für jede Solaranlage gebraucht und regelmäßig nach etwa 10 Jahren ersetzt werden müssen.

Zu lange war man offenbar der Meinung, das Qualitätssiegel „Made in Germany“ und die hohe Energieausbeute der in Deutschland entwickelten und produzierten Solarzellen verschafften trotz hoher Preise einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der asiatischen Konkurrenz. Die Chinesen zum Beispiel sind aber auch keine Warmduscher, verbesserten ihre Produkte trotz einiger qualitativer Rückschläge ständig und bieten ebenfalls Komplettanlagen an – allerdings erheblich billiger. Das funktioniert durch geringere Arbeitslöhne, aber wohl auch durch versteckte Staats-Subventionen. So scheinen staatliche Kredite (bis dahin noch völlig unverdächtig und international üblich) in China nach einer gewissen Zeit stillschweigend erlassen zu werden; ein riesiger Kostenfaktor fällt somit weg.

Solarzellen
Werden immer billiger: Solarzellen zur Stromerzeugung (Foto: SolarWorld AG)

Den deutschen Kunden scheren diese Hintergründe wenig, denn natürlich versucht jeder Solaranlagenbesitzer – trotz sinkender Strom-Einspeisevergütungen – auf eine ordentliche Rendite zu kommen. Und die gibt’s nur, wenn pro Euro Kapitaleinsatz möglichst viel Watt erzeugt wird. Auffallend ist dabei, dass auch die in Deutschland produzierten Anlagen binnen Jahresfrist etwa ein Drittel billiger wurden – eine Preissenkung, die nicht allein durch effizientere Produktion erklärt werden kann. Und tatsächlich: Die bisher offenbar aufgeblähten Gewinnmargen sollen weiter verkleinert werden; laut SolarWorld jetzt noch mal durch eine Preissenkung um 8 Prozent. Finanzvorstand Philipp Koecke blickte heute trotzdem „in eine sonnige Zukunft“. Immerhin hat die AG noch fast eine Milliarde Euro Bar-Mittel – das entspricht etwa dem gesamten Umsatz 2009 und auch dem derzeitigen Börsenwert des Unternehmens.

Da darf sich der Kunde seinen Teil denken; hat er doch vermutlich in den letzten Jahren vor allem für tolle Renditen bei den Anlagenherstellern gesorgt und nicht für die seines eigenen Solarstroms vom Dach. Im Fall von SolarWorld wurden diese Gewinne ärgerlicherweise auch noch direkt und indirekt für Parteispenden verwendet – vor allem für die Atomstrom-Fans der FDP um Asbeck-Kumpel Guido Westerwelle. Die kümmerten sich anschließend in der Regierungskoalition darum, dass die Kürzung der Solarstrom-Einspeisevergütungen nicht ganz so heftig ausfiel wie ursprünglich geplant – ein Zusammenhang zwischen Spenden und Subventionspolitik wird natürlich lautstark dementiert.

Kritiker halten diese Form der Stromerzeugung ohnehin für wenig sinnvoll, die Förderung für weit überzogen und die Beteiligten für „Solar-Absahner“. Objektiv ist es für Hausbesitzer tatsächlich empfehlenswerter, keine Solarzellen auf dem Dach zu montieren, sondern Sonnenkollektoren zur selbstgenutzten Warmwassererzeugung. Dabei ist man nicht von den Unwägbarkeiten der politischen Förderung und der undurchschaubaren Preisgestaltung der Solarzellenindustrie abhängig, tut aber langfristig trotzdem was für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Und so schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Das eine schmerzt der SolarWorld-Kursverfall gewaltig, das andere freut sich darüber, dass wir auf dem Dach nicht – wie ursprünglich geplant –  Solarzellen haben, sondern drei große Sonnenkollektoren. Die können so ungefähr den Teil meiner Altersversorgung wieder einspielen, der auf dem Solarzellenmarkt verbrannt ist.

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Ein Gedanke zu „Solarwerte schmelzen wie Butter in der Sonne

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