Archive für Mai 2010

Lena bleibt, Horst geht

Die Nachrichten überschlagen sich heute: Zuerst gibt Stefan Raab bekannt, dass es nun doch keine Nachfolgerin für Oslo-Siegerin Lena geben soll - die junge Dame muss noch mal ‘ran, zahlreiche Fans fordern das Bundesverdienstkreuz für Lena und/oder Stefan, einige wollen Lena sogar als Bundespräsidentin nominieren, Amtsinhaber Horst Köhler reagiert schon kurz darauf und macht den Weg frei - mit seinem Rücktritt.

Schloss Bellevue
Austragungsort für den nächsten Eurovision Song Contest: Schloss Bellevue in Berlin, der Amtssitz von Bundespräsidentin Meyer-Landrut. (Foto: Stephan Czuratis@Wikimedia Commons)

Damit dürfte wohl alles klar sein für den Berliner Megatag 21. Mai 2011: Das ebenfalls an diesem Termin geplante DFB-Pokalfinale wird auf den Nachmittag vorverlegt, der Eurovision Song Contest findet abends im Schloss Bellevue statt, Hape Kerkeling moderiert (als Königin Beatrix  - lecker Mittagessen!) zusammen mit den Hofdamen Kim Fisher und Anke Engelke) und die Schlossherrin Lena singt ein Lied, das die Untertanen zuvor in einer Song-Casting-Show auf Pro7 und Das Erste gewählt haben. Glauben Sie alles nicht? Also bitte, Sie haben ja auch vor ein paar Monaten noch nicht geglaubt, dass eine Abiturientin aus Hannover mit einem amerikanisch-dänischen Lied den Eurovision Song Contest in Norwegen gewinnt…
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Unser Star für Berlin: The next Lena?

Nach dem historischen Erfolg für den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo und mitten in der ausufernden Lenamania können wir doch schon mal einen Schritt weiterdenken:

* Wann und wo findet das nächste Finale statt? Das Datum ist schon von der EBU entschieden worden, es wird der 21. Mai 2011 sein (übrigens der “Welttag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung”). Das “Wo” ist prinziell auch klar: Natürlich in Deutschland, vermutlich in Berlin.

* Wer startet für Deutschland? Das wird erneut mit Hilfe einer Casting-Show in Kooperation von ARD und Pro7 entschieden. Und dafür hätte ich schon mal einen heißen Kandidat(inn)entipp:

Diese junge Dame heißt Nicole, kommt aus Deutschland (natürlich), ist gerade mal 15 und wäre damit nach Eurovisions-Regeln vermutlich nächstes Jahr startberechtigt (Mindestalter der Interpreten ist 16). Erstaunliches Talent, oder? Stefan Raab, übernehmen sie.

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Beileid für die Überlebenden?

Leider noch ein Flop der Woche - diesmal aus aus der unseligen Reihe “Coypy&Paste-Journalismus”. Heute ist eine Boeing 737 in Indien über die Landebahn hinaus geschossen; rund 160 Passagiere starben, nur wenige überlebten. Der Deutsche Auslands-Depeschendienst (DAPD, Agenturkürzel apn) verbreitet in ihrer Berichterstattung einen makabren Satz, der von dutzenden News-Portalen unredigiert übernommen wird, auch von tagesschau.de, swr.de, faz.net, stern.de und vielen anderen “Qualitätsmedien”:

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh sprach den Angehörigen der Überlebenden sein Beileid aus und sagte ihnen finanzielle Entschädigung zu.

Wie soll dieses Beileid aussehen? “Tut uns leid, dass Ihr Angehöriger überlebt hat, soll nicht wieder vorkommen”? Gemeint war wohl eher das, was zum Beispiel Spiegel-Online berichtet:

Indiens Premierminister Manmohan Singh versprach den Familien der ums Leben gekommenen Passagiere staatliche Hilfszahlungen in Höhe von umgerechnet jeweils knapp 3400 Euro. Die Verletzten würden jeweils 850 Euro aus dem staatlichen Topf erhalten.

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3D, Kunstraub, Lena-Tool: Die Flops der Woche,

ganz willkürlich, zufällig und subjektiv ausgewählt, aber alle bemerkenswert:

Der Leserkommentar der Woche (am Montag zu einem Welt-online-Ratgeber zu 3D-TV-Geräten):

Günther M. sagt:
Der Mensch ist nicht dafür gemacht, 3D zu sehen. Die Natur will nicht, daß wir 3D-sehen können, warum muss man das denn dann erzwingen? Kann man nicht mal mit dem, was Gott einem gegeben hat, zufrieden sein? Diese Arroganz macht mich krank!

Stimmt, räumliches Sehen ist nur denen von Gott gegeben, die zwei funktionierende Augen haben - und das ist offenbar ein ganz seltenes Phänomen. Noch bemerkenswerter: Das Schreiben von Leserkommentaren ist auch noch mit kleinem Rest-Hirn möglich, alle anderen Vermutungen wären arrogant.

Ähnliches gilt auch für das Schreiben von Artikeln in Welt-online. Stefan Koldehoff phantasiert sich am frühen Freitag in seinem Beitrag über einen spektakulären Kunstraub in Paris den Tatort zurecht:

Sie kamen in der Nacht, zerbrachen eine Fensterscheibe und knackten das Vorhängeschloss einer Gittertür, die zur ständigen Sammlung des Musée National d’Art Moderne in Paris führt. Dort stahlen die Unbekannten fünf wertvolle Gemälde der Klassischen Moderne von Georges Braque, Fernand Léger, Henri Matisse, Amedeo Modigliani und Pablo Picasso und konnten unerkannt mit ihrer Beute entkommen. Bemerkt wurde der Diebstahl in dem auf französische Kunst spezialisierten Haus im XVI. Arrondissement erst gegen zehn vor sieben am Donnerstagmorgen…

Tatsächlich geschah der Diebstahl im 16. Arrondissement. Dort liegt aber das Musée d’art moderne de la Ville de Paris, also das “Museum für moderne Kunst der Stadt Paris”. Das Musée National d’Art Moderne - also das “Nationalmuseum für Moderne Kunst” - liegt wiederum als Teil des Kunst- und Kulturzentrums Centre Georges Pompidou im 4. Arrondissement. Dort wurde diese Woche höchstens ein Kalender entwendet.

Den hat sich wahrscheinlich Google geschnappt als kleine Recherchehilfe, nachdem Mitte der Woche das tolle “Wer gewinnt den Eurovision-Song-Contest in Oslo?”-Vorhersage-Tool als Flop enttarnt wurde. Schon erstaunlich, dass bereits Mitte 2009 “Lena” im Ranking ganz vorne lag - lange bevor überhaupt der deutsche Vorentscheid begonnen hatte. Und Anfang Januar 2010 natürlich auch noch:
Lena-Google
Googles Gaga-Glaskugelei: Bereits Anfang Januar war “Lena” Top-Favoritin des “Eurovision-Song-Contest”

Hier noch mal in aller Deutlichkeit für alle Google-Laien (also auch für Google-Mitarbeiter): Wenn Sie die Treffer- und Such-Häufigkeit eines Namens wissen wollen, dann geben Sie bitte den gesamten Namen an - und zwar innerhalb von Anführungszeichen - zum Beispiel so: “Lena Meyer-Landrut”. Das ergibt etwa 4,25 Millionen Treffer. Wenn Sie dagegen nur Lena eingeben, dann werden rund 42 Millionen Treffer angezeigt. Da muss man erst mal drauf kommen, dass skandalöserweise mehr als nur eine Person auf diesem schönen Planeten den Vornamen “Lena” trägt.

Und über den vierten Flop der Woche habe ich schon gestern ausführlich geschrieben…

Update 16 Uhr: Welt-online hat inzwischen den Namen des Museums stillschweigend korrigiert.
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Solarwerte schmelzen wie Butter in der Sonne

Keine sonnigen Aussichten für die Solarbranche in Deutschland: Bei der Hauptversammlung der Bonner SolarWorld AG heute musste Vorstandschef und “Sonnenkönig” Frank Asbeck den frustrierten Anlegern erklären, warum der Aktienkurs aktuell auf klägliche 8,14 Euro abgestürzt ist. Damit hat das Papier allein seit Sommer 2008 (damals bin ich mit einem kleinen vierstelligen Betrag eingestiegen) über 70 Prozent verloren; die heute beschlossene Dividende von 16 Euro-Cent pro Aktie ist da kein Trost und reicht bei meinem SolarWorld-Portfolio allenfalls für drei Tuben Sonnencrème.

SolarWorld-Logo
Im Börsen-Abwärtsstrudel: Die Bonner SolarWorld AG (Firmenlogo).

Was ist da schief gelaufen seit dem Aktien-Höchststand von rund 48 Euro im Frühjahr 2007? Liegt’s am Regenwetter zur Zeit bei uns? An diversen, sonnigen südeuropäischen Ländern, die gerade den Börsen zu schaffen machen? Immerhin hat sich das Unternehmen doch sehr breit aufgestellt, sowohl bei der Fertigungstiefe als auch bei der globalen Ausdehnung. SolarWorld hat die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff Silizium bis zur fertigen Solaranlage im Griff und damit eigentlich jede Menge Ansatzpunkte zur effizienteren Produktion und für günstige Endpreise. Die bittere Wahrheit ist aber, dass zur Zeit nur ein deutsches TecDax-Unternehmen aus der Solarbranche börsentechnisch gut dasteht: SMA Solar - und das produziert keine Solarzellen, sondern hauptsächlich Wechselrichter, die für jede Solaranlage gebraucht und regelmäßig nach etwa 10 Jahren ersetzt werden müssen.

Zu lange war man offenbar der Meinung, das Qualitätssiegel “Made in Germany” und die hohe Energieausbeute der in Deutschland entwickelten und produzierten Solarzellen verschafften trotz hoher Preise einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der asiatischen Konkurrenz. Die Chinesen zum Beispiel sind aber auch keine Warmduscher, verbesserten ihre Produkte trotz einiger qualitativer Rückschläge ständig und bieten ebenfalls Komplettanlagen an - allerdings erheblich billiger. Das funktioniert durch geringere Arbeitslöhne, aber wohl auch durch versteckte Staats-Subventionen. So scheinen staatliche Kredite (bis dahin noch völlig unverdächtig und international üblich) in China nach einer gewissen Zeit stillschweigend erlassen zu werden; ein riesiger Kostenfaktor fällt somit weg.

Solarzellen
Werden immer billiger: Solarzellen zur Stromerzeugung (Foto: SolarWorld AG)

Den deutschen Kunden scheren diese Hintergründe wenig, denn natürlich versucht jeder Solaranlagenbesitzer - trotz sinkender Strom-Einspeisevergütungen - auf eine ordentliche Rendite zu kommen. Und die gibt’s nur, wenn pro Euro Kapitaleinsatz möglichst viel Watt erzeugt wird. Auffallend ist dabei, dass auch die in Deutschland produzierten Anlagen binnen Jahresfrist etwa ein Drittel billiger wurden - eine Preissenkung, die nicht allein durch effizientere Produktion erklärt werden kann. Und tatsächlich: Die bisher offenbar aufgeblähten Gewinnmargen sollen weiter verkleinert werden; laut SolarWorld jetzt noch mal durch eine Preissenkung um 8 Prozent. Finanzvorstand Philipp Koecke blickte heute trotzdem “in eine sonnige Zukunft”. Immerhin hat die AG noch fast eine Milliarde Euro Bar-Mittel - das entspricht etwa dem gesamten Umsatz 2009 und auch dem derzeitigen Börsenwert des Unternehmens.

Da darf sich der Kunde seinen Teil denken; hat er doch vermutlich in den letzten Jahren vor allem für tolle Renditen bei den Anlagenherstellern gesorgt und nicht für die seines eigenen Solarstroms vom Dach. Im Fall von SolarWorld wurden diese Gewinne ärgerlicherweise auch noch direkt und indirekt für Parteispenden verwendet - vor allem für die Atomstrom-Fans der FDP um Asbeck-Kumpel Guido Westerwelle. Die kümmerten sich anschließend in der Regierungskoalition darum, dass die Kürzung der Solarstrom-Einspeisevergütungen nicht ganz so heftig ausfiel wie ursprünglich geplant - ein Zusammenhang zwischen Spenden und Subventionspolitik wird natürlich lautstark dementiert.

Kritiker halten diese Form der Stromerzeugung ohnehin für wenig sinnvoll, die Förderung für weit überzogen und die Beteiligten für “Solar-Absahner”. Objektiv ist es für Hausbesitzer tatsächlich empfehlenswerter, keine Solarzellen auf dem Dach zu montieren, sondern Sonnenkollektoren zur selbstgenutzten Warmwassererzeugung. Dabei ist man nicht von den Unwägbarkeiten der politischen Förderung und der undurchschaubaren Preisgestaltung der Solarzellenindustrie abhängig, tut aber langfristig trotzdem was für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Und so schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Das eine schmerzt der SolarWorld-Kursverfall gewaltig, das andere freut sich darüber, dass wir auf dem Dach nicht - wie ursprünglich geplant -  Solarzellen haben, sondern drei große Sonnenkollektoren. Die können so ungefähr den Teil meiner Altersversorgung wieder einspielen, der auf dem Solarzellenmarkt verbrannt ist.

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Sarah und Lena

Klingt jetzt sehr nach dem Titel eines fiktiven Truffaut-Films, ist mir aber heute beim YouTube- und Funny or die-Regenwetter-Ablenk-Stöbern aufgefallen: Gucken Sie sich mal die US-Comedian Sarah Silverman an (mit Ihrem Appell, den Vatikan für schätzungsweise 500 Milliarden Dollar zu verkaufen, um mit dem Erlös den Hunger in der Welt zu besiegen):

… und unsere “Hoffnung für Oslo”, Lena Meyer-Landrut:
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(Foto: AxelHH@Wikimedia Commons)

Fällt Ihnen auch was auf? Sieht doch fast aus wie Sarahs heimliche Tochter. Klar, die beiden trennen knapp 22 Jahre Lebens- und Berufserfahrung, Herkunft, Heimat und jede Menge mehr, aber für mich haben sie nicht nur optisch Ähnlichkeit. Wenn’s gut läuft, könnten Lena ihre freche Frische, das komödiantische Talent und ihre Bekanntheit vielleicht irgendwann mal zu einer Art “deutschen Sarah” machen. Eher jedenfalls als zu einer deutschen Björk.
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Die wahre Währung des www.

Mal ehrlich: Zur Zeit verdient fast niemand nennenswert Geld mit Internet-Angeboten; abgesehen von ein paar weltweit agierenden Platzhirschen wie Google, Facebook oder eBay, die aber auch schon ordentlich Federn lassen mussten, deshalb teilweise mit ihren Quartalsgewinnen Altschulden abbauen und immer noch die Personaldecke ausdünnen müssen.

Sehr traurig sieht es vor allem auf nationaler Ebene aus. In Deutschland sind selbst Klickzahl-Giganten wie Bild.de, Spiegel-Online oder StudiVZ kaum in der Lage, sich nennenswert zu refinanzieren. Die Preise für Online-Werbeformen wie Banner oder Pop-Ups sind im Keller - unter anderem, weil viele Benutzer diverse Ad-Blocker in ihren Browsern aktiviert haben und die Werbung ohnehin nicht wahrnehmen.

Andere Geschäftsmodelle, bei denen die Konsumenten für Content bezahlen müssen, haben sich ebenfalls nicht flächendeckend durchgesetzt; abgesehen von Apples florierenden iTunes- und App-Stores. Die profitieren aber davon, dass hier auch die Anbieter ihr Scherflein beitragen müssen mit Lizenzgebühren oder reduzierten Margen. Insofern ist das also ein erweitertes B2B-Modell, bei dem Apple gleich auf zwei Seiten verdient - good job, Mr. Jobs!

Außer Frage stehen auch die Online-Handelsplattformen, die nicht mit dem eigenen Content Umsatz generieren, sondern nur Vehikel für andere Produkte und Dienstleistungen sind. Hier hängt der Erfolg also von einem proprietären Angebot ab und nicht primär von der Website an sich. Die taucht in der Bilanz meist nur als Vertriebskostenfaktor auf und muss keine Einnahmen erwirtschaften.

Trotzdem repräsentiert eine Website wie Otto.de einen erheblichen Wert; allein schon durch ihre Bekanntheit, den Alexa-Traffic Rank und den Google-PageRank. Das also ist die wahre Währung des World Wide Web: Aufmerksamkeit, Bekanntheit und Reputation durch zahlreiche Verlinkungen von außen. In Zeiten, in denen immer mehr Medien und Namen um die begrenzte öffentliche Wahrnehmungsfähigkeit kämpfen, wird diese Währung stetig wertvoller. Und das gilt nicht nur für große Handelsplattformen, sondern auch für kleine und kleinste Webseiten.
Bizinformation-Screenshot
“Website verkaufen und zur Ruhe setzen” scheint noch keine echte Alternative zu sein. Allerdings sind die täglichen Seitenabrufe in Wirklichkeit etwa um den Faktor 200 höher als hier dargestellt. (Screenshot: bizinformation.org)

Markus Beckedahl zum Beispiel betreibt das Blog netzpolitik.org und erklärt im Interview mit carta.info, dass er sein Angebot nur durch Querfinanzierung am Leben erhalten kann - das Geld kommt überwiegend von seiner Agentur Newthinking und seinen Beratertätigkeiten. Die wiederum profitieren von der Reputation und Bekanntheit von netzpolitik.org, bekommen also einen Gegenwert für die Subventionen. Ähnliches gilt auch für andere Blogs - etwa von freien Journalisten, Buchautoren oder IT-Dienstleistern. Das Gratis-Angebot ist jeweils ein Vehikel für das andere, kostenpflichtige.

Und das ist im Moment neben der Selbstausbeutung offenbar das einzige Internet-Geschäftsmodell, das auch im Kleinen funktioniert. Unabdingbare Voraussetzung ist allerdings, dass das primäre Geschäft genug Gewinn abwirft, um das Sekundärangebot zu finanzieren oder einfach nur den Betreiber nicht verhungern zu lassen.
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Ballack, Bögerl und ihre Bedeutung

Zwei Namen (beide mit den Initalen M.B.), zwei völlig unterschiedliche Themen, aber zwei Seiten einer Medaille: Wie weltbewegend ist der verletzungsbedingte Ausfall des Kapitäns der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor der WM? Und wie relevant für eine Nachrichtensendung ist die mutmaßliche Entführung einer Bankiersfrau aus Heidenheim an der Brenz (Ost-Württemberg)? Die Antworten dazu fallen durchaus unterschiedlich aus und werden teils heiß diskutiert; selbst innerhalb des ARD-Senderverbundes.

So berichtet etwa die “Landesschau” im SWR-Fernsehen ganz selbstverständlich seit Tagen über den Fall Maria Bögerl und macht am 17. Mai in der Hauptausgabe der Regional(!)-Nachrichten um 19.45 Uhr mit der Verletzungsdiagnose von Michael Ballack auf. Ein (nicht regionales) Sportthema als Spitzenmeldung - diesen Populismus macht die darauf folgende Tagesschau nicht mit. Sie vermeldet den Riss eines Syndesmosebandes am Ende des Nachrichtenblocks, verweist dabei aber auf eine ARD-”Sportschau extra”-Sendung zu Ballack ab 20.15 Uhr. Der Entführungsfall Bögerl findet dagegen nicht in der Tagesschau statt; eine Entscheidung, die Chefredakteur Dr. Kai Gniffke im Tagesschau-Blog nachvollziehbar begründet.

Völlig irrelevant ist für mich in diesem Zusammenhang die Behandlung der Themen Ballack und Bögerl in den “Nachrichten” der Privatsender oder in den Boulevard-Magazinen der öffentlich-rechtlichen und privaten Kanäle; hier erwarte ich ohnehin keine seriöse Bedeutungseinordnung und adäquate Behandlung.

Natürlich ist Ballacks Ausfall das aktuelle Spitzenthema für jede Sportsendung. Sondersendungen nach den Hauptnachrichten in ARD und ZDF rechtfertigt das aber nicht. Was wichtig ist, kann durchaus in zweieinhalb Minuten innerhalb der Nachrichten abgehandelt werden; eine Einschätzung, die offenbar auch viele Zuschauer teilten und sich die Spezial-Ausgaben sparten. Die 20-Uhr-Tagesschau am 17. Mai hat meiner Meinung nach das richtige Maß getroffen - sowohl für Ballack als auch für Bögerl.

Ein Feiertag für (fast) alle/Update

Nachdem gestern schon Teile des Internets in Deutschland mal kurz frei hatten, gilt Christi Himmelfahrt heute auch bei höheren Instanzen als Feiertag:

Jesus-Bäckerei
Auch der Chef lässt heute die Backstube kalt. (Foto: Andreas Praefcke@Wikimedia Commons)

Schwer beschäftigt waren dagegen Petrus, der mit Tief “Xena” fleißig die Himmelsschleusen betätigte (inklusive Schneefall im Südschwarzwald), und die Techniker von 1&1, die am Vormittag einen zeit- und teilweisen Routing-Blackout (samt gehosteter Webseiten wie meinen Domains und den Mail-Servern von 1&1, GMX und Web.de) beheben mussten.

Der kleine Energie-Unterschied

Leicht daneben mit seiner Solar-Terminologie liegt der “Spiegel” im Teil 3 seiner Serie “Energie der Zukunft” (Heft Nr. 19) auf Seite 45:

Gleichzeitig aber sind die Stromkonzerne auch gefordert, eine Vielzahl kleiner und kleinster Energiequellen einzubeziehen. Hausbesitzer bestücken ihre Dächer mit Sonnenkollektoren oder stellen Blockheizkraftwerke in den Keller: Aus Verbrauchern werden Erzeuger.

Nein, mit Sonnenkollektoren werden Verbraucher nicht zu Stromerzeugern, sondern zu Warmwasser-Selbstversorgern. Strom wird mit Solarmodulen bzw. Photovoltaikanlagen erzeugt.