Tatort Stuttgart: Wenn’s bei Surround mal gar nicht “rund” geht

Beim quotenstarken Tatort “Blutgeld” des SWR am 25. April war ja vieles vorhersehbar, aber nicht, dass der wahre Thrill-Faktor des Films in der Technik verborgen war – zumindest für Audiophile. Ich gehöre ja leider zu den Verrückten, die (wenn möglich) Fernsehen in HD gucken und in digitalem 5.1-Surround-Sound hören mögen. Das kostet einige Euronen für eine ordentliche Technik, zahlt sich aber durch ein beeindruckendes Medienerlebnis aus, sofern Inhalt und Form stimmen.

Das aber wollte am Sonntagabend irgend wie nicht klappen: Zwar war das originär in HD gedrehte Bild okay, eine Einblendung verriet außerdem, dass der Ton in Dolby Digital 5.1 aufgenommen wurde, aber schon die wohlbekannte Titelmusik von Klaus Doldinger erklang äußerst eindimensional – fast schon mono. Und das setzte sich auch in den ersten Szenen fort: Nicht nur die Dialoge, auch die Atmo(sphärentöne) und die Musik von Oliver Kranz schallten vorzugsweise aus dem Center-Lautsprecher und den beiden Front-Boxen, aber so gut wie gar nicht aus den hinteren Surround-Lautsprechern. Raumeindruck: Gleich Null.

Natürlich denkt man als Besitzer einer recht neuen Anlage bei solchem Ungemach erst mal an einen eigenen Verkabelungs- oder Einstellungsfehler, probiert alles Mögliche aus und verpasst dabei die Hälfte der Handlung, nur um festzustellen: Alles okay – der HD-Kabel-Receiver liefert den Digitalton via PCM-Stream über das HDMI-Kabel an den AV-Verstärker, der decodiert das ganz auf Dolby 5.1, beliefert die fünf Boxen und wäscht seine Hände in Unschuld.

Also die verzweifelte Gegenprobe an einer anderen Surround-Anlage bei der hübschen Nachbarin ein Stockwerk tiefer: Genau der gleiche, seltsam eindimensionale Ton, also offenbar ein Fehler im PCM-Stream der ausstrahlenden Anstalt oder in der Übertragungskette danach. Was muss das für ein Frust sein für die beim Film beteiligten Tontechniker, Sound-Designer und Komponisten, ihr mühsam auf fünf Tonkanälen aufgenommenes und gemischtes Werk so verunstaltet gesendet zu hören.

Immerhin blieb mir als Konsument eine spontane Notlösung für die zweite Hälfte des Filmes (die erste ging ja für “Jugend forscht” drauf): Tonempfang am Kabel-Receiver umschalten auf “Analog” und diese zwei Standard-Stereo-Kanäle dann vom AV-Verstärker auf “Surround” umrechnen lassen – Heureka! Nun klang’s plötzlich um Welten besser aus den fünf Boxen und die Musik konnte auch endlich als solche erkannt und gewürdigt werden.

Selbstverständlich war dann pünktlich zum Ende des Tatorts wieder alles in Butter bei “Das Erste HD” – schon die direkt danach laufenden Programm-Trailer erklangen auch über den digitalen Tonempfang einwandfrei – also kann definitiv niemand meinem Mini-Heimkino die Schuld in die Kabelschuhe schieben.

Ich habe heute mal beim SWR per Mail nachgefragt, welches Technik-Teufelchen denn da sein Unwesen getrieben hat. Wenn eine Antwort kommt, wird sie hier nachgereicht.
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Sex and Crime vom Kultursender

Den 27. April – ein Dienstag – sollte man sich aus zwei Gründen merken: Erstens wird an diesem Tag meine Domain www.fastvoicemedia.de abgeschaltet, auf der lange Zeit meine größten Dateien gespeichert waren (vor allem die Honda-NSX-Videos aus meiner Hobbyrennfahrer-Zeit, mehrere tausend Mal abgerufen von Motorsport-Fans weltweit). Die sind inzwischen auf www.fastvoice.de umgezogen und eigentlich interessiert das auch wohl kein Schwein – ich wollt’s halt mal gesagt haben.

Zweitens startet am 27. April im “europäischen Kultursender” ARTE eine Thriller-Serie, die man nicht verpassen sollte: “Im Angesicht des Verbrechens”, inszeniert vom achtfachen Grimme-Preisträger Dominik Graf. Vordergründig geht’s um Berlin, die Russen-Mafia, Sex and Crime… könnte man also vielleicht so illustrieren:

StripteaseUzi
Hartes bei ARTE: Leichte Mädchen und schwere Waffen sind ab 27. April “Im Angesicht des Verbrechens” zu sehen (Symbolbilder aus Wikimedia Commons).

Aber natürlich geht’s in den insgesamt 480 Minuten nicht nur um faszinierende und teils verstörende Bilder aus einer brutalen und moralfreien Parallelwelt, die den meisten von uns fremd ist. Es geht auch um hohe Regie- und Schauspielkunst (etwa von Max Riemelt und Marie Bäumer), die inneren Konflikte der Figuren, den Einblick in die Strukturen organisierter Kriminalität und letztendlich um die Erkenntnis, dass niemals strikt unterschieden werden kann zwischen “gut” (Gesetzeshüter) und “böse” (Zuhälter und Drogenhändler). Es gibt Beides auf beiden Seiten und alle Facetten dazwischen.

Graf wollte keine “politisch korrekte Einheitsware” produzieren, wie sie für ihn zunehmend bei den TV-Polizei-Thrillern zu sehen ist (etwa in der “Tatort”-Reihe, die er früher teils selbst belieferte). Ein sozialer Konflikt diente ihm und Drehbuchautor Rolf Basedow nicht als Vehikel für ein zähes, moralinsaures Schauspiel mit erhobenem Zeigefinger, “Im Angesicht des Verbrechens” sollte einfach sehr gute TV-Unterhaltung werden. Der erste Erfolg bei einer Sondervorführung des Gesamtwerks zum Abschluss der Berlinale gab ihm Recht, nun darf die Mini-Serie bei ARTE zeigen, ob sie “zweifellos die deutsche TV-Serie des Jahres” (ARTE-Präsident Gottfried Langenstein) werden kann.

Dramatisch ging es übrigens auch hinter den Kulissen zu: Die Kölner Produktionsfirma Typhoon AG musste – offenbar wegen Zeit- und Budget-Problemen bei der Produktion der Serie – im März 2010 Insolvenz anmelden.

Dass es in den zehn Folgen à 48 Minuten (an fünf Abenden dienstags und samstags je eine Doppelfolge) etwas kompromissloser zur Sache geht als in den üblichen 20.15 Uhr-Primetime-Filmen, dafür liefern schon die Anfangszeiten ein Indiz: Keine Ausstrahlung startet früher als 21.50 Uhr, man sollte also auch drei Mal an einem Werktag bis kurz vor Mitternacht Zeit haben und wach bleiben können – leider nichts für Frühaufsteher. Die Wiederholungen jeweils ein paar Tage danach etwa morgens um 3 sind da auch kein echter Trost. Immerhin kann man sich am Dienstagabend ab 20.15 Uhr die Zeit bis zur ersten Folge ein wenig mit “Dutschke” im ZDF vertreiben – auch lohnenswert.

Teil 1 und 2: Di., 27.4., ab 22.05
Teil 3 und 4: Sa., 1.5., ab 21.50
Teil 5 und 6: Di., 4.5., ab 22.05
Teil 7 und 8: Sa., 8.5., ab 22.50
Teil 9 und 10: Di., 11.5., ab 22.05, anschließend: “Das Making of” um 23.40 Uhr

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