Das Bankgeheimnis…

… war ja früher mal eine Umschreibung für die vertrauliche Behandlung der Daten von Bankkunden, heute ist es eher die Unergründlichkeit des Geschäftsgebarens der Banken – nicht erst seit der Finanzkrise. Neuestes Beispiel, heute erlebt: Wie immer Anfang eines Monats weist der Online-Banking-Kontoauszug diverse unangenehme Abbuchungen (Lastschriften) auf – Versicherungen, Altersvorsorge, GEZ und so weiter. Soweit, so schlecht, aber noch kein Bankgeheimnis. Stutzig wurde ich aber beim Vergleich zwischen Buchungstag und Tag der Wertstellung – das differierte durchweg um einen Tag.
Lastschriften-Chaos
Der teilweise gekürzte und unkenntlich gemachte Screenshot des Kontoauszuges beweist, dass die Abbuchungen (und es waren noch mehr als diese) zwar am 1.7. erfolgten, aber bereits am 30.6. dem Konto belastet, also rückdatiert wurden. Diese mir bis dahin unbekannte Praxis veranlasste mich zu Anrufen bei einigen der abbuchenden Unternehmen, zumal diese ihr Geld auch laut vorliegenden Rechnungen und Vereinbarungen immer erst am Monatsersten beanspruchen. Alle versicherten hochheilig, dass die Lastschriften per 1.7. und ohne rückdatierte Valutierung erteilt worden seien. Sie könnten sich den Vorgang deshalb nicht erklären.

Eine Online-Nachfrage bei der Bank wurde bisher nicht beantwortet, eine telefonische Auskunft war nicht mehr möglich, weil Mittwochnachmittag dort prinzipiell niemand mehr arbeitet. Zwei Szenarien wären meines Erachtens möglich: Ein Software-Fehler bei der Bank, der wahrscheinlich auch andere Kunden betreffen würde. Oder – und das wäre ein Skandal – ein systematisches Vorgehen, das ebenfalls zehntausende Konten betrifft. Denn wir kennen es ja schon von den verzögerten Wertstellungen von Gutschriften: Selbst wenige Tage bringen den Banken in der Summe satte Zinsgewinne auf Geld, das ihnen eigentlich nicht gehört, sondern nur durch’s Bankensystem wandert. Auch vermeintliches „Kleinvieh“ wie 500 Euro pro Konto, die „versehentlich“ einen Tag zu früh abgebucht werden, ergeben bei rund 50.000 Kunden einer kleinen Genossenschaftsbank und geschätzten 2% Verzinsung einen Zinsgewinn von rund 1.400 Euro an jedem Tag, an dem so was praktiziert wird. Falls das nur einmal pro Monat der Fall ist, dann sind das schon rund 17.000 Euro pro Jahr.

Und weil ja kaum einer so genau auf seinen Kontoauszug guckt und auch noch den Unterschied zwischen Buchungstag und Valuta kennt, wäre das wirklich mal ein tolles, neues Bankgeheimnis.

Übrigens: Bis heute nachmittag wurden nur zwei GEZ-Abbuchungen storniert und auf den korrekten Tag neu valutiert; der Rest ist noch so wie beschrieben.

Update 19.50 Uhr: Bis zum Abend wurden auch die restlichen falschen Valutierungen auf den 1.7. geändert – erstaunlich, wo doch eigentlich heute nachmittag niemand bei der Bank gearbeitet haben soll.

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5 Gedanken zu „Das Bankgeheimnis…

  1. Also eigentlich ist das überhaupt nichts ungewöhnliches. Beispielsweise ist es bei Auszahlungen gängige Praxis die Auszahlung am Tag der Auszahlung zu valutieren aber erst einige Tage später zu buchen. Beim Onlinebanking sind auch umvalutierungen oder umbuchungen nicht ungewöhnlich. Rücklastschriften werden beispielsweise auch am Tag des Einspruchs vorläufig gebucht und dann ein zweites mal korrekt gebucht. Die Vorvalutierung dient bei der Lastschrift nur einer schnelleren Abwicklung, da die Bank dann direkt am Tag der Lastschrift, die Lastschrift abweisen können falls die Mittel auf dem Konto nicht vorhanden sind. Denn Banken hier also schon Abzocke zu unterstellen ist stark überzogen.

  2. Ich habe nichts unterstellt, sondern nur so Einiges vermutet, weil das so bisher noch in keinem Monat passiert ist und ich bin schon seit über drei Jahrzehnten bei dieser Bank.

  3. Auch ich habe durch einen Zufall diese Verfahrensweise auf meinem Geschäftskonto feststellen müssen und zwar mit noch radikaleren Valutierungen. Lastschriften valutieren i.d.R. 6 Tage vor dem Buchungsdatum, z. B. Miete ist fällig am 03. eines Monats, Buchungsdatum 05. des Monats – Valuta 28.!! des Vormonats. Schon mal geschaut auf die Valutierung z. B. von Sozialversicherungsbeiträgen, die am drittletzten Bankarbeitstag fällig werden?? Umgekehrt hat es sich verhalten mit den Gutschriften auf dem Geschäftskonto, die Gutschriften valutieren jeweils genau 6 Tage nach dem Buchungsdatum.
    Ich bin zwischenzeitlich am überlegen, ob ich die Bank wegen betrügerischen Umgangs mit meinem Geld und auf Schadenersatz der angefallenen Kontokorrentzinsen verklagen soll. Ohne die Bank erstmal zu nennen – wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht??

  4. Die Wertstellung von Lastschriften vorzudatieren ist keine Abzocke sondern schlicht Betrug und offensichtlich zu Lasten von Geschäftskunden weit verbreitet. Auf diese Weise hat der Kunde keine Möglichkeit, rechtzeitig für Kontodeckung zu sorgen und zahlt in jedem Fall einen Tag Überziehungszinsen mehr. Laut Auskunft eines Bankers ist die – laut BGH-Urteil illegale – Differenz zw. Buchungs- und Wertstellungstag bei Gutschriften und Lastschriften tatsächlich DAS große Geschäft für die Banken. Wir haben entdeckt, dass unsere Hausbank dies seit Jahren so betreibt – unserem Bankberater ist das ganz neu.
    Wir werden nun durch unseren Anwalt prüfen lassen, inwiefern wir Ansprüche geltend machen können.

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