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31.7.2009 von Wolfgang.
Überschriften für Agenturmeldungen zu finden ist manchmal nicht ganz einfach, zugegeben. Aber einen Bezug zum Text sollten sie schon noch haben. Wenn also zum Beispiel dem DTM-Fahrer Mattias Ekström nachträglich fünf Sekunden Zeitstrafe verpasst werden wegen Befolgens einer verbotenen Audi-Stallregie und er damit einen Platz nach hinten rutscht, dann verliert er damit laut DTM-Reglement und der korrekten dpa-Meldung zwei Punkte. Was also schreibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe drüber?
“Teamorder kostet DTM-Pilot Ekström einen Punkt”
Nein, es kostet ihn einen Platz und zwei Punkte.
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31.7.2009 von Wolfgang.
Die Begeisterung über die Rückkehr des Formel-1-Rentners Michael Schumacher schlägt hohe Wellen und spült offenbar auch so manche Journalisten-Sorgfalt weg. Enthusiastisch berichtet bild.de heute über die ersten Testfahrten mit einem älteren Ferrari und wie Schumacher am Vortag aus der Schweiz nach Italien befördert wurde: In einem Hubschrauber namens “Augusta 109“. Augusta?

Ein Agusta A109 des französischen Rettungsdienstes (Quelle)
Jaja, eine Kleinigkeit. Aber wenn schon bei diesem Detail geschlampt wurde, wie sicher kann der Leser sein, dass der Rest des Artikels sauber recherchiert wurde? So gesehen, kann auch ein kleines Au schon wehtun.
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29.7.2009 von Wolfgang.
Die gute Nachricht für unsere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: Ihr gepanzerter S-Klasse-Mercedes ist - offenbar nach einem gewaltsamen Carjacking - unbeschädigt in der Nähe ihres spanischen Urlaubsortes Alicante wieder aufgetaucht.
Die schlechte Nachricht für die Ministerin: Ihre politischen Zukunftsaussichten sind trotz des überraschenden Fundes nachhaltig beschädigt; die Diskussion um die Verwendung eines Dienstwagens samt Chauffeur im Urlaub hat zu viel Staub aufgewirbelt und (teils auch geheuchelte) Empörung verursacht.
Soweit die Fakten, jetzt die munteren und bitte nicht ernstzunehmenden Spekulationen: Hat die Ärzteorganisation “Hartmannbund” den Diebstahl in Auftrag gegeben, um mit dieser “Bypass-Operation” dafür zu sorgen, dass eine unbequeme Gegnerin im Kampf um auskömmliche Honorare diskreditiert wird? War’s CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, der um jeden Preis eine erneute große Koalition nach der Bundestagswahl verhindern will und der ja sowieso vor nix zurückschreckt? War’s ein SPD-Ministerkollege, der neidisch auf den tollen Wagen ist und selbst mal ein paar Kilometer drin fahren wollte? Nee, das kann nun nicht sein, denn diese Minister haben ebenfalls ihre B6/B7-gepanzerten Mercedes, BMW oder Audi zur Verfügung - einige davon auch im Urlaub.
Mein Verdacht: Es war zuerst ein ganz gewöhnlicher Diebstahl, wie er öfter mal der S-Klasse widerfährt, bis die Diebe entdeckten, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Limousine handelt. Die Panzerung ist nämlich von außen für Laien nicht erkennbar und die Absatzmöglichkeiten für geklaute Sonderschutzfahrzeuge sind äußerst begrenzt. Ganz zu schweigen vom Fahndungsdruck und dem Medienrummel, der bei einem Minister-Fahrzeug deutlich größer ist als bei geklauten “normalen” Luxuskarossen. Es war deshalb wohl gesünder für die Langfinger, den Wagen der Gesundheitsministerin wieder auftauchen zu lassen.
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26.7.2009 von Wolfgang.
Dass Motorjournalismus auch was mit Sex zu tun haben kann, habe ich ja vor Kurzem ausführlich beschrieben. Es geht aber noch direkter, wie Bild-Reporter Timo Friedmann lustvoll bei seinen ersten Runden im Flügeltür-Coupé Mercedes SLS er”fahren” hat: “Ehrlich gesagt, es war wie Sex”, überschreibt Friedmann den Beitrag, und war derart begeistert, dass er die Motorleistung des Testobjekts im Lauf seiner Geschichte von 571 auf 671 PS steigen ließ. Hat hier möglicherweise die Begeisterung des Piloten das Aggregat in neue Dimensionen getrieben? Oder war der für den Betrieb des Reporterhirns notwendige Lebenssaft in tiefere Regionen abgesackt? Die Aufklärung ist einfach: Es mag wie “6″ gewesen sein, es ist aber in Wahrheit nur die “5″ vorne.
P.S.: Auch das unautodox-Blog nimmt sich den Umgang der Journalisten mit dem SLS zur Brust.
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25.7.2009 von Wolfgang.
Nicht immer bietet ein Unternehmen genau das an, was man anhand des Firmennamens vermuten würde. Nehmen wir die US-Fastfood-Kette Wienerschnitzel. Raten Sie mal, was Sie da auf der Speisekarte nicht finden:
Richtig: Bei Wienerschnitzel gibt es keine Wiener Schnitzel. Stattdessen ist das Unternehmen US-Marktführer in der Hot Dog-Nische, also finden Sie dort vor allem Würstchen in Weichbrötchen. Und weil diese Würstchen in den USA auch Wiener genannt werden, ist der Firmenname doch ziemlich nahe an der Wahrheit. Mindestens so nahe wie Volkswagen.
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24.7.2009 von Wolfgang.
Egal, welche Gesetze dagegen schon erlassen und Urteile gesprochen wurden: Kaltes Marketing bleibt offenbar in Mode. Heute nachmittag rief bei mir ein Call-Center im Auftrag des Premiere-Nachfolgeunternehmens Sky an, um mir ein Pay-TV-Abo zu verkaufen. Immerhin: Die Anruferkennung war aktiviert, aber leider konnten sich die Herrschaften nicht auf eine bestehende Kundenbeziehung zu Sky oder Premiere oder was auch immer berufen. Auf meine Nachfrage, woher er denn die Legitimation für einen Anruf ableite, erklärte mir der freundliche Herr, ich hätte wohl mal irgendwo die Einwilligung zur Weitergabe meiner Daten erteilt und Sky habe dann diese Daten erworben.
Meines Wissens ist das glatt gelogen, ich widerspreche regelmäßig solchen Vereinbarungen, nehme nicht an dubiosen Gewinnspielen teil und bin in diversen Robinson-Listen eingetragen. Scheint alles nicht zu helfen. Sky bzw. das beauftragte Call-Center will mir nun auf meinen Protest hin eine schriftliche Stellungnahme schicken; ich bin schon sehr gespannt.
P.S.: Bis heute (3.8.) kam noch nichts von Sky in meinen Briefkasten (noch nicht mal ein Werbeprospekt).
P.P.S.: Heute (19.8.) kam dann doch ein Brief von Sky, datiert vom 13.8., unter anderem mit diesen Angaben: “Wir dürfen Sie darüber informieren, dass unser Unternehmen Ihre Daten für die geschilderte Marketingaktion von der Schober Information Group erhalten hat….Als Daten wurden uns Anrede, Postadresse und Telefonnummer übermittelt…”(folgt Adresse etc. von Schober zur direkten Kontaktaufnahme)…”Wir werden Ihre, von der Schober Information Group übermittelten Daten, bei uns löschen lassen.”
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21.7.2009 von Wolfgang.
Wer der Bild-Zeitung ein Interview gibt, muss immer damit rechnen, verkürzt oder teils auch sinnentstellend zitiert zu werden. Diese Erkenntnis ist jetzt auch zum Karlsruher Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring durchgedrungen. Der hatte Bild (nach eigenen Angaben laut einem SWR-1-Interview) erklärt, die Staatsanwalt tendiere dazu, Anklage gegen Jörg Tauss zu erheben. Der Bundestagsabgeordnete steht bekanntlich unter Kinderpornografie-Verdacht. Bild habe, so Rehring, seine Erklärung aber nicht korrekt wiedergegeben, sondern als Faktum dargestellt, dass Anklage erhoben werde.
Die Retourkutschen gegen Rehring kamen prompt: Von Tauss’ Anwalt Jan Mönikes (”Vorverurteilung!”) und Generalstaatsanwältin Christine Hügel (”voreilige Äußerung”, “Kunstfehler”). Was der Oberstaatsanwalt im Bild-Interview tatsächlich gesagt hat, spielt dabei offenbar keine Rolle, auch nicht für einige Medien, die die ursprüngliche Bild-Berichterstattung 1:1 übernahmen. Interessanterweise bietet Bild.de aber inzwischen eine etwas differenziertere Darstellung der Lage als die Printausgabe.
Fazit: Wenn bestimmte Medien Interviews wollen, sollte man entweder strikt ablehnen oder wenigstens zur Beweissicherung ein Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen. Inzwischen ist Rehring offenbar ein gebranntes Kind und verweigert weitere Stellungnahmen.
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9.7.2009 von Wolfgang.
Die Story von Dave Carrolls gebrochenem Taylor-Gitarrenhals zieht immer weitere Kreise. Inzwischen ist sein Song “United breaks guitars” über den rüden Umgang der United Airlines mit Musikinstrumenten und den anschließenden Beschwerden der Kundschaft quasi über Nacht zum YouTube-Hit geworden. Bis dato gab’s über 500.000 Zugriffe auf das Video, selbst die “alte Tante dpa” hat heute die Geschichte entdeckt und alle Mainstream-Medien der USA nahmen natürlich auch schon Notiz (von USA Today bis CNN).
Das alles könnte bei United Airlines das große Entsetzen auslösen wegen eines vermeintlichen PR-Supergaus. Muss es aber nicht, denn erstens hat der 41jährige Musiker jetzt laut Los Angeles Times großzügig auf den Ersatz der 1.200 Dollar-Reparaturrechnung verzichtet, weil ihm die Umstände zum ersten großen Ruhm in 16 Jahren Musikkarriere verholfen haben, und zweitens will die Fluggesellschaft Carrolls No-Budget-Musikvideo künftig bei der Schulung ihrer Mitarbeiter einsetzen.
Apropos Schulung: Dave Carroll rät allen Nachahmern, Beschwerde-Songs nie als aggressiv-düstere Werke anzulegen, sondern leicht und locker mit Dreiklang-Akkorden, am besten in der Tonart D und mit 120 bis 125 Beats pro Minute.
Update 10.7.: Inzwischen sind die Zugriffszahlen des Videos bei YouTube auf über 1,2 Millionen geklettert.
Update 14.7.: Jetzt sind’s über 2,6 Millionen und es gibt auch einen neuen persönlichen Kommentar von Dave Carroll:
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8.7.2009 von Wolfgang.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich als Kunde über mangelnden Service zu beschweren: Laut, aufbrausend, schüchtern, subversiv - Erfolg versprechend sind sie alle nicht, am ehesten bekommt erfahrungsgemäß noch der laute Kunde Recht (vor allem, wenn er damit droht, die erlittene Unbill öffentlich zu machen).
Kreativer ging da die kanadische Country-Band Sons of Maxwell mit Sänger und Songschreiber Dave Carroll vor, nachdem das Bodenpersonal der US-Fluggesellschaft United Airlines offenbar eine 3.500 US-Dollar teure akustische Taylor-Gitarre äußerst unsanft behandelt hatte und anschließend keinerlei Schadenersatz leisten wollte: Carroll schrieb aus Frust drei Songs über United und hat diese Woche den ersten als Video veröffentlicht:
Dieser musikalisch verpackte Beschwerdebrief wurde nicht nur bis heute über 130.000mal abgerufen, sondern führte auch sofort zu einer Reaktion von United Airlines: Unternehmenssprecherin Robin Urbanski erklärte der Los Angeles Times, man werde sich heute (Mittwoch) mit Dave Carroll in Verbindung setzen, um über den bereits im Frühjahr 2008 entstandenen Schaden an der Gitarre zu reden. Außerdem finde sie das Video ganz toll.
Und wo wir schon bei der schönen Seite dieser Geschichte sind: Die kreative Aktion hat der Band sehr viel Spaß gemacht, sie bedankt sich ausdrücklich bei United für den unbeabsichtigten Anstoß dazu und versichert, dass bei der Produktion des Videos keine Taylor-Gitarren zu Schaden gekommen seien.
P.S.: Offenbar verursachte die Story einen derart riesigen Andrang auf Dave Carrolls Webseite, dass der Server dort zeitweise den Zugriff verweigert. Außerdem wachsen die Zugriffszahlen auf das youtube-Video minütlich um Tausenderbeträge, so dass die oben genannte Zahl beim Schreiben schon veraltet war.
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7.7.2009 von Wolfgang.
…nicht zu sorgen, er könnte nämlich ein “Schädling” sein; vielleicht nicht grade so einer wie dieser:

Der Maiszünsler - ein echter Schädling (Quelle: Wikimedia Commons)
Heute gehört von einer Versicherungs-Mitarbeiterin bei meinem Versuch, über die Kunden-Hotline einen Schaden bei der Hausratversicherung zu melden: “Moment mal, ich versuche, Sie mit jemanden von der Schadensabteilung zu verbinden.” - Längere Pause, dann: “Tut mir leid, ich kriege grade keinen von unseren Schädlingen, probieren Sie’s nachher mal über die Schadens-Hotline.” Meine Rückfrage nach kurzer Schreckenspause: “Wie, Sie nennen Ihre Kollegen von der Schadensabteilung Schädlinge?” “Stimmt, so heißen die bei uns”. Hat bei mir einen Riesen-Lachanfall ausgelöst und wurde mir übrigens kurz danach auch von einer der Schädlings-Damen bestätigt.
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