Bob Hoskins: Sein Name ist Hase? (Update)

Bob HoskinsSchlimm genug für einen altgedienten und beinahe schon legendären Schauspieler wie Bob Hoskins (Bild: James Lawrence Stewart@Wikimedia Commons, Lizenz CC-by 2.0), wenn er wegen einer tückischen und leider nicht heilbaren Krankheit seinen Beruf aufgeben muss. Noch unangenehmer wird’s aber, wenn eine via „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) flächendeckend verbreitete Nachricht darüber diesem Mimen im Nachhinein noch eine Rolle andichtet, die er beim besten Willen nicht hätte spielen können.

Das sieht dann etwa so aus:

Focus-Hoskins
(Focus.de)

… und anderswo genauso:

Stuttgarter Hoskins
(Stuttgarter Nachrichten)

… sowie ziemlich identisch in zahlreichen Online-Portalen (gestern, Quelle: Internet) und gedruckten Publikationen (heute, da fiel’s mir erst auf, Quelle: Zeitungskiosk) des deutschen Verlagswesens – teils auch als redaktionell bearbeiteter Mix mit Meldungen anderer Agenturen.

Falls Sie jetzt den Fehler nicht gleich entdeckt haben, grämen Sie sich nicht. Unzähligen Redakteuren ging es offenbar genau so – wenn überhaupt mal jemand die dpa-Meldung vor der Veröffentlichung redigiert haben sollte und sie nicht ohnehin standardisiert und automatisiert durch die Redaktionssysteme rutschte.

Tatsache ist: Bob Hoskins spielte zwar 1988 tatsächlich mit in der US-Produktion „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ unter der Regie von Robert Zemeckis, aber eben nicht die Titelrolle, sondern die menschliche Hauptrolle des Privatdetektivs Eddie Valiant, der 1947 eine Verschwörung in der Cartoon-Filmindustrie des (fiktiven) Los Angeles aufdeckt.

Die Titelrolle des Hasen „Roger Rabbit“ ist dagegen – wie viele andere Protagonisten des Films – ein gezeichneter „Toon“, der nachträglich in den Realfilm montiert wurde – eine damals aufsehenerregende, stimmig umgesetzte Technik, die noch völlig ohne Computeranimationen auskam.

Hoskins musste seine Szenen deshalb häufig ohne Filmpartner spielen, weil es sie eben teils in Wirklichkeit nicht gab – eine wirklich beeindruckende künstlerische Leistung, die ihm 1989 immerhin eine „Golden Globe“-Nominierung einbrachte und die sicher nicht dadurch ausreichend gewürdigt wird, indem man ihn nachträglich zum Cartoon-Hasen umdeklariert.

Update 15.45 Uhr: Nach Auskunft der dpa-Unternehmenskommunikation wurden heute Nachmittag – nach meinen entsprechenden Hinweis – eine korrigierte sowie eine neu formulierte Meldung gesendet. In diesen ist nur noch von „einer Hauptrolle“ die Rede bzw. davon, dass Hoskin es in dem „Roger Rabbit“-Film „mit einem animierten Hasen zu tun“ bekommen habe. Die Agentur bat um Entschuldigung für den Fehler.

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