48 Watt Grundlast zu verscherbeln

Seltsame Dinge sammeln sich an, wenn man mit viel Zeit und Aufwand private Praxis-Grundlagenforschung in Sachen “dimmbare LED-Lampen” betreibt. So liegen bei mir jetzt acht Grundlast-Widerstände à 6 Watt bzw. 8,2 kOhm herum, die ich versuchsweise parallel zu einem 220-Volt-Dimmer-Stromkreis geschaltet hatte, um eine flackerfreie Beleuchtung zu erhalten.
Merten Grundlast
Verkauft werden die Dinger im Handel als Sets mit jeweils vier Widerständen für rund 22,70 Euro plus Versandkosten. Wer mir zuerst eine Mail schickt, kriegt beide Sets (also acht Widerstände) für insgesamt 20 Euro plus Versand.

In meinem Anwendungsfall hat sich nämlich herausgestellt, dass ich diese Grundlast nicht mehr brauche. Stattdessen habe ich in meinem 14-Lampen-Stromkreis den vorhandenen Phasenanschnittdimmer mit rund 40 Watt Mindestlast auf gut Glück durch einen Phasenabschnittdimmer mit Mindestnennwert 20 Watt ersetzt. Damit war erfreulicherweise schon ein recht ordentliches und weitgehend flackerfreies Dimmen möglich; allerdings leuchteten die LEDs auf niedrigster Stufe noch etwas zu hell. Das versuchsweise parallele Anklemmen der in Serie geschalteten 66-kOhm-Grundlast-Armada verbesserte das erstaunlicherweise nicht.

Das beste Ergebnis erzielte ich dagegen mit dem schon vorher mal ausprobierten Trick, eine der 14 dimmbaren LED-Lampen durch einen herkömmlichen 35-Watt-Halogenstrahler zu ersetzen. Damit ist nun endlich ein absolut flackerfreies Dimmen zwischen “strahlend hell” und “Funzel” möglich.

Gedimmte LED-Strahler
Zwei dimmbare GU10-LED-Strahler im Zwillings-Downlight auf dunkelster Stufe.

Der zusätzliche Stromverbrauch durch den Halogenstrahler ist zu verschmerzen, da die Lampen ohnehin selten auf hellster Stufe laufen und die Energiebilanz gegenüber den früher verwendeten 50-Watt-Halos (bei Volllast) immer noch so aussieht:

13×4+35 = 87 Watt gegen 14×50 = 700 Watt

Die fast 88 Prozent Einsparung gelten natürlich auch bei kleineren Dimmerstufen und wären noch größer, wenn ich statt des Halo-Strahlers die Grundlast-Widerstände hätte verwenden können. Deren Ohmsche Last führt nämlich nicht zu nennenswertem Mehrverbrauch; sie werden im Gegensatz zum Strahler auch nur handwarm (leuchten tun sie natürlich auch nicht, logo).

Vielleicht haben Sie ja einen Dimmer-Stromkreis mit weniger Lampen als ich, bei denen Sie wirklich alle Stromfresser durch dimmbare LEDs ersetzen wollen, ohne sich mit ihrem alten Dimmer Flackerprobleme einzuhandeln. Dann wären die Grundlast-Widerstände wohl genau das Richtige für Sie – vorausgesetzt, Sie können diese jeweils rund neun Zentimeter langen Dinger irgendwo verstecken.

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Wie man die Breitseite der Atomkraft-Lobby kontert

“Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft” ist eine doppelseitige Anzeige betitelt, die diese Woche in diversen Medien erscheint – verantwortet von einem Verein (in Gründung) namens “Energiezukunft für Deutschland“. Zu den Unterzeichnern des Appells für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland gehören die üblichen Verdächtigen wie die Chefs der Energie-Oligopole EnBW, E.On, Vattenfall, RWE und CDU-Politiker wie Dr. Michael Fuchs, aber auch branchenfremde Prominente wie DFB-Manager Oliver Bierhoff und Metro-Chef Dr. Eckhard Cordes.

Vorschau Anzeige Energiezukunft
Anzeigen-Ausriss (für größere Darstellung auf’s Bild klicken)

Schön, dass man nun genau sieht, wer außer den ohnehin bekannten Protagonisten noch so alles zu den energiepolitischen Dinosauriern und Atomkraft-Hasardeuren zählt. Denn es sind natürlich viele der Mächtigen im Land, die in elitären Kreisen auskungeln, wie sie ihren Gewinn ohne Rücksicht auf das Staatswesen mehren können, sie sind aber nicht unantastbar. Schließlich sind Atomkraftgegner auch Konsumenten und können ein klein wenig Gegendruck ausüben.

Nehmen wir zum Beispiel den Metro-Konzern. Zu dem gehören der Cash & Carry-Großhandel, die Elektronikfachmarkt-Ketten Media Markt und Saturn sowie die Real-Warenhäuser. Vor allem Letztere fallen mir häufig dadurch auf, dass sie massenhaft veraltete Stromfresser verramschen wie etwa Plasma-Flachbild-Fernsehgeräte. Mit jedem verkauften Exemplar wird die Zukunft der deutschen Atomindustrie weiter gesichert. Das ist höchst effektive “Real-Politik”: Wer braucht denn so was Dubioses wie erneuerbare Energie, so lange sie bei Weitem noch nicht in der Lage ist, unseren immensen Stromverbrauch kostengünstig und umfassend zu decken? Das können halt nur Atomkraft und Kohle, suggeriert der Appell:

Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zu Lasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land

Ähnlicher Meinung scheint auch der Unterzeichner Kasper Rorsted zu sein, Vorstandsvorsitzender des Henkel-Konzerns. Zu ihm gehören Marken wie Persil, Weißer Riese, Perwoll, Spee, Dixan, Vernel, Somat, Sidolin, Bref, dato, Schauma, Taft, Gliss Kur, Diadermine, Seborin, Pritt, Ponal, Pattex,Teroson und Loctite. Kann man alles kaufen, muss man aber nicht. Schließlich darf doch erlaubt sein, durch selektives Kaufverhalten zumindest symbolisch etwas ökologisches Bewusstsein zu zeigen. Weitere Ansatzpunkte aus zahlreichen Branchen lassen sich in der langen Liste der Unterstützer finden.

Vielleicht fragen Sie ja auch mal als Einkäufer oder Verbraucher Ihre Stamm-Lieferanten und -Geschäfte, wie die dazu stehen, und passen Ihr Einkaufsverhalten entsprechend an. Das Böse ist schließlich nicht überall zuhause; es gibt sogar durchaus Industrievertreter, denen der Appell des Vereins i. G. überhaupt nicht behagt. Selbst aus CDU-Kreisen ist angesichts der Unterschrift des Unions-Fraktionsvizes Fuchs vereinzelt Kritik zu hören.

Und selbstverständlich können Sie selbst durch konsequentes Energiesparen und die intelligente Auswahl Ihres Stromversorgers die Geschäftsgrundlage der Atomkraft-Lobby etwas ausdünnen. Ich bin zum Beispiel seit einiger Zeit zufriedener Kunde der Elektrizitätswerke Schönau.

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