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11.12.2009 von Wolfgang Messer.
2010 könnte ein entscheidendes Jahr für die Zukunft von Zeitschriften und Zeitungen sein. Mal abgesehen von allen anderen Entwicklungen, die schon bisher eine große Rolle gespielt haben, kommt bald wohl auch noch das Apple Tablet in’s Spiel. Und was man damit zum Beispiel für eine Sportzeitschrift anstellen kann, das demonstriert hier schon mal The Wonderfactory:
Ein sehr beeindruckendes Demo, das meiner Meinung nach auch einen Hinweis auf die Medienzukunft in Deutschland geben kann; nicht nur für Zeitschriften. Natürlich würde eine solche technische Verbreitungsmöglichkeit auch die Tageszeitungsverlage betreffen; nicht unbedingt von Anfang an die täglichen Ausgaben, aber durchaus die wöchentlich erscheinenden Zusatzprodukte (Sonntagsausgaben oder im Verlag erscheinende Anzeigenblätter).
Hier besticht vor allem die Möglichkeit für Werbekunden, ihr Angebot mit Videos vorzustellen (wundervoll für Konzertveranstalter, Disco-Betreiber, Autohändler etc. - eben für alles, was bewegt und mit Ton besser darstellbar ist als mit einem statischen, stummen Bild). Das stellt allerdings völlig neue Herausforderungen an die Content-Produktion, sowohl redaktionell als auch kommerziell, und kann nicht ohne zusätzliche Investitionen gestemmt werden. In regionalen Fachkreisen (so zwischen Karlsruhe und Konstanz) ist es kein Geheimnis, dass ich schon vor einigen Monaten dazu diverse Ansätze ins Spiel gebracht habe, die allerdings damals noch verbreitet auf Skepsis gestoßen sind. Mal sehen, ob sich das nun ändert.
Die Zielrichtung liegt natürlich ganz klar bei jüngeren Nutzern, denen als digital natives Papier als unnötiger und veralteter Träger erscheint. Ältere werden sich mit so einem Tablet eher nicht anfreunden, aber das spielt langfristig keine Rolle bei einem schleichenden und teilweise parallelen Übergang von Print auf Online. Jetzt muss angesichts der verbreiteten “Kostenlos-Mentalität” im Internet nur noch ein akzeptables Bezahlsystem für die neue Verbreitung gefunden werden (entfällt natürlich bei kostenlosen Supplements, die allein durch Werbung finanziert werden). Aber auch dafür hatte ich ja vor einiger Zeit schon eine Idee aufgezeigt.
Geschrieben in Technik, Internet, Medien, Journalismus | Drucken | 1 Kommentar »
9.12.2009 von Wolfgang Messer.
Seit über 21 Jahren turne ich nun - neben diversen anderen Tätigkeiten - auf verschiedenen Radio-Antennen herum, anfangs beim Stadtradio Freiburg, danach bei SWF3 (sehr kurz), Radio Luxemburg (zur Schulung), Radio Merkur (Rastatt), Radio (7) Victoria (Baden-Baden), RPR1 (Ludwigshafen), Radio Regenbogen (Mannheim) und die letzten gut acht Jahre bei SWR1 in Baden-Baden (den Schnauzbart auf dem Bild gibt’s inzwischen nicht mehr). Zum Jahresende läuft dort nun mein Vertrag als “fester Freier” aus und wird nicht verlängert; meine letzte Sendung ist in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember.
Nein, ich habe keine silbernen Löffel geklaut oder meine Arbeit schlecht erledigt. Der offizielle Grund ist, dass der SWR für mich keine Zukunftsperspektive bis zum Renteneintritt sieht (zum Hintergrund siehe hier). Das muss man leider so akzeptieren, ist aber auf lange Sicht kein Anlass für Mitleid und Traurigkeit. Acht Jahre lang Sendungen spätabends und (vor allem) nachts, sekundengenaues Arbeiten als “selbstfahrender” Moderator und blitzschnelles Reagieren auf aktuelle Ereignisse gehen nicht spurlos an Körper, Geist und Privatleben vorüber, das habe ich zwischendurch auf die harte Tour erfahren. Mit zunehmendem Alter wird außerdem das Ankämpfen gegen den natürlichen Biorhythmus nicht leichter, das sollte man nicht unbedingt bis 66 durchziehen.
Der Personalabbau wird weiter gehen in den Sendern und Redaktionen, auf die verbliebenen Mitarbeiter kommen immer neue Aufgaben und Herausforderungen zu und damit steigt die individuelle Belastung mittelfristig an die Grenze des Machbaren und teils auch darüber hinaus. Mein Neid auf die “Zurückbleibenden” hält sich also im Rahmen. Stattdessen werde ich erst mal eine längere Auszeit nehmen, eine neue Wohnung zusammenbasteln (tue ich nebenher schon seit einigen Monaten), die Batterien aufladen und dann schauen, was sonst so geht und was mir Spaß machen könnte für den nächsten Lebensabschnitt.
In der Rückschau waren das - beruflich und finanziell gesehen - acht meist exzellente Jahre, in denen ich als “Die Nacht”- und “Kopfhörer”-Moderator und teils auch als Redakteur trotz vermeintlicher Formatradio-Zwänge sehr weitgehende Freiheiten hatte, von denen Kollegen auf anderen Sendestrecken oder gar bei anderen Sendern nur träumen können. Fehlen werden mir außer einigen Kolleginnen und Kollegen vor allem auch einige treue Hörer, die mir immer wieder per Mail, in ihren Blogs, in Foren oder durch Anrufe aus allen Teilen der Welt das Gefühl vermittelt haben, hier etwas Sinnvolles zu tun.
Mit der Zeit habe ich vielleicht auch einen Teil meiner anerzogenen Dipfeleschisserei abgebaut (für Nicht-Baden-Württemberger steht die Erklärung hier), obwohl gute Vorbereitung (auf Neudeutsch: Show-Prep) und ein wenig Pedanterie nicht schaden können, wenn man in jeder Stunde ein ordentliches Backtiming hinbekommen oder für eine 5-Stunden-Sendung teils 20 verschiedener Themen Herr werden will, ohne zwischendurch Unsinn zu erzählen. Da bin ich vom eigenen Anspruch her immer noch meilenweit entfernt von locker-flockigen DJs, denen so ziemlich wurscht ist, wie irgendwelche Minister heißen, auf welchem Tabellenplatz grade der VfB Stuttgart steht oder ob für den letzten Musiktitel der Stunde nur noch eine Minute Zeit ist.
Für mich ist eine ideale Sendung immer “durchkomponiert”; also eine abwechslungsreiche und in sich stimmige Mischung, die dem Langzeithörer (den’s in der Nacht weitaus häufiger gibt als tagsüber) einen gewissen Flow vermittelt, der sich auch vom Moderator überträgt. Da traf es sich gut, dass SWR1 auch die passende Musikmischung für meine Altersgruppe bietet - inclusive vieler Songs, mit denen ich musikalisch aufgewachsen bin in den 1970ern und 80ern. So musste ich mich auch selten “verbiegen”, um das Programm mit Pride and Passion zu präsentieren - ein Luxus heutzutage.
Im Übrigen gibt’s natürlich tausende Dinge, die wichtiger sind als die Dienstleistung “Radio” - das sollte man als Moderator nie vergessen. Wir drücken zwar an unseren Mischpulten manchmal rote Knöpfe, aber keiner davon zündet eine Atombombe oder ist sonst irgendwie lebenswichtig.
Geschrieben in Radio, Medien, Privates | Drucken | 10 Kommentare »