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22.9.2009 von Wolfgang.
Ich bin ja nun schon seit vielen Jahren in dem Alter, in dem man vom 1. Stock in den Keller läuft und, unten angekommen, schon wieder vergessen hat, weshalb man eigentlich da ‘runter wollte. Wie schön, wenn man dann entdeckt, dass solche leichten Amnesien auch die geistige Elite des Landes erwischen können. Im aktuellen Spiegel (Nr.39/2009) wird im Inhaltsverzeichnis auf Seite 9 unter Wissenschaft/Technik unter anderem ein Artikel zu “Schwere Hirnschäden durch Alzheimer-Medikament” auf Seite 125 angekündigt - passt ja schon mal weitgehend zum Thema.
Überraschenderweise ist auf Seite 125 dann aber ein kurzes Interview mit einem Klinikdirektor über die bedrohlichen Nebenwirkungen von Tysabri zu lesen; einem schon seit Jahren umstrittenen Medikament gegen Multiple Sklerose (hier die längere Version bei spiegel.de), das definitiv nicht gegen die Alzheimer-Krankheit hilft.
Der Weg vom 1. Stock in den Keller ist offenbar das Äquivalent einer Blätter-Strecke von 116 Seiten in einem Spiegel-Heft - da kann schon mal was verloren gehen.
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18.9.2009 von Wolfgang.
Wer noch einen Grund oder eine Entscheidungshilfe für die Teilnahme an der Bundestagswahl am 27. September braucht, der sollte sich mal die Mühe machen, die Wahlprüfsteine von Wikimedia Deutschland e. V. zu lesen. Auf Anfrage des Vereins haben alle im Bundestag vertretenen Parteien einen Fragenkatalog zu Themen wie Open Source, digitales Leistungsschutzrecht, Wikipedia und Internet-Seitensperrungen beantwortet; eine ziemlich lange, nicht ganz einfache, aber lohnende Lektüre.

Ein Prüfstein für Edelmetalle, taugt nicht zur Prüfung von edlen Zielen
(Quelle: WeFt auf Wikimedia Commons)
Wer zu faul ist zum Lesen, hier mal die für mich wichtigsten Erkenntnisse: Die FDP scheint am weitesten entfernt zu sein von den in den Fragen implizierten Forderungen von Wikimedia und behauptet sogar wahrheitswidrig, dass Wikipedia unter anderem durch Werbeeinnahmen finanziert werde (Zitat: “Einerseits stellen die Autoren hier ihre Beiträge freiwillig und kostenlos ein, andererseits finanziert sich das System mit seinen eigenen Prüfungssystemen über Zuwendungen und Werbeeinnahmen selbst…”).
Etwas näher am Open-Source-Gedanken liegen Union und SPD, sehr nahe bei Wikimedia sind Bündnis 90/DieGrünen und fast deckungsgleich die Piratenpartei. Vor allem bei letzterer sind allerdings durchaus provokante Ansätze zu finden wie: “Langfristig gesehen muss geistiges Eigentum abgeschafft werden, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern…” Da mag jeder für sich selbst entscheiden, ob hier über das Ziel hinausgeschossen wird.
Sicher ist jedenfalls, dass Wikimedia (bzw. Wikipedia und deren Autoren und Nutzer) von den Parteien ernst genug genommen wird, um sich wirklich mit den Fragen zu beschäftigen und sie auch so konkret zu beantworten, wie es in keiner TV-Debatte zu erwarten wäre (wobei man auch hin und wieder mal den Geist zwischen den Zeilen lesen sollte). Stoff genug also für echte Wahlentscheidungshilfen; und auch wenn nur einer von vielen Themenbereichen der Politik beleuchtet wird: Es ist ein wichtiger Bereich, der uns noch lange und intensiv beschäftigen wird und wahrscheinlich drastischere Auswirkungen hat, als es sich sich viele bisher vorstellen können.
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11.9.2009 von Wolfgang.
Die Gretchenfrage für Medienunternehmen kocht grade wieder hoch: Wie refinanziere ich den Kapitaleinsatz für mein Internet-Angebot? Einfache Antwort an alle, die nur Trash anbieten: Vielleicht durch Werbung, keinesfalls aber durch zahlende Nutzer. Keine einfache Antwort gibt’s dagegen für Anbieter mit wirklich werthaltigem Inhalt. Denn selbst wenn jemand bereit wäre, für einen fundierten Hintergrundbericht oder das exklusive Video-Interview mit der Lieblingsband (nur mal als Beispiel) ein paar Cent auf den Tisch zu legen, könnte er es in den meisten Fällen nicht tun, denn es fehlt derzeit noch ein einfaches und reibungslos funktionierendes Zahlungssystem.

Fehlt noch im Internet: Die Registrierkasse. (Quelle: Wikimedia Commons)
“Warum Kassieren online so schwierig ist” fragt Spiegel online wohl auch ein wenig in eigener Sache, denn dort kosten einige Inhalte Geld, sind aber offenbar für den Verlag nicht auskömmlich genug. Das liegt zum Einen an der “Kostenlos-Mentalität” der Internetnutzer, zum Anderen aber auch an den Hürden für Zahlungswillige. Bei vielen Angeboten braucht’s eine Kreditkarte (in Deutschland nicht gerade das beliebteste Zahlungsmittel) oder PayPal (am ehesten noch bei eBay-Nutzern verbreitet, kostet den Zahlungsempfänger sehr hohe Provision); beides ist für das Bezahlen von Kleinbeträgen etwa unter 5 Euro ziemlich unsinnig.
Eigentlich gibt es meiner Meinung nach zur Zeit nur ein Micro-Payment-Modell, das wirklich gut funktioniert: Die iTunes-Plattform von Apple, die zwar die Einrichtung eines Accounts erfordert, aber auch ohne Kreditkarte genutzt werden kann. Man kann sich nämlich - zum Beispiel in Elektronik-Fachmärkten - Guthaben-Kärtchen mit verschiedenen Beträgen kaufen, die in iTunes bei jedem Song-, Album- oder Film-Download häppchenweise eingelöst werden. Erinnert doch stark an die altbekannte Telefonkarte, ist deshalb aber keine schlechte Idee.
Wie wär’s denn mit einem bundesweiten Guthabenkarten-System, das nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt ist, sondern allen angeschlossenen Medienunternehmen zugute kommt? Die Kärtchen könnten etwa am Kiosk, in Schreibwarenläden, Postagenturen, an der Discounterkasse oder sonstwo zu kaufen sein, wo man sowieso regelmäßig auftaucht und mit dem einzig vertrauten Zahlungsmittel umgeht (Bargeld, was sonst).
Eine zentrale Registrierungsstelle (die am Besten nichts mit Google und seinem in den USA geplanten Bezahlsystem zu tun hat) ordnet dann die einzelnen Abbuchungsvorgänge den Anbietern zu, überweist am Monatsende die aufgelaufenen Micro-Payments und nimmt dafür hoffentlich nicht zu hohe Provisionen. Das ist jetzt natürlich nur technischer und logistischer Grobschnitt, in Wirklichkeit weitaus komplizierter, aber sicher beherrschbar.
Für den Benutzer wäre ein solches System dagegen recht einfach. Ich behaupte mal, dass das schlichte Eintippen einer auf der Karte stehenden Codenummer keine allzu hohe Hürde für den Nutzer ist. Macht er sicher gerne; natürlich nur, wenn er dafür einen anständigen Gegenwert bekommt und das ist wieder ein ganz anderes Riesen-Thema…
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9.9.2009 von Wolfgang.
Schon längere Zeit müssen sich Tageszeitungen mit herben Verlusten herumschlagen, vor allem im Anzeigengeschäft: Stellenmarkt, Auto-, Kontakt-, und Immobilienanzeigen (privat und gewerblich) wanderten großflächig auf diverse, spezialisierte Internet-Plattformen ab, eBay schöpft weitere Verkaufsanzeigen aller Art ab und verdient daran Provisionsanteile. Und jetzt geht’s offenbar der letzten Bastion an den Kragen, die den Verlagen bisher noch ein paar Euro in die Kassen spülte: Den regionalen und lokalen Kleinanzeigen, denn seit heute ist die aus kijiji entstandene Plattform kleinanzeigen.ebay.de online.
Hier hält sich eBay komplett aus den einzelnen Geschäften heraus; die Anzeigen sind gratis, die Nutzer nehmen untereinander Kontakt auf und eBay will die Plattform anfangs ausschließlich durch Werbung finanzieren. Natürlich erwartet niemand, dass das von Anfang an ein umfassendes Mega-Geschäftsmodell ist. Bisher gibt’s auch noch die eine oder andere Kinderkrankheit und Sprachschlamperei (von wegen: ”die neusten Anzeigen” statt ”neuesten”), die Anzeigen kommen vorrangig aus Großstädten und Ballungsräumen und nur zu einem geringen Teil aus der Lokalzeitungsdomäne “Provinz”, Kontaktanzeigen und Ferienwohnungen werden (noch?) auf kijiji verlinkt, aber das Modell hat schon seinen Charme.
So können zahlreiche Fotos und beliebig viel Text eingestellt werden, die Kontaktanzeigen dürfen erheblich drastischer formuliert werden, als es Lokal- und Regionalzeitungen je zulassen können, es dürfen auch Dienstleistungen angeboten werden, es sind Suchmöglichkeiten über Rubriken und Regionen (mit wählbaren Entfernungen) möglich und die Kontaktaufnahme ist denkbar einfach (keine umständliche Chiffre-Prozedur wie häufig im Printbereich). Gebühren für künftig buchbare Zusatzfunktionen werden erst nach der Startphase in Erwägung gezogen, wenn die Benutzer also schon “angefixt” sind.
Das könnte ziemlich schnell recht gut funktionieren, weil mit eBay nun eine Marke dahinter steckt, die für entsprechende Publizität und Verbreitung des Angebotes sorgt. Wenn Verlage also bisher über kijiji.de (jetzt hauptsächlich nur noch eine Adressumleitung) wegen Bedeutungsarmut nur gelächelt haben, dann dürften die Mundwinkel bald deutlich nach unten gehen.
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4.9.2009 von Wolfgang.
Wer als Zeitungsredakteur oder Anzeigenverkäufer nicht sowieso schon schlechte Laune hat, der kann sie sich problemlos im Netz holen, wo immer mehr provokante Beiträge darüber zu finden sind, warum diese Berufsbilder eigentlich schon mausetot sind.
So berichtet der Deutschland-Korrespondent Kurt W. Zimmermann von der Schweizer Weltwoche über seinen - offenbar erfolgreichen - Versuch, komplett auf die Zeitung zu verzichten. Seine Schlussfolgerung: Eine der bösen Überraschungen der jüngeren Mediengeschichte war für die Zeitungsbranche die Erkenntnis, dass Zeitungen tatsächlich keinen handfesten Nutzen haben … Für die Zeitungsmacher hat das einschneidende Konsequenzen. Journalisten können sich nicht mehr darauf verlassen, dass Zeitungslesen – wie früher – quasi eine Pflichtaufgabe ist. Es gibt im Produktmanagement keinen Unterschied mehr zwischen der Zeitungsindustrie und der Uhren-, Schokolade- und Modeindustrie. Man muss die Kunden jeden Tag von der Attraktivität der Nutzlosigkeit überzeugen. Die Swatch Group, Lindt & Sprüngli und Prada sind erfolgreich, weil sie ganz genau wissen, dass sie etwas Unnützes produzieren. Auf den Redaktionen müssen sie das noch lernen.
Schon diese Polemik muss einem konventionellen Blattmacher einen Stich ins Herz versetzen; die kanadische Medienmanagerin Judy Sims holt aber in ihrem Simsblog gleich das ganz große Operationsbesteck ‘raus: Die 10 größten Lügen, die sich Zeitungsmanager selbst erzählen überschreibt sie ihre “Hitliste”, in der sie mit dem verbalen Skalpell jeden offensichtlichen Versuch des Selbstbetrugs seziert. So seien Printanzeigen-Verkäufer definitiv nicht in der Lage, auch Online-Werbung zu akquirieren, Nachrichten-Sammelmaschinen wie Google News seien nicht die Totengräber des Zeitungsgeschäfts, die Demokratie werde auch ohne Zeitungen weiter bestehen und sie räumt mit dem Irrglauben auf, dass Verlagsangestellte mit den besten und kreativsten Köpfen der digitalen Welt konkurrieren könnten, ohne selbst zuvor integraler Bestandteil der Online-Community zu werden.
Werde jemand Anderes oder stirb - so könnte man Judy Sims’ Empfehlung kurz zusammenfassen. Ich befürchte allerdings, dass “Blattmacher” sich davon auch weiterhin nicht vom Selbstbetrug abhalten lassen, wenn sie denn überhaupt solche Beiträge lesen und verstehen.
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1.9.2009 von Wolfgang.
Wenn man diversen Agentur- und Runkfunkmeldungen glauben darf, wird es ab heute ziemlich duster in Europa, weil bestimmte Glühlampen nicht mehr verkauft werden dürften. Ich weiß nicht, woher dieser Irrglaube stammt, in Wirklichkeit gibt es nämlich kein seit 1. September 2009 geltendes Verkaufsverbot für diese Stromfresser.

Die “gute alte” Glühlampe (Quelle: Wikimedia Commons)
Tatsächlich sind ab heute nur die Herstellung und der Import von bestimmten Glühlampen (im Volksmund “Birnen” genannt) in der EU verboten. Das betrifft alle herkömmlichen Modelle mit 100 Watt und mehr (Energieeffizienzklasse schlechter als C) sowie alle matten Exemplare (Energieeffizienzklasse schlechter als A), unabhängig von der Wattzahl. Immerhin hat es Associated Press geschafft, diesen nicht ganz einfachen Sachverhalt ziemlich korrekt darzustellen.
Das hindert aber sicher viele Medien nicht daran, heute wieder jede Menge Unsinn zu verzapfen, der ebenso unsinnige Hamsterkäufe von verwirrten, weil falsch informierten Bürgern auslöst. Experten gehen übrigens davon aus, dass sich der Handel derart ausgiebig mit den bösen “Birnen” eingedeckt hat, dass sie noch monatelang verkauft werden könnten. Völlig legal natürlich.
P.S. vom 5.9.: Meine Vorhersage ist leider eingetroffen; auch wenn die eine oder andere mir namentlich bekannte Tageszeitung sich kurz darauf wieder selbst korrigierte, nachdem der Handel auf die Falschmeldung hingewiesen hatte.
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