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September 2009
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Archive für September 2009

Kleiner Gedächtnisverlust beim Spiegel

Ich bin ja nun schon seit vielen Jahren in dem Alter, in dem man vom 1. Stock in den Keller läuft und, unten angekommen, schon wieder vergessen hat, weshalb man eigentlich da ‘runter wollte. Wie schön, wenn man dann entdeckt, dass solche leichten Amnesien auch die geistige Elite des Landes erwischen können. Im aktuellen Spiegel (Nr.39/2009) wird im Inhaltsverzeichnis auf Seite 9 unter Wissenschaft/Technik unter anderem ein Artikel zu “Schwere Hirnschäden durch Alzheimer-Medikament” auf Seite 125 angekündigt - passt ja schon mal weitgehend zum Thema.

Überraschenderweise ist auf Seite 125 dann aber ein kurzes Interview mit einem Klinikdirektor über die bedrohlichen Nebenwirkungen von Tysabri zu lesen; einem schon seit Jahren umstrittenen Medikament gegen Multiple Sklerose (hier die längere Version bei spiegel.de), das definitiv nicht gegen die Alzheimer-Krankheit hilft.

Der Weg vom 1. Stock in den Keller ist offenbar das Äquivalent einer Blätter-Strecke von 116 Seiten in einem Spiegel-Heft - da kann schon mal was verloren gehen.

Kleine Wahlhilfe von Wikimedia

Wer noch einen Grund oder eine Entscheidungshilfe für die Teilnahme an der Bundestagswahl am 27. September braucht, der sollte sich mal die Mühe machen, die Wahlprüfsteine von Wikimedia Deutschland e. V. zu lesen. Auf Anfrage des Vereins haben alle im Bundestag vertretenen Parteien einen Fragenkatalog zu Themen wie Open Source, digitales Leistungsschutzrecht, Wikipedia und Internet-Seitensperrungen beantwortet; eine ziemlich lange, nicht ganz einfache, aber lohnende Lektüre.

Lyditstein
Ein Prüfstein für Edelmetalle, taugt nicht zur Prüfung von edlen Zielen
(Quelle: WeFt auf Wikimedia Commons)

Wer zu faul ist zum Lesen, hier mal die für mich wichtigsten Erkenntnisse: Die FDP scheint am weitesten entfernt zu sein von den in den Fragen implizierten Forderungen von Wikimedia und behauptet sogar wahrheitswidrig, dass Wikipedia unter anderem durch Werbeeinnahmen finanziert werde (Zitat: “Einerseits stellen die Autoren hier ihre Beiträge freiwillig und kostenlos ein, andererseits finanziert sich das System mit seinen eigenen Prüfungssystemen über Zuwendungen und Werbeeinnahmen selbst…”).

Etwas näher am Open-Source-Gedanken liegen Union und SPD, sehr nahe bei Wikimedia sind Bündnis 90/DieGrünen und fast deckungsgleich die Piratenpartei. Vor allem bei letzterer sind allerdings durchaus provokante Ansätze zu finden wie: “Langfristig gesehen muss geistiges Eigentum abgeschafft werden, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern…” Da mag jeder für sich selbst entscheiden, ob hier über das Ziel hinausgeschossen wird.

Sicher ist jedenfalls, dass Wikimedia (bzw. Wikipedia und deren Autoren und Nutzer) von den Parteien ernst genug genommen wird, um sich wirklich mit den Fragen zu beschäftigen und sie auch so konkret zu beantworten, wie es in keiner TV-Debatte zu erwarten wäre (wobei man auch hin und wieder mal den Geist zwischen den Zeilen lesen sollte). Stoff genug also für echte Wahlentscheidungshilfen; und auch wenn nur einer von vielen Themenbereichen der Politik beleuchtet wird: Es ist ein wichtiger Bereich, der uns noch lange und intensiv beschäftigen wird und wahrscheinlich drastischere Auswirkungen hat, als es sich sich viele bisher vorstellen können.