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11.9.2009 von Wolfgang Messer.
Die Gretchenfrage für Medienunternehmen kocht grade wieder hoch: Wie refinanziere ich den Kapitaleinsatz für mein Internet-Angebot? Einfache Antwort an alle, die nur Trash anbieten: Vielleicht durch Werbung, keinesfalls aber durch zahlende Nutzer. Keine einfache Antwort gibt’s dagegen für Anbieter mit wirklich werthaltigem Inhalt. Denn selbst wenn jemand bereit wäre, für einen fundierten Hintergrundbericht oder das exklusive Video-Interview mit der Lieblingsband (nur mal als Beispiel) ein paar Cent auf den Tisch zu legen, könnte er es in den meisten Fällen nicht tun, denn es fehlt derzeit noch ein einfaches und reibungslos funktionierendes Zahlungssystem.

Fehlt noch im Internet: Die Registrierkasse. (Quelle: Wikimedia Commons)
“Warum Kassieren online so schwierig ist” fragt Spiegel online wohl auch ein wenig in eigener Sache, denn dort kosten einige Inhalte Geld, sind aber offenbar für den Verlag nicht auskömmlich genug. Das liegt zum Einen an der “Kostenlos-Mentalität” der Internetnutzer, zum Anderen aber auch an den Hürden für Zahlungswillige. Bei vielen Angeboten braucht’s eine Kreditkarte (in Deutschland nicht gerade das beliebteste Zahlungsmittel) oder PayPal (am ehesten noch bei eBay-Nutzern verbreitet, kostet den Zahlungsempfänger sehr hohe Provision); beides ist für das Bezahlen von Kleinbeträgen etwa unter 5 Euro ziemlich unsinnig.
Eigentlich gibt es meiner Meinung nach zur Zeit nur ein Micro-Payment-Modell, das wirklich gut funktioniert: Die iTunes-Plattform von Apple, die zwar die Einrichtung eines Accounts erfordert, aber auch ohne Kreditkarte genutzt werden kann. Man kann sich nämlich - zum Beispiel in Elektronik-Fachmärkten - Guthaben-Kärtchen mit verschiedenen Beträgen kaufen, die in iTunes bei jedem Song-, Album- oder Film-Download häppchenweise eingelöst werden. Erinnert doch stark an die altbekannte Telefonkarte, ist deshalb aber keine schlechte Idee.
Wie wär’s denn mit einem bundesweiten Guthabenkarten-System, das nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt ist, sondern allen angeschlossenen Medienunternehmen zugute kommt? Die Kärtchen könnten etwa am Kiosk, in Schreibwarenläden, Postagenturen, an der Discounterkasse oder sonstwo zu kaufen sein, wo man sowieso regelmäßig auftaucht und mit dem einzig vertrauten Zahlungsmittel umgeht (Bargeld, was sonst).
Eine zentrale Registrierungsstelle (die am Besten nichts mit Google und seinem in den USA geplanten Bezahlsystem zu tun hat) ordnet dann die einzelnen Abbuchungsvorgänge den Anbietern zu, überweist am Monatsende die aufgelaufenen Micro-Payments und nimmt dafür hoffentlich nicht zu hohe Provisionen. Das ist jetzt natürlich nur technischer und logistischer Grobschnitt, in Wirklichkeit weitaus komplizierter, aber sicher beherrschbar.
Für den Benutzer wäre ein solches System dagegen recht einfach. Ich behaupte mal, dass das schlichte Eintippen einer auf der Karte stehenden Codenummer keine allzu hohe Hürde für den Nutzer ist. Macht er sicher gerne; natürlich nur, wenn er dafür einen anständigen Gegenwert bekommt und das ist wieder ein ganz anderes Riesen-Thema…
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9.9.2009 von Wolfgang Messer.
Schon längere Zeit müssen sich Tageszeitungen mit herben Verlusten herumschlagen, vor allem im Anzeigengeschäft: Stellenmarkt, Auto-, Kontakt-, und Immobilienanzeigen (privat und gewerblich) wanderten großflächig auf diverse, spezialisierte Internet-Plattformen ab, eBay schöpft weitere Verkaufsanzeigen aller Art ab und verdient daran Provisionsanteile. Und jetzt geht’s offenbar der letzten Bastion an den Kragen, die den Verlagen bisher noch ein paar Euro in die Kassen spülte: Den regionalen und lokalen Kleinanzeigen, denn seit heute ist die aus kijiji entstandene Plattform kleinanzeigen.ebay.de online.
Hier hält sich eBay komplett aus den einzelnen Geschäften heraus; die Anzeigen sind gratis, die Nutzer nehmen untereinander Kontakt auf und eBay will die Plattform anfangs ausschließlich durch Werbung finanzieren. Natürlich erwartet niemand, dass das von Anfang an ein umfassendes Mega-Geschäftsmodell ist. Bisher gibt’s auch noch die eine oder andere Kinderkrankheit und Sprachschlamperei (von wegen: ”die neusten Anzeigen” statt ”neuesten”), die Anzeigen kommen vorrangig aus Großstädten und Ballungsräumen und nur zu einem geringen Teil aus der Lokalzeitungsdomäne “Provinz”, Kontaktanzeigen und Ferienwohnungen werden (noch?) auf kijiji verlinkt, aber das Modell hat schon seinen Charme.
So können zahlreiche Fotos und beliebig viel Text eingestellt werden, die Kontaktanzeigen dürfen erheblich drastischer formuliert werden, als es Lokal- und Regionalzeitungen je zulassen können, es dürfen auch Dienstleistungen angeboten werden, es sind Suchmöglichkeiten über Rubriken und Regionen (mit wählbaren Entfernungen) möglich und die Kontaktaufnahme ist denkbar einfach (keine umständliche Chiffre-Prozedur wie häufig im Printbereich). Gebühren für künftig buchbare Zusatzfunktionen werden erst nach der Startphase in Erwägung gezogen, wenn die Benutzer also schon “angefixt” sind.
Das könnte ziemlich schnell recht gut funktionieren, weil mit eBay nun eine Marke dahinter steckt, die für entsprechende Publizität und Verbreitung des Angebotes sorgt. Wenn Verlage also bisher über kijiji.de (jetzt hauptsächlich nur noch eine Adressumleitung) wegen Bedeutungsarmut nur gelächelt haben, dann dürften die Mundwinkel bald deutlich nach unten gehen.
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