Archive für August 2009

Düster, unsicher: Die Qualitätsmedien (Update)

Dass es manchmal nicht ganz einfach ist, gute Schlagzeilen über Agenturmeldungen zu texten, hatte ich ja schon mal erwähnt. Ziemlich daneben ist das aktuelle Negativbeispiel des “Qualitätsmediums” Die Welt: Da werden aus unsicheren, düsteren und miesen Rastplätzen plötzlich unsichere, düstere und miese Raststätten.

Muss man den Unterschied wirklich noch erklären? Oder kann man sich das bei einem ohnehin sterbenden Medium, das künftig für seine Internet-Schlampereien auch noch extra Kohle verlangen will, sparen?

P.S.: Inzwischen hat die Welt-Online-Redaktion den Fehler korrigiert, er war aber auch heute in einigen gedruckten Zeitungen zu finden und hält sich teils auch noch hartnäckig in diversen Online-Meldungen.

In die Irre geführt

So ein mobiles Navigationsgerät ist eigentlich eine tolle Sache, allerdings hatte ich mich (obwohl sonst eher early adopter bei technischen Geräten) lange gegen einen Kauf gesträubt. Im Dezember vergangenen Jahres war es dann aber mit der Kaufzurückhaltung vorbei; ich habe mir spontan ein Falk F6 2nd edition als Weihnachtsgeschenk an mich selbst geleistet - leider, ohne mich vorher umfassend zu informieren. Der Verkäufer im Elektronikfachmarkt in Karlsruhe versicherte mir, ich könne auch als Mac-User innerhalb von 30 Tagen nach dem Kauf kostenlos das Kartenmaterial auf den neuesten Stand bringen - das gehe problemlos mit der mitgelieferten Software-CD und über’s Internet.

Und ab hier entfernten sich Wunschroute und Realität: Die Falk-Produkte sind nämlich prinzipiell nicht MacOS-kompatibel und offenbar war auch das aufgespielte Europa-Kartenmaterial (in diesem Fall Stand 2009-1) teilweise auf dem Stand von 2003. Verschiedene Adressen sind nicht als Ziel wählbar, weil sie für das Gerät nicht existieren, etwa die der im Oktober 2003 eingeweihten ARTE-Zentrale in Straßburg (4, quai du Chanoine Winterer, F-67080 Strasbourg Cedex).

Nachdem ich mich ein paar Monate mit diesen und anderen Fehlern herumgeärgert hatte, wollte ich diesen Sommer endlich mal “Klarschiff” machen und irgendwie versuchen, das neueste Kartenmaterial und die seit April 2009 verfügbare neue FN9-Software zu kaufen. Im Internet wäre das natürlich theoretisch gegangen mit Hilfe eines PC-Besitzers aus dem Bekanntenkreis; das scheiterte aber daran, dass Falk eine Zahlung nur über Kreditkarte (habe ich aus verschiedenen, wohlüberlegten Gründen nicht) oder ein mir unbekanntes Handy-Zahlungssystem namens Impass akzeptiert.

Eine Mail-Nachfrage bei der Presseabteilung von Falk, wie dieses Problem zu lösen sei, blieb bis heute unbeantwortet. Also schickte ich das Gerät via MediaMarkt an den Falk-Service, damit dort die entsprechende Software aufgespielt und mir anschließend bei der Abholung im Markt auch berechnet werden kann. Kurz darauf erhielt ich die Mitteilung, dass das Software-Update von FN8 auf FN9 für mich kostenlos wäre, wenn das Gerät noch innerhalb der Garantiezeit sei und ich den Kaufbeleg faxen könnte. Das Kartenmaterial könne aber nur vom Kunden direkt aktualisiert werden (also von PC-Besitzern mit Kreditkarte). Na gut, besser als nichts - also Beleg gefaxt und schon zwei Tage später war das Gerät wieder abholbereit - super, denn der MediaMarkt-Service hatte mir vorher zwei Wochen prophezeit.

Auf der “Reparaturrechnung” war nicht mal ansatzweise vermerkt, was genau getan wurde beim Falk-Service, der Betrag lautete aber auf 0,00 Euro. Und siehe da: Die Kosten entsprachen offenbar ziemlich genau der Leistung - die Software ist immer noch auf dem alten Stand und das Kartenmaterial natürlich auch:

Falk F6 2nd edition

Mein Navi nach dem “Software-Update”: Immer noch die Version 8.0

Eigentlich sollte ich mich ja nicht beklagen, denn anderen erging es (wenn man den in Internet-Foren geposteten Berichten glaubt) teils noch erheblich schlimmer. Selbst PC- und Kreditkartenbesitzer verzweifelten an der Update-Prozedur, manche Geräte versagten anschließend völlig den Dienst und wer irgendwelche Installationsprobleme hat, der darf zur Strafe noch eine Hotline für knapp 2 Euro pro Minute anrufen.

Schwer zu begreifen sind da die “Testberichte” von sogenannten “Fachzeitschriften”, die das Gerät in höchsten Tönen gelobt haben; aber das ist wohl ein ähnliches Phänomen wie bei den sattsam bekannten “Auto-Tests”.

Kleine Warnung am Rande: Wer die wichtigsten Features der neuen FN9-Software nutzen will, braucht auch mindestens das Kartenmaterial 2009-2. Wir addieren mal schnell: 19,95 Euro für das Software-Update plus 99,95 Euro für das Karten-Abo = 119,90 Euro. Dafür gibt’s mindestens auch ein gebrauchtes TomTom-Navi, das dann sogar MacOS-kompatible Software anbietet.

Ein “Witzbolt” klärt auf

Die heute beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin haben für mich vor allem einen technischen Aspekt: ARD und ZDF senden ein paar Tage lang auf Astra-Transponder 11 in HD (720p); hakelt ab und zu ein bißchen, sieht aber sonst sehr nett aus.

Sportlich gibt’s dagegen eher viele Anlässe zum Kopfschütteln, süffisant Grinsen und Dopingwitze-Reißen. Dafür bietet sich vor allem der seit Olympia in Peking von Sportjournalist Jens Weinreich genialerweise “Witzbolt” getaufte jamaikanische Sprinter Usain Bolt an. QuietLibrary bescherte uns zu dessen Fabelzeiten diese hübsche Vergackeierung:

Ein Musikpionier ist gestorben

Eine traurige Nachricht für alle Musiker kam diese Woche aus den USA: Lester William Pol(s)fuss starb mit 94 Jahren an einer Lungenentzündung. Sein Künstlername Les Paul ist untrennbar mit der von ihm entwickelten elektrisch verstärkten Solidbody-Gitarre verbunden; es wäre aber fahrlässig, sein Leben und seine Arbeit nur auf die Gibson Les Paul zu reduzieren.

Les Paul
Les Paul an dem von ihm entwickelten Instrument (Quelle: Wikimedia Commons)

Jeder Musiker, der in den letzten fünf Jahrzehnten irgend eine Studioaufnahme produzierte, hat von seiner Pionierarbeit profitiert. Schon 1947 zeichnete Les Paul mehrere Gitarrenaufnahmen “übereinander” auf Wachsplatten auf; der erste Schritt zu Mehrspur-Aufnahmegeräten, wie sie dann ab den 1950er-Jahren nach seinen Plänen von Ampex gebaut wurden. Die Technik eröffnete ihm völlig neue Möglichkeiten, seine Kreativität auszuleben und auch als Solist auf acht getrennt zu bespielenden Spuren mehrstimmige Partituren aufzunehmen.

Seltsamerweise setzte sich diese Multitrack- und Overdub-Technik aber erst Anfang der 1960er-Jahre in großem Stil durch, als zum Beispiel die Beatles mit Vierspur-Bandmaschinen experimentierten. Danach war die Entwicklung aber unaufhaltsam, die Anzahl der Spuren wuchs in schwindelerregende Größenordnungen und machte Bands wie 10cc Soundkaskaden möglich, gegen die ein Sinfonieorchester wie eine armselige Kurkapelle klang. Heutzutage ist dafür keine Bandmaschine mehr notwendig, es genügt ein Laptop und eine Audio-Software.

Viele junge Musiker wissen nicht, dass man Songs früher mal auf Magnetband aufgenommen hat. Noch weniger Musiker wissen, dass es Les Paul war, der vor über 60 Jahren die ersten Grundsteine legte für Homerecording in Kellerstudios und teils erstaunlich gute Low-Budget-Musikproduktionen für myspace, youtube und Co. Und natürlich ist die Les Paul ist auch heute noch eine tolle Gitarre.

Nass gemacht (Update)

Rhein in Flammen ist das wohl älteste und größte Feuerwerk Deutschlands und hatte auch bei seiner jüngsten Ausgabe am späten Abend des 8. August zwischen Spay und Koblenz wieder hunderttausende Zuschauer. Klar, dass da auch der Landesdienst Rheinland-Pfalz der Deutschen Presseagentur schon um 23.51 Uhr darüber berichtete. Zitat: “200.000 Zuschauer ließen sich trotz des regnerischen Wetters das Spektakel am Mittelrhein nicht entgehen”. Regnerisches Wetter?

Rhein in Flammen bei Koblenz
Rhein in Flammen bei Koblenz (Quelle:Wikimedia Commons)

Ein Blick auf das Regenradar zur fraglichen Zeit und die Meldungen der SWR-Wetterstation Koblenz zeigten nicht mal den kleinsten Regentropfen auf dem 17 Kilometer langen Abschnitt der Veranstaltung - stundenlang vom frühen Abend bis in die Nacht hinein. Die von einer Südwestrundfunk-Reporterin befragten Zuschauer äußerten sich sogar freudig überrascht darüber, dass “das Wetter gehalten” hatte - und da war nicht das Regenwetter gemeint.

Wo also hatte der dpa-Reporter das “regnerische Wetter” her? Meine nächtliche Nachfrage bei der Hamburger dpa-Zentrale brachte keine Aufklärung; der diensthabende Redakteur wusste nur, dass der Reporter tatsächlich aus Koblenz angerufen hatte. Vielleicht einigen wir uns darauf, dass es dort irgendwo feucht(-fröhlich) gewesen sein muss, nass aber auf keinen Fall.

Update: Dass das Feuerwerk in Koblenz wegen eines nicht eingeplanten Feuers deutlich magerer ausfiel als geplant, stand weder in der ersten dpa-Meldung noch in einer neuen vom Vormittag. Immerhin ist dort nicht mehr von “regnerischem Wetter” die Rede - auch schon ein Fortschritt.

Geschwindigkeit ist relativ

Forscher der Cornell-Universität in den USA haben im Juli dieses Jahres eine Studie veröffentlicht, nach der Blogs neue Nachrichten-Ereignisse im Schnitt 2,5 Stunden später vermelden als traditionelle Online-Medien. Diese Erkenntnis wollen sie während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2008 gewonnen haben, anhand der Beobachtung von rund 90 Millionen Artikeln und Blogs - offensichtlich ausschließlich aus den USA.

Meine Vermutung: An diesem Ergebnis ist Google nicht ganz unschuldig. Nach meinen Beobachtungen werden neue Blogeinträge bei der noch im Beta-Stadium angebotenen Google-Blog-Suche häufig später indiziert als die neuesten Nachrichten bei Google-News. Manchmal werden Blogs auch überhaupt nicht angezeigt, was verschiedene Ursachen haben kann. Teils liegt das an Fehlern der Blog-Webmaster bei der Seitencodierung, teils an den nicht immer durchschaubaren Regeln der Google-Indizierung und des Rankings, die im dortigen Hilfe-Forum auch immer wieder heiß diskutiert werden. Betroffen sind hier zum Beispiel Webseiten, die sowohl mit als auch ohne www. vorne erreicht werden können wie etwa fastvoice.net. Solche doppelten Adressierungen mag Google nicht und sortiert sie entweder aus oder schiebt sie im Ranking weit nach hinten.

Was aber Google nicht kennt oder kennen will, das gibt’s auch nicht im Internet. Und so fallen viele Seiten und Blogeinträge durch den Rost. Ich bin als eingefleischter Apple-User nun wirklich kein Fan von Microsoft, aber dann doch gespannt, ob sich die Quasi-Monopolstellung von Google durch die Eingliederung von Yahoo in Microsofts Suchmaschine Bing aufbrechen lässt. Bis dato hat diese Kooperation immerhin schon über 20 Prozent Marktanteil in den USA erbracht, obwohl noch keine gesonderte Blogsuche angeboten wird.

Misslungene Renovierung

Das US-Satire- und Parodiemedium The Onion hat ein hübsches Video aus einer Kongress-Sitzung auf seiner Webseite. Die nicht mehr ganz taufrische republikanische Abgeordnete Lynn Merriweather aus Kalifornien beklagt sich bitter über den für sie größten Skandal im US-Gesundheitswesen: Die Scharlatane unter den Schönheitschirurgen; und sie weiß offensichtlich, von was sie redet:

Wenn der Postmann zehnmal klingelt

Paketzusteller sind heutzutage offenbar schlecht bezahlt, teilweise pseudo-selbständig an der Armutsgrenze, und haben vermutlich im Schnitt nur vier bis fünf Sekunden Zeit zur Ablieferung einer Sendung. Die Folge: Nicht nur die Zusteller leiden, auch alle Kunden und Nicht-Kunden. Wenn nämlich in einem Zehn-Parteien-Haus eine Partei ein Paket bekommen soll, dann wird regelmäßig bei allen zehn Parteien geklingelt, damit wenigstens einer die Haustür öffnet. Das gilt natürlich auch für alle anderen Mehrfamilienhäuser. Schlecht für Abend- und Nachtarbeiter, die gerne mal ausschlafen würden und aus dem Bett geklingelt werden, selbst wenn sie gar kein Paket bekommen.

DHL-Fahrzeug
Vorsicht, Ruhestörer im Anflug! (Quelle: Wikimedia Commons)

Falls mal niemand im Haus anwesend ist oder willens oder in der Lage, dem Zusteller die Sendung abzunehmen, könnte es allerdings noch übler enden: Ich habe schon Pakete gesehen, die einfach irgendwo auf dem Grundstück abgestellt oder auf einen Balkon geworfen wurden. Die Unversehrtheit des Inhalts ist bei diesen ziemlich waidwunden Wurfgeschossen eher Glückssache. Offenbar geht einigen Zustellern das Schreiben einer Benachrichtigungskarte mit dem Angebot eines erneuten Zustellversuches wider die Ehre. Zwei Dinge wundern mich allerdings: Wieso gibt es bei den bekannten Arbeitsbedingungen doch noch Paketzusteller, die ihr Pensum freundlich und korrekt absolvieren? Und wieso gelingt es mir nie, eine leserliche Unterschrift auf den Bildschirm des Quittungscomputers zu zaubern? Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte…

Die Spare-Rib-Seuche

Buchstabendreher beim Schreiben kennt wohl jeder - und jeder hat auch seine ganz persönlichen “Lieblinge”. Ich zum Beispiel schaffe es nur selten auf Anhieb, Karslruhe - äh… Kalsruhe - äh… Kasrluhe - also irgend so eine Stadt in Baden zu schreiben. Sehr lustig finde ich auch einen Dreher, der sich in letzter Zeit häufig bei den Nachrichtenagenturen einschleicht - teilweise auch in den Headlines. Da wird aus der Schweinegrippe dann plötzlich das Schweingerippe:

Spare Rib
Leckeres Schweingerippe, auch Spare Rib genannt (Quelle: Wikimedia Commons)

Ich kann nur vermuten, woher der Dreher kommt: Von hungrigen Spätschicht-Redakteuren, die mit knurrendem Magen und letzter Kraft die Materialflut bearbeiten? Oder ist es ein Rechtschreibprogramm, das Schweinegrippe als fehlerhaft einstuft und versucht, was Sinnvolles aus dem angebotenen Wort zu basteln? Erstaunlich sind jedenfalls die fast 40.000 Google-Treffer zu Schweingerippe, einige davon mit wundervollen Schlagzeilen wie “Kölner Polizist an Schweingerippe erkrankt”, was bei mir spontan das Bild einer Polizei-Grillparty mit verdorbenem Fleisch heraufbeschwört.

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