Der nächste Todesstoß für’s Zeitungsgeschäft?

Schon längere Zeit müssen sich Tageszeitungen mit herben Verlusten herumschlagen, vor allem im Anzeigengeschäft: Stellenmarkt, Auto-, Kontakt-, und Immobilienanzeigen (privat und gewerblich) wanderten großflächig auf diverse, spezialisierte Internet-Plattformen ab, eBay schöpft weitere Verkaufsanzeigen aller Art ab und verdient daran Provisionsanteile. Und jetzt geht’s offenbar der letzten Bastion an den Kragen, die den Verlagen bisher noch ein paar Euro in die Kassen spülte: Den regionalen und lokalen Kleinanzeigen, denn seit heute ist die aus kijiji entstandene Plattform kleinanzeigen.ebay.de online.

Hier hält sich eBay komplett aus den einzelnen Geschäften heraus; die Anzeigen sind gratis, die Nutzer nehmen untereinander Kontakt auf und eBay will die Plattform anfangs ausschließlich durch Werbung finanzieren. Natürlich erwartet niemand, dass das von Anfang an ein umfassendes Mega-Geschäftsmodell ist. Bisher gibt’s auch noch die eine oder andere Kinderkrankheit und Sprachschlamperei (von wegen: “die neusten Anzeigen“ statt “neuesten“), die Anzeigen kommen vorrangig aus Großstädten und Ballungsräumen und nur zu einem geringen Teil aus der Lokalzeitungsdomäne „Provinz“, Kontaktanzeigen und Ferienwohnungen werden (noch?) auf kijiji verlinkt, aber das Modell hat schon seinen Charme.

So können zahlreiche Fotos und beliebig viel Text eingestellt werden, die Kontaktanzeigen dürfen erheblich drastischer formuliert werden, als es Lokal- und Regionalzeitungen je zulassen können, es dürfen auch Dienstleistungen angeboten werden, es sind Suchmöglichkeiten über Rubriken und Regionen (mit wählbaren Entfernungen) möglich und die Kontaktaufnahme ist denkbar einfach (keine umständliche Chiffre-Prozedur wie häufig im Printbereich). Gebühren für künftig buchbare Zusatzfunktionen werden erst nach der Startphase in Erwägung gezogen, wenn die Benutzer also schon „angefixt“ sind.

Das könnte ziemlich schnell recht gut funktionieren, weil mit eBay nun eine Marke dahinter steckt, die für entsprechende Publizität und Verbreitung des Angebotes sorgt. Wenn Verlage also bisher über kijiji.de (jetzt hauptsächlich nur noch eine Adressumleitung) wegen Bedeutungsarmut nur gelächelt haben, dann dürften die Mundwinkel bald deutlich nach unten gehen.

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