Gibt’s den auch mit Blinker?

Das frage ich mich bei zahlreichen Automodellen im deutschen Straßenverkehr, denn offenbar werden immer weniger davon mit Fahrtrichtungsanzeigern ausgestattet. Das ist zum Teil nur lästig (wenn man zum Beispiel bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr erstmal längere Zeit dumm ‘rumsteht und vermeintlich die Vorfahrt gewährt, weil die von links kommenden Autos vor Erreichen meiner Einfahrt überraschenderweise die Abfahrt davor nehmen, dies aber nicht durch Rechtsblinken angezeigt haben), zum Teil aber auch höchst gefährlich (beim Spurwechsel, wenn ohne Linksblinken überraschend vom Straßenrand losgefahren wird oder wenn der Vordermann ohne Rechtsblinken plötzlich abbremst, um eine Parklücke zu erwischen).

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Einer der wenigen funktionierenden Fahrtrichtungsanzeiger (Quelle)

Offenbar ist diese Beobachtung nicht nur meine subjektive Sicht, sondern auch seit Jahren belegbar, wobei der Anteil der “Blinkmuffel” laut dieser ADAC-Studie ziemlich stabil zu sein scheint. Fast schon belustigend (aber genauso gefährlich) sind dabei die Zeitgenossen, die erst nach einem Spurwechsel entdecken, dass ihr Fahrzeug einen Blinker hat und diesen dann auch weitgehend sinnlos, aber beherzt einsetzen.

Über all das kann ich mich maßlos aufregen, besser wäre es aber, nach den Ursachen zu forschen. Keine Blinker-Hand mehr frei wegen Handy am Ohr? Keine Gehirnzellen mehr frei wegen Überbeanspruchung? Zu bekifft oder zu besoffen? Keine Rücksichtnahme wegen mangelnder sozialer Kompetenz? Legal-illegal-scheißegal-Mentalität (kennen wir schon von den Downloadpiraten)? Oder sind das alles Leute, denen man ohnehin nie hätte verraten sollen, dass es Autos gibt? So viele Fragen, so wenig belastbare Antworten.

Blinkmuffel geben aber immerhin ungewollt ein paar Hinweise, wenn man ihnen zufällig einige Kilometer folgen muss. Häufig handelt es sich nicht um Einzelfalltäter, sondern sie missachten regelmäßig diverse Verkehrsregeln. Neben Dauer-Nichtbenutzung des Blinkers fallen hier etwa Verstöße gegen Tempolimits und Abstandsregeln auf. Auffallend ist auch, dass zahlreiche Straftäter außerhalb ihres “angestammten” Bereiches (etwa Gewaltkriminalität) kleinere Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten oder ein dickes Punktekonto in Flensburg haben. Offenbar kumulieren sich verschiedene Formen des Fehlverhaltens gerne bei entsprechend disponierten Personen.

Unbegreiflich finde ich es allerdings, dass Polizeistreifen Blinkmuffel meist unbeachtet und unbestraft lassen oder sogar selbst gerne auf die Benutzung des Blinkers verzichten. Das könnte man als “mangelnde Vorbildfunktion” und “schleichende Disziplinlosigkeit” bezeichnen, man darf angesichts der Toten und Verletzten durch Blinkmuffel aber auch gerne drastischere Worte verwenden.
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Wer gut schmiert, der gut fährt?

In meinem früheren Leben war ich ab und zu auch mal als Teilzeit-Motorjournalist tätig und habe fallweise Autos und Motorräder für gedruckte Medien “getestet”. Dafür muss ich mich eigentlich auch im Nachhinein nicht unbedingt schämen, wohl aber für den grundsätzlichen Irrtum des jahrzehntelang praktizierten Systems, dessen Auswirkungen jetzt in voller Wucht spürbar sind. Kurz gesagt: Die hier vom ARD-Magazin “Panorama” bereits 1997 dokumentierte systemimmanente Kumpanei zwischen Industrie und Journalisten hat dafür gesorgt, dass sich alle Beteiligten erst die eigenen Taschen vollgemacht und dann in dieselben gelogen haben; immer in der Hoffnung, dass alles so nett und ertragreich bleiben möge wie bisher.

Die Hoffnung hat getrogen: Die deutsche Autoindustrie hat zum Beispiel Entwicklungen wie den Hybrid- und Elektroantrieb verschlafen (Mercedes bringt erst jetzt den ersten Hybridantrieb in einem Serienwagen auf den Markt – mit dem S 400 allerdings ausgerechnet in einem über 85.000 Euro teuren Modell der Luxusklasse; kein Volumenmodell, eher ein Alibiprodukt) und hätte auch ohne die weltweite Rezession massive Absatzprobleme. Das liegt nicht allein an der Verschnarchtheit vieler Vorstandsmitglieder, sondern auch an der Kritiklosigkeit vieler Motorjournalisten, denen der eigene Vorteil wichtiger war als die eigentliche Aufgabe ihres Berufs.

Zugegeben, die Versuchung ist groß: Da werden für Modellpräsentationen selbst “kleine” Tageszeitungsredakteure in exklusive Schlosshotels oder Traumurlaubsziele eingeladen, dort exquisit bewirtet, teilweise mit kleinen Geschenken verwöhnt, um dann von hochkarätigen Managern das neue Modell in den schönsten Farben geschildert zu bekommen und anschließend einige entspannte Runden auf meist vorgegebenen Strecken zu drehen. Die Geschenkpalette reichte dabei in der Vergangenheit von Schmuck-Pretiosen über teure Unterhaltungselektronik (vorgeblich, um etwa die Präsentations-DVD des Modells abspielen zu können) bis hin zu Gratis-Dienstleistungen, die mir ein Kollege damals als “Dame auf dem Zimmer” beschrieb. Was da bei solchen zwei- oder dreitägigen Presseterminen nun genau “getestet” werden sollte, ist mir schleierhaft, das Auto kann’s unter diesen Umständen eher nicht gewesen sein.

Okay, die echten Tests werden nicht bei Präsentationen erarbeitet. Dort entstehen eher die so genannten “Fahrberichte” (die aber von manchen Medien dann doch der Leserschaft als “Tests” verkauft werden). Für ausführlichere Begutachtungen stellt die Industrie ein Fahrzeug für etwa zwei Wochen zur Verfügung, das dann tatsächlich vor allem von Fachmedien auf Herz und Nieren geprüft und ausprobiert wird – auch unter Extrembedingungen. Letzteres entfällt allerdings bei Tageszeitungen in der Regel aus Kosten-, Kompetenz- und Kapazitätsgründen, was einige Kollegen aber nicht daran hindert, ihre mit immer knapperem Einkommen kämpfende Leserschaft mit “Tests” von Supersportwagen zu verblüffen, deren Potenzial sich eher auf der Rennstrecke als im öffentlichen Straßenverkehr erschließt.

Diese Missachtung der Zielgruppe könnten wir ja noch als eine lästige, aber weitgehend harmlose Form der “journalistischen” Masturbation abtun, die Arbeit der Fachpublikationen allerdings nicht. Eine gut organisierte Presseabteilung eines Auto- oder Motorradanbieters hat immer einen Fuhrpark von speziell vorbereiteten Testwagen, die höchst sorgfältig überprüft und gegebenenfalls nachbearbeitet sind und deren Motorleistung an der oberen Grenze der möglichen Bandbreite liegt. So kommen in den Tests Leistungs-, Verbrauchswerte und Beurteilungen zustande, die häufig im Alltag mit Fahrzeugen vom Händler nicht nachvollziehbar sind. Diese Pressefahrzeuge können übrigens nach einer gewissen Zeit und gründlicher Überholung zu sehr günstigen Konditionen von eben jenen Journalisten gekauft werden, die sie vorher über den grünen Klee gelobt haben.

Wer in den letzten Jahrzehnten seine Informationen über den Stand der Fahrzeugproduktion und -Entwicklung im Hinblick auf eine Zukunft mit immer knapperen Resourcen ausschließlich von “Motorjournalisten” bezogen hat (und das gilt nicht nur für Deutschland), für den muss eigentlich immer alles in Butter gewesen sein. Und diese rosige Sicht der Dinge hat offenbar auch die Industrie selbst geglaubt – das erinnert an die Realitätsferne des DDR-Regimes in den letzten Jahren seines Bestehens. Die Rache dafür kommt spät, aber sie ist da.

P.S.: Das neueste Beispiel solcher Jubelarien hier von Paul Zitsch auf dem unautodox-Blog. Das Übel nimmt offenbar kein Ende.

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