Archive für Juni 2010

“Schreckschuss”: 600:499

Herber Denkzettel für die bereits siegessichere Angela Merkel und die Regierungskoalition: Ihr Bundespräsidentenkandidat Christian Wulff hat im ersten Wahlgang 23 Stimmen weniger bekommen als zum Wahlsieg notwendig gewesen wären - von heute.de im Vorfeld als “Variante Schreckschuss” vorgestellt. Offenbar gab es in der Bundesversammlung 44 Abgeordnete aus dem CDU/CSU/FDP-Lager, die sich nicht für Wulff entscheiden konnten.

Daran wird sich wohl auch im zweiten Wahlgang nichts Wesentliches ändern, wo ebenfalls wieder 623 Stimmen für einen Gewinn nötig sind. Allenfalls könnte Joachim Gauck seine 499 Stimmen aus Runde eins noch vermehren, so dass die von mir bereits prognostizierte “Variante Endspiel” wahr wird: Ein Sieg zweiter Klasse für Christian Wulff im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit.

http://www.wikio.de

TV-Tipp: “betrifft: Nürburgring”

An diesem Mittwochabend ist zwischendurch mal Platz und Zeit für was Fußballfernes und sehr Empfehlenswertes im Fernsehen: Der SWR sendet in seinem “Dritten” ab 20.15 Uhr die Dokumentation “betrifft: Nürburgring“. Spätestens um 21 Uhr dürfte auch dem letzten Laien klar sein, dass der “Ring” weit mehr ist als nur eine Rennstrecke und ein Mythos - er war und ist auch Schauplatz für einen mindestens 330 Millionen Euro teuren Halbwelt-Krimi namens “Nürburgring-Affäre“, der zu einem finanziellen und politischen Debakel führte.

Nürburgring-Luftbild 2004
Der Nürburgring - wie auf diesem Luftbild liegt auch hinter den Kulissen Einiges im Halbdunkel. (Foto: Stahlkocher@WikimediasCommons)

Besonders weh tat mir diese Entwicklung in den letzten Jahren gerade auch als aktiver Motorsport-Freund; ich hatte das Vergnügen, noch vor dem monströsen Umbau zum Erlebnis- und Freizeitpark einen Tag lang auf dem Grand-Prix-Kurs herumzukurven - bei typisch wechselhaftem Eifelwetter, aber unbelästigt von der pannenträchtigen “schnellsten Achterbahn der Welt” und den zahlreichen neuen und nicht immer geschmackssicheren Gebäuden. Ich gehöre halt zu den unverbesserlichen Puristen, die eine Rennstrecke primär als Sportplatz sehen und nicht als Hallodri-Zirkus für die ganze Familie.

NSX@Nürburgring
August 2004: Der Autor dieses Blogs im Honda NSX auf dem Nürburgring-GP-Kurs. (Foto: PVW - Michael Pietsch)

Der damalige Nürburgring-GmbH-Geschäftsführer Dr. Walter Kafitz galt unter Motorsportlern bis 2009 noch als ehrenwerter, engagierter Mann, der nichts unversucht ließ, die Anlage zu vermarkten und das schon traditionelle Defizit zu minimieren. Inzwischen wurde Kafitz fristlos entlassen und soll rund 7 Millionen Euro Schadenersatz an die GmbH bezahlen. Das allein macht schon die Dimension des Debakels deutlich, ist aber nur ein kleines Puzzleteil des Skandals, in den die SPD-geführte Landesregierung ebenso verwickelt ist wie dubiose Investoren und Geschäftemacher im Halbdunkeln.

Die Finanzierung der “Erlebniswelt Nürburgring” war von Anfang an eine Luftnummer, aber alle, die den Crash hätten verhindern können, schauten weg, kassierten vielleicht sogar mit und waschen nun ihre Hände in Unschuld. Die ganze Komplexität der Ereignisse kann eine 45minütige TV-Sendung natürlich nicht beleuchten - wahrscheinlich gelingt das nicht mal den damit befassten Ermittlungsbehörden und Gerichten -, aber der Film von Christoph Würzburger gibt einen erhellenden Einblick in den unfassbaren Finanz- und Polit-Krimi rund um die “grüne Hölle”.

Gäbe es da nicht die einzigartige Nordschleife und den ebenfalls sehr unterhaltsamen Grand-Prix-Kurs, man müsste den Nürburgring in diesem Licht leider den “Ring, der nie gelungen” nennen.

http://www.wikio.de

Die Runde der letzten Vier

Kleine Erinnerung, falls es wegen des südafrikanischen Wintermärchens etwas in Vergessenheit geraten sein sollte: Es gibt in den zwei Fußball-losen Tagen zwischen Achtel- und Viertelfinale (mit teilweise ganz schlimmen Entzugserscheinungen) schon morgen ein äußerst spannendes Turnier in Berlin. Vier Kandidaten stellen sich der Wahl zum Bundespräsidenten, zwei scheiden beim Halbfinale aus und die beiden Favoriten Christian Wulff und Joachim Gauck könnten dann für ein nervenzerreißendes Finale sorgen.

Heute.de hat mal die möglichen Szenarien für diesen Mittwoch beschrieben; ich persönlich halte die “Variante Endspiel” für wahrscheinlich, wäre aber mit “der Coup” am glücklichsten. Dann nämlich würde sich die von mir bereits Anfang des Monats gestellte “Bundestrainer-Frage” aufdrängen und das Sommerloch (das wegen der Fußball-WM ohnehin schon kaum stattfindet) komplett ausfallen.

Leider ebenfalls möglich ist bei den herrschenden Mehrheitsverhältnissen die Variante “die Ordentliche“, bei der Wulff schon im ersten Wahlgang erfolgreich ist. Das würde auch zur derzeit grassierenden Bürgerverdrossenheit von Politikern passen, die sich den Staat als Beute genommen haben, denen Macht und Pfründe wichtiger sind als das Volk, das sie ordentlich regieren sollen, und dessen Wille ihnen sichtlich am Allerwertesten vorbei geht.

http://www.wikio.de

Tröten-Tutorial für Vuvuzela-Verrückte

Ergänzend zu diesem Angebot können Sie sich jetzt dem Modeinstrument dieses Sommers auch deutlich intensiver widmen: Die “Hamburger Akademie für Fernstudien” bietet ein Vuvuzela-Spezialseminar an. Besonders gefällt mir die auf der Website erklärte Finanzierung:

Studiengebühren werden am in Rand erhoben und sind spätestens am 11. Juli 2010 auf ein noch zu benennendes Konto des Verbandes Wandsbeker Katzenfreunde i.G. zu überweisen.

Einige Fragezeichen wirft allerdings die Zeitplanung des Hamburger Studiums auf:

Die Studiendauer ist verhandelbar und dauert mindestens so lange, wie sich Begeisterung und Motivation die Wage halten.

Mit diesem etwas halbherzigen Angebot werden Sie allerdings nie die Meisterschaft der neuen “Vuvuzela-Gruppe” des Konzerthausorchesters am Gendarmenmarkt in Berlin erreichen, die in diesem Zeit-Online-Video die bisher kaum bekannten hochkulturellen Dimensionen der Tröte demonstriert.

http://www.wikio.de

Der Rubel rollt beim Rudelgucken

FIFA-Funktionäre haben bekanntlich einen nicht zu unterschätzenden Finanzbedarf, den sie auch schon mal gerne mit - sagen wir mal - etwas unkonventionellen Mitteln zu decken versuchten. Dabei bieten aber auch die durch FIFA-Chef Joseph Blatter erschlossenen konventionellen Wege durchaus erkleckliche Summen; etwa durch die eigene Produktion und Vermarktung der Fernsehbilder von der Fußball-WM 2010 (die offiziell sogar FIFA WM 2010™ heißt).

Dazu gehören in diesem Jahr auch die direkt an den Weltfußballverband zu zahlenden Lizenzgebühren für das so genannte Public Viewing. Für welche Art der Veranstaltung hier Gebühren fällig werden, war im Vorfeld heftig umstritten. Klar ist laut den FIFA-Regeln, dass “nichtkommerzielle” Vorführungen gebührenfrei sind. Hier dürfen weder Eintrittsgelder und Mindestverzehr verlangt werden, noch Sponsoren herangezogen werden. Das finanzielle Risiko liegt damit allein bei den Veranstaltern, die auf gutes Wetter, das Weiterkommen der deutschen Mannschaft und damit auf großen Publikumszuspruch bauen müssen. Nach FIFA-Angaben sind von den rund 1.600 in Deutschland gemeldeten Events “die allermeisten” nichtkommerziell.

Public Viewing
Public Viewing bei der WM 2006 im Münchener Olympiapark. (Foto: René Stark@Wikimedia Commons)

Anders sieht es beim kommerziellem Public Viewing aus: Zwischen 1.000 und 14.000 US-Dollar sind dann pro Veranstaltung an die FIFA zu bezahlen - das muss erst mal erwirtschaftet werden. Wahrscheinlich waren deshalb auch viele deutsche Stadtverwaltungen sehr zurückhaltend bei der Planung. In Baden-Baden wird es zum Beispiel erst ab dem Halbfinale “Rudelgucken” auf dem Marktplatz bei der Stiftskirche geben - und auch nur, falls Jogis Jungs die Runde der letzten Vier erreichen sollten. In einem Kommentar des Badischen Tagblatts in Baden-Baden schreibt Sarah Breuer dazu:

Grund für die Entscheidung, erst spät und damit - man muss es ja trotz aller Euphorie einmal erwähnen - eventuell auch überhaupt nicht mehr in die Weltmeisterschaft einzusteigen, seien die Kosten gewesen, heißt es im Rathaus. Dabei hätten sich doch sicherlich Sponsoren gefunden.

Das zeugt leider von mangelnder Berücksichtigung des oben beschriebenen Regelsystems, denn was nutzt ein Sponsor, der zum Beispiel 2.000 Euro bezahlt, wenn im Gegenzug dann 2.000 Euro FIFA-Lizenzgebühren fällig würden? Unabhängig von verlangten Eintrittsgeldern wäre ja durch den Sponsor aus einer lizenzfreien eine gebührenpflichtige kommerzielle Veranstaltung geworden. Und diese hätte nach den FIFA-Regeln auch schon spätestens am 7. Mai angemeldet werden müssen.

Noch mehr Löcher in die Kassen reißt übrigens nicht nur die übliche Kostenbilanz solch einer öffentlichen Veranstaltung (Material, Logistik, Sicherheit, Energie etc.), sondern auch die Verwertungsgesellschaft GEMA: Sie hat zwar relativ günstige Sondertarife für Gastwirte, verlangt aber für’s sonstige Public Viewing je nach Größe und Dauer vier- bis fünfstellige Lizenzgebühren.  Zusätzliche Ausgaben dieser Größenordnung sind in Zeiten knapper Stadtkassen häufig nicht zu stemmen und dem Steuerzahler auch kaum vermittelbar.

Trösten wir uns in diesen mageren Zeiten ständig steigender Kindergartengebühren und sonstiger Kommunalabgaben doch damit, dass es nicht allen Menschen schlecht geht. Immerhin gelingt es FIFA-Boss Sepp Blatter und seiner Entourage noch, einen gewissen Mindest-Lebensstandard zu halten.

http://www.wikio.de

Rumpelkick im “Stahlbad”/Update 28.6.

Toll, dass jetzt auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika bei meiner Sommer-Aktion “Alles außer Fußball” mitmacht. Das Gerumpel gegen Serbien blieb keine Eintagsfliege, sie gelang auch gegen Ghana - und zwar so nachhaltig, dass kaum noch jemand hinsehen wollte. Selbst gestandene Sportjournalisten wie Jens Weinreich wanden sich mit Grausen ab und Unterhaltsamerem zu.

Welche Tätigkeit üben Lahm, Schweinsteiger & Co. derzeit eigentlich aus? Bundestrainer Joachim Löw konnte immerhin ein wenig zur Aufklärung beitragen:

“Für so eine junge Mannschaft ist es gut, durch so ein Stahlbad gegangen zu sein”.

Aha - das hatte also was mit Metallerzeugung zu tun…

Thyssen-Hochofen
Per Mertesacker im “Stahlbad” (Foto: Bundesarchiv@Wikimedia Commons)

Oder geht’s eher um kriegerische Auseinandersetzungen? Schon im vergangenen Jahrhundert fabulierten etwa die Militärs Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff vom “gesunden Stahlbad des Krieges für das Volk”. Und dafür spricht natürlich auch, was die britische Boulevardzeitung The Sun zum kommenden Spiel Deutschland-England schreibt:

„Macht Euch bereit für die deutsche Kriegsmaschine – der alte Feind hat das Achtelfinale gegen England gebucht“.

Wie ich schon vermutet habe: Alles außer Fußball dort unten in Südafrika.

Update 28.6.: Mit dem gestrigen 4:1 im Achtelfinale gegen England hat sich das DFB-Team nun doch eindeutig aus meiner Rubrik “Alles außer Fußball” hinausgeschossen. Einfach zu gut gewesen, die Jungs, bravo! Stattdessen nehmen jetzt Wayne Rooney und Co. ihren Platz ein.

http://www.wikio.de

ZDF verpasst “Lena”-Coup

Das wäre doch die Chance für das ZDF gewesen, sich jüngere Zuschauer zu verschaffen: Ab Herbst gibt’s 240 Folgen der neuen Telenovela “Lena - Liebe meines Lebens” und wer spielt die Hauptrolle? Da bietet sich doch eigentlich nur eine an:
Lena Meyer-Landrut
(Foto: Daniel Kruczynski@Wikimedia Commons)

Lena spielt Lena - ein Riesen-Coup! Aber nein, eine Daily-Soap-erfahrene 29jährige Blonde namens Jessica Ginkel (war mir bisher völlig unbekannt) wird die Titelrolle übernehmen - wie langweilig. Natürlich hat das Drehbuch nichts mit der “echten” Lena zu tun und stammt leider auch nicht von Lukas Heinser, dem jungen Mann, der sicher ein paar originelle Plots schreiben könnte, neben Lena ganz schön ins Schwitzen kommt und den Serientitel wahrscheinlich schon längere Zeit als privaten Traum pflegt. Wie schade…

http://www.wikio.de

Fastvoice mit Vuvuzela

Wenn Sie beim Betrachten dieses Blogs nicht auf das derzeit alltägliche Hintergrundgeräusch verzichten wollen, einfach auf das Bild klicken:

Vuvuzela
(Foto: Berndt Meyer@Wikimedia Commons)

http://www.wikio.de

Käse-Trennblätter als LED-Streuscheiben

LED-Lampen sind ja prinzipiell eine feine Erfindung und eignen sich auch prima als Downlight-Spots (auch Wallwasher genannt - nee, eher nicht, wie mir ein Experte in den Kommentaren erklärt). Manche Lampentypen haben aber den Nachteil, dass sie wegen der wenigen hellen LEDs, des engen Lichtaustrittswinkels und der relativ hohen Farbtemperatur bei direkter Strahlung von oben eine ungemütliche Blendwirkung haben. Das lässt sich bei “warmweißen” dimmbaren Spots in gewissen Grenzen reduzieren, aber manchmal nicht völlig vermeiden. Fotografen und Lichtexperten kennen hier als mögliche Lösung die Streuscheibe, die das Licht diffuser macht und auch ein wenig abdunkelt.

Solche Streuscheiben oder Diffusorlinsen sind aber nur für wenige LED-Spots zu haben, schon gar nicht als universell passendes Nachrüstteil. Dumme Sache, das. Und während ich noch verärgert über diesen Umstand nachdachte, kam mir die Lösung blitzartig beim Abendessen, als unter anderem dieses Produkt auf dem Tisch lag:
Bonbel Butterkäse
Bei diesem Bonbel-Produkt interessiert uns jetzt weniger der Käse als eher das dazwischen.

Die Butterkäse-Scheiben werden in der Packung nämlich durch “Trennblätter” (auch “Trennfolien” genannt) am Zusammenkleben gehindert. Und diese Blätter haben eine wundervolle Eigenschaft: Sie sind teiltransparent (man könnte auch sagen “milchig-weiß”). Ein kurzer Versuch am Objekt (Halten eines Trennblattes vor einen LED-Spot) bestätigte die Vermutung, dass die Bonbel-Folien den Lichteindruck der dimmbaren Lumixon-Lampen (mit 15 HighLumen SMD-LEDs) deutlich verbessern.

Der Rest war nur noch Formsache: Mit einer Lampe als Schablone die passenden Kreise aus den Trennblättern schneiden (bis zu drei sind mit einem Blatt möglich) und mit ein paar Tropfen Sekundenkleber auf den Spitzen der umlaufenden Lampen-Kühlrippen befestigen - fertig sind die LED-Spots mit Streuscheiben-Ersatz. So sieht das im stromlosen Zustand aus:
LED-Spots aus
Links der originale, rechts der modifizierte Lumixon-Spot mit Käsescheiben-Trennblatt.

Und so präsentiert sich der Unterschied bei gedimmter Stromzufuhr:
LED-Spots an
Deutlich zu sehen ist der gleichmäßigere Lichteindruck rechts; die 15 Einzel-LEDs sind nicht mehr zu erkennen. Allerdings gibt der Foto-Optik-Chip nicht den Helligkeitsunterschied wieder: In der Realität erscheint die rechte Lampe insgesamt dunkler und blendfreier; also irgendwie Halogenlampen-ähnlicher und gemütlicher.

Alles Käse, oder was? Nun, für mich ist dank des Butterkäses nun optisch alles in Butter, die Kosten-Nutzen-Relation ist unschlagbar, zumal der notwendige Verzehr der Käsescheiben kein unzumutbares Opfer darstellt, und ich muss mir auch keine Sorgen um die Entflammbarkeit dieser Trennblätter machen. Die LED-Spots erreichen nämlich auch bei Volllast bei Weitem keine feuergefährliche Temperatur, die Blätter bleiben heil und verfärben sich auch nicht.

Ganz anders sieht es dagegen bei herkömmlichem Glühobst, Halogen- oder Energiesparlampen aus: Sie alle werden deutlich zu heiß für solche Trennfolien und Sie dürfen binnen Minuten nach dem Einschalten mit einem Besuch der örtlichen Feuerwehr rechnen. Nicht empfehlenswert ist diese Operation auch bei älteren LED-Lampen, die eine höhere Hitzeentwicklung haben oder bei denen Sie die Trennblätter nur direkt auf die LEDs kleben könnten.

Und wenn Sie das Aussehen des oben rechts abgebildeten modifizierten Spots jetzt nicht so toll finden: Ja, Sie könnten das Trennblatt mit dem nötigem Geschick und dem passenden Werkzeug auch ordentlich und richtig kreisrund schneiden. Aber das haben Sie sicher besser drauf als ich.

http://www.wikio.de

LEDs, ESLs und die Last mit der Grundlast

Dass es manchmal nicht ganz einfach ist, Energiesparen und gewohnten Lichtkomfort unter einen Hut zu bringen, hatte ich ja vor ein paar Tagen schon mal erwähnt. So stellt schon das einwandfreie Dimmen von offiziell problemlos dimmbaren LED-Lampen die Geduld auf eine harte Probe und jeder Tag des Herumprobierens und Bastelns bringt einen Erkenntnisgewinn. Dies gilt vor allem, wenn man kein ausgebildeter Elektroinstallateur ist und auch so schnell keinen Experten findet, der sich wirklich auskennt mit LED-Technik und Energiesparlampen (ESL).

Offenbar teilen sich nämlich dimmbare Hochvolt-ESLs und -LEDs ein ähnliches Problem: Sie flackern häufig mit herkömmlichen Phasenanschnitt-Haushaltsdimmern, obwohl sie das laut Herstellern eigentlich nicht sollten. Da hilft auch der Umstieg auf Phasenabschnitt-Dimmer (die sonst z. B. für elektronische Transformatoren in Niedervolt-Halogensystemen verwendet werden) nichts. Zwei Problemkreise können dafür verantwortlich sein: Die Vorschaltelektronik in den Lampen verträgt sich nicht mit der Ansteuerung oder die Mindest-Grundlast des Dimmers wird nicht erreicht.

Die Behebung des ersten Problems erfordert einen erheblichen Aufwand, den ich bei meinem flackernden 14-LED-GU10-Lampen-Dimmer-Stromkreis noch gescheut habe. Das Grundlastproblem ist dagegen einfacher zu lösen: Mein Dimmer hat eine Nenn-Mindestgrundlast von 40 VA, die offenbar zu hoch ist für 14×4 Watt Maximalverbrauch der gesamten LED-Lampen. Die einfachste Lösung ist hier der Ersatz einer der 14 LED-Lampen durch eine herkömmliche 50-Watt-Halogenlampe, die die Grundlast noch oben treibt, aber leider ordentlich Strom verbraucht (fast genau so viel wie die anderen 13 Lampen zusammen) und unerwünschte Wärme erzeugt. Außerdem können so die LEDs nicht ganz heruntergedimmt werden; sie sind auch auf der niedrigsten Stufe noch relativ hell.

Weitaus eleganter geht’s mit einer ohmschen Grundlast, die nur aus Widerständen besteht, deshalb nicht leuchtet, nur wenig Strom verbraucht und auch keine verkappte Heizung darstellt. In meinem Fall habe ich vier 8,2 kOhm-Widerstände in Serie verdrahtet (also insgesamt etwas über 32 kOhm) und diese Kette wiederum parallel zum Dimmer geschaltet. Das ergibt eine Grundlasterhöhnung von rund 24 Watt, was bei vielen Anwendungen schon für weitgehend flackerfreie Beleuchtung und einwandfreies “Herunterdimmen” sorgen sollte.
Merten Grundlast
Einer der vier Merten-Grundlast-Widerstände, leider deutlich zu groß für den Unterputzeinbau am Dimmer.

Nachteil: Die Dinger sind pro Stück fast 9 Zentimeter lang und passen deshalb in keine Unterputzdose. Bei mir hat sich auch noch herausgestellt, dass das Flackern der Downlights damit zwar deutlich geringer, aber noch nicht in allen Dimmbereichen völlig verschwunden ist. Bei Tageslicht scheint es sogar sehr stabil zu sein, aber wenn’s dunkel wird, bemerkt man doch diverse Helligkeitsschwankungen; manchmal auch erst nach einigen Minuten.

Das bedeutet: “Jugend forscht” geht in die nächste Runde: Mit einem weiteren Vierer-Satz Grundlast-Widerständen (und dann insgesamt 48 Watt, damit wäre ich in jedem Fall über der 40-VA-Mindest-Grundlast des Dimmers). Mal sehen, ob’s dann wirklich klappt.

Als kleines “Kollateral-Forschungsergebnis” habe ich übrigens noch eine verblüffend einfache und billige Möglichkeit gefunden, wie Sie LED-Downlights blendfreier machen können; ganz ohne teure Streuscheiben. Sie brauchen nur eine Packung Schnittkäse, eine Schere und Sekundenkleber. Aber dazu mehr in diesem Beitrag.

http://www.wikio.de