LED-Röhre statt Leuchtstofflampe: Flackern und Brummen war gestern

by Wolfgang Messer | 20.4.2013 01:54

Sie erhellen bevorzugt Keller, Treppenhäuser, Büros, Werkstätten und Lagerhallen, brauchen häufig eine lange Anlaufzeit und arbeiten nicht immer flacker- und geräuschfrei: Leuchtstofflampen[1] in Röhrenform mit vorgeschalteten „Startern“. Inzwischen gibt’s aber bezahlbare und bessere Alternativen. Im Test: Eine LED-Röhre von „LEDoptix“ mit 10 Watt[2] und 835 Lumen Lichtstrom.

LEDOptix-T5-LED-Röhre„Neonröhren“ nennt sie der Volksmund, obwohl kein Neon drin ist. Sie machen ziemlich viel Licht mit relativ wenig Stromverbrauch, liefern aber eine teils sehr fragwürdige Farbwiedergabe, vorwiegend „kaltes“ Licht, neigen im harten Alltag zum Flackern, Surren oder Brummen, mögen keine kurz hintereinander folgenden, häufigen Schaltvorgänge und enthalten giftigen Quecksilberdampf.

Nach dem Einschalten müssen sie „gezündet“ werden, bleiben deshalb gerne anfangs ein paar Sekunden lang dunkel und erreichen Ihre volle Helligkeit manchmal erst nach Minuten. Bis dahin stolpern Sie nachts ziemlich „blind“ über die Treppenstufen. An wie vielen Beinbrüchen mögen diese Dinger wohl schuld sein?

Doch was bei Standard-Haushaltslampen flächendeckend möglich ist, gilt inzwischen auch für Leuchtstofflampen: Sie können sie durch bezahlbare LED-„Retrofits“ ersetzen[3]. Knapp 42 Euro kostet beispielsweise eine 60 Zentimeter lange „T10“-Röhre[4] mit G13-Sockel von „LEDoptix“[5], einer Handelsmarke der „Global Components GmbH“ aus dem bayerischen Oberhaching.

Es gibt sie in neun Versionen: Jeweils in matt („frosted“), „prisma“ und klar mit Farbtemperaturen[6] von 3500 („warmweiß“), 5000 („neutralweiß“) und 6500 Kelvin („kaltweiß“). Je nach Ausführung geben sie bei einer Leistungsaufnahme von 10 Watt bis zu 1050 Lumen Lichtstrom[7] ab. Der Abstrahlwinkel[8] liegt bei rund 200 (matt), 180 (prisma) bzw. 140 Grad (klar); mittels der drehbaren Endkappen können Sie die Lichtkeule in beiden Richtungen um etwa 45 Grad verstellen.

Der Farbwiedergabeindex[9] der 168 „Epistar-SMD 3528“-Chips wird mit Ra/CRI >70 angegeben; künftig soll es auch Modelle mit >80 geben. Die LED-Röhren sind nicht dimmbar, laufen direkt mit 230 Volt Wechselspannung und werden deshalb mit einem „Dummy“ geliefert, der anstelle eines normalen Zündstarters[10] in der Leuchte montiert wird. Ein konventionelles Vorschaltgerät[11] („Drossel“ oder KVG) kann drin bleiben, ein elektronisches (EVG)[12] muss ‚raus oder überbrückt werden.

Alternativ können Sie bei „LEDoptix“ auch gleich ein LED-geeignetes Leuchtengehäuse[13] ohne Drossel und Starter kaufen. Die Stromversorgung läuft dann nur über ein Ende der Lampe, was beim Einsetzen in die Fassung beachtet werden muss. Sonst bleibt’s nämlich dunkel.

Auf der „blinden“, nicht-stromführenden Seite sind die beiden Anschlüsse intern über eine rückstellende Sicherung gebrückt. Falls Sie also die Röhre doch falsch herum einsetzen, wird so ein Kurzschluss oder gar eine körperliche Gefährdung verhindert.

Für meinen Test bekam ich eine matte „neutralweiße“ Röhre[14] mit rund 835 Lumen und ca. 200 Grad Abstrahlwinkel (Bild links). Handelsübliche 10-Watt-„Neonröhren“[15] sind deutlich lichtschwächer, weil sie einen größeren Teil der Energie in Wärme umwandeln und außerdem diverse Candela[16] durch den Vollkreis-Abstrahlwinkel in der Leuchte „verloren gehen“[17] – also nicht dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Den Effizienzvorteil[18] der LED-Röhren beziffert „LEDoptix“ auf bis zu 70 Prozent.

Nach dem Einschalten benötigt die „T10“-LED-Röhre etwa eine halbe „Gedenksekunde“, leuchtet dann aber sofort mit voller Kraft. Ein Flackern oder Brummen[19] habe ich nicht festgestellt – auch nicht in unmittelbarer Nähe. Selbst nach mehreren Stunden wurde die Röhre an der heißesten Stelle[20] nicht wärmer als rund 36 Grad Celsius. Die Farbtemperaturspanne wird auf der Lampe mit 5000 bis 5500 Kelvin angegeben; angesichts des subjektiven Eindrucks sicher zutreffend.

Bessere Lichtqualität als Leuchtstoffröhren

Tatsächlich unterscheidet sich die Lichtfarbe oberflächlich kaum von der herkömmlicher Leuchtstoffröhren. Bei genauerem Hinsehen erscheinen die Farben der angestrahlten Gegenstände aber etwas kräftiger und naturgetreuer. Vor allem bei der offiziellen DIN-Prüffarbe „gesättigtes Rot“ (R9) fällt auf, dass sie durch die LED-Röhre zwar einen leichten Blaustich bekommt, aber nicht so blass wirkt wie mit einer billigen „Neonröhre“. Das spricht für ein ausgeglicheneres Lichtspektrum. Spontan hätte ich deshalb eher auf einen CRI-Wert von mindestens 75 getippt.

LEDoptix_T10_Roehre_Leuchtbild3
Das nachträglich abgedunkelte und kontrastverstärkte Leuchtbild der matten „LEDoptix“-Röhre unterstützt die Werksangabe von rund 200 Grad für den Halbwertswinkel[21]. Die Lichtfarbe im Foto entspricht wegen der Nachbearbeitung nicht ganz der Realität.

Natürlich reden wir hier in beiden Fällen nicht von der jeweiligen Spitzenklasse. Sowohl bei LED- als auch bei Leuchtstofflampen gibt es Modelle mit exzellenten Farbwiedergabeindizes von über CRI/Ra 90. Die liegen aber in ganz anderen Preisklassen als ihre günstigen Schwestern.

Apropos Finanzen: Die etwas größere Stromersparnis allein rechtfertigt meistens noch nicht den Umstieg von Leuchtstoff- auf LED-Röhren. Immerhin zahlen Sie für die neue Technologie fast das Zehnfache. Vor allem im gewerblichen Bereich mit langen Betriebszeiten zählen aber andere Vorteile; beispielsweise die vom Hersteller prognostizierte Lebensdauer von 30.000 bis 50.000 Leuchtstunden. Bei ununterbrochenem Einsatz wären das etwa dreieinhalb bis sechs Jahre.

LEDoptix-Röhre-Anschluss
Die LED-Röhre bezieht ihre Stromversorgung nur von einer Seite – mit „AC Input“ gekennzeichnet. Die Ausrichtung spielt bei konventionellen Leuchten keine Rolle, weil dort an beiden Enden Spannung anliegt. Beim Einsetzen in die Fassung einer speziellen Leuchte für T8- und T10-LED-Röhren[22] muss sie jedoch beachtet werden.

LEDoptix-LED-Startet
Der von „LEDoptix“ mitgelieferte „LED-Starter“ ist nur ein Dummy ohne Elektronik. Er überbrückt die Anschlüsse für den herkömmlichen, parallel zur Lampe geschalteten Zündstarter.

Während bei „Neonleuchten“ schon nach wenigen tausend Stunden gerne mal der Starter schlapp macht, braucht die LED-Röhre kein solches ausfallträchtiges Zusatzbauteil mehr. Der beigelegte „LED-Starter“ leitet nur die Wechselspannung durch und besitzt keinerlei Elektronik. Die Lampe selbst hält vermutlich ebenfalls viel länger als Leuchtstoffröhren.

Der Hauselektriker einer Spedition, bei der die Deckenleuchten in luftiger Höhe montiert sind, wird diese Nachricht freudig zur Kenntnis nehmen und gerne auf die häufigen, bisher unvermeidlichen akrobatischen Einlagen bei der Wartung verzichten. In die gesamte Kalkulation müssen deshalb auch die wegfallenden Kosten für Ersatzbeschaffung und -Montage einfließen.

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Solide LED-„Retrofit“-Alternative

„LEDoptix“ gewährt für sein breites Spektrum an LED-Röhren[24] inklusive der Elektronik drei Jahre Garantie. Die Umgebungstemperatur darf zwischen minus 20 und plus 50 Grad Celsius liegen – damit sollte die Spanne zwischen Kühlhaus und sonnenbeschienener Wellblech-Lagerhalle weitgehend abgedeckt sein. Angaben zur Schaltfestigkeit [25]werden beim Testprodukt leider nicht gemacht. Die Effizienz von über 83 Lumen/Watt ist für eine LED-Farbtemperatur von ca. 5000 Kelvin zwar kein Spitzenwert, geht aber angesichts der matten, lichtschluckenden Lampenhülle und der Preisklasse in Ordnung.

Mein Fazit: Wer mit wenig Watt viel „neutralweißes“ Licht über einen breiten Winkel haben will und keinen Wert auf höchste Farbtreue legt, bekommt mit dieser LED-Lampe [26]eine solide, schadstoffreie, langlebige und einfach zu montierende „Retrofit“-Alternative zur Leuchtstoffröhre[27] – vorausgesetzt, die Herstellerangabe der Lebensdauer ist nicht zu optimistisch. Noch dazu ist sie mit unter 40° Celsius Maximaltemperatur die kühlste LED-Lampe, die ich jemals getestet habe. Von meiner 0-bis-5-Skala für LED-Angebote[28] gibt’s dafür gute
drei Sterne.

(Disclaimer: „LEDoptix“[29] hat mir die Test-LED-Röhre gratis zur Verfügung gestellt – sie wird ab sofort bei uns unter Realbedingungen weiter beobachtet)

Mehr zum Thema:

Im Test: Neue preiswerte LED-Röhren von Philips[30]

Premiere bei Aldi Süd: LED-Röhren in drei Längen und Stärken[31]

Blogleser-Kritik: “LED-Röhren sind noch kein gleichwertiger Ersatz!”[32]

LED-Umrüstung: Wie viel sparen Sie wirklich?[33]

180.000 LED-Chips machen ein Parkhaus zur Sparbüchse[34]

Links/Quellen:
  1. Leuchtstofflampen: http://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtstofflampe
  2. LED-Röhre von „LEDoptix“ mit 10 Watt: http://www.ledoptix.de/led-roehre-vde-t10-60cm-neutralweiss.html?c=1264
  3. LED-„Retrofits“ ersetzen: http://www.vis.bayern.de/produktsicherheit/produktgruppen/computer_elektrowaren/lampen/led-roehren.htm
  4. 60 Zentimeter lange „T10“-Röhre: http://www.ledoptix.de/led-roehren-vde-t10-60cm
  5. „LEDoptix“: http://www.ledoptix.de/impressum
  6. Farbtemperaturen: http://fastvoice.net/2012/06/06/led-licht-der-schein-kann-trugen/
  7. Lumen Lichtstrom: http://fastvoice.net/2013/02/23/die-lumen-falle-wie-lichtstrom-werte-hinters-licht-fuhren/
  8. Abstrahlwinkel: http://fastvoice.net/2013/02/12/led-lampen-und-das-winkel-dilemma/
  9. Farbwiedergabeindex: http://fastvoice.net/2012/02/19/auf-treue-achten-auch-bei-led-lampen/
  10. Zündstarters: http://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtstofflampe#Starter
  11. konventionelles Vorschaltgerät: http://de.wikipedia.org/wiki/Vorschaltgerät#Konventionelles_Vorschaltger.C3.A4t_.28KVG.29
  12. elektronisches (EVG): http://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtstofflampe#Betrieb_mit_elektronischem_Vorschaltger.C3.A4t_.28EVG.29
  13. LED-geeignetes Leuchtengehäuse: http://www.ledoptix.de/led-roehren-leuchte-t8-t10-60cm-einflammig.html?c=1317
  14. matte „neutralweiße“ Röhre: http://www.ledoptix.de/led-roehre-vde-t10-60cm-neutralweiss.html?c=1264
  15. Handelsübliche 10-Watt-„Neonröhren“: http://www.amazon.de/Leuchtstofflampe-G13-Neutralweiß-Leistung-10W/dp/B000VNJFC0/ref=pd_cp_k_0
  16. Candela: http://fastvoice.net/2012/03/07/led-helligkeit-lumen-sagen-nur-die-halbe-wahrheit/
  17. in der Leuchte „verloren gehen“: http://fastvoice.net/2012/07/25/downlights-wie-viel-licht-bleibt-in-der-leuchte/
  18. Effizienzvorteil: http://fastvoice.net/2013/01/28/wie-effizient-ist-led-beleuchtung/
  19. Brummen: http://fastvoice.net/2013/03/05/surrende-led-lampen-der-zufall-spielt-mit/
  20. heißesten Stelle: http://fastvoice.net/2012/08/11/hier-wirds-heis-der-tc-punkt-von-led-lampen/
  21. Halbwertswinkel: http://fastvoice.net/2013/02/12/led-lampen-und-das-winkel-dilemma/
  22. speziellen Leuchte für T8- und T10-LED-Röhren: http://www.ledoptix.de/led-roehren-leuchte-t8-t10-60cm-einflammig.html?c=1317
  23. [Image]: http://www.fastvoice.de
  24. sein breites Spektrum an LED-Röhren: http://www.ledoptix.de/led-roehren
  25. Schaltfestigkeit : http://fastvoice.net/2012/08/07/keine-eu-messvorgaben-wie-schaltfest-sind-led-lampen/
  26. dieser LED-Lampe : http://www.ledoptix.de/led-roehre-vde-t10-60cm-neutralweiss.html?c=1264
  27. „Retrofit“-Alternative zur Leuchtstoffröhre: http://www.vis.bayern.de/produktsicherheit/produktgruppen/computer_elektrowaren/lampen/led-roehren.htm
  28. 0-bis-5-Skala für LED-Angebote: http://fastvoice.net/2011/12/21/die-led-sterne-skala/
  29. „LEDoptix“: http://www.ledoptix.de/
  30. Im Test: Neue preiswerte LED-Röhren von Philips: http://fastvoice.net/2014/08/25/im-test-neue-preiswerte-led-roehren-von-philips/
  31. Premiere bei Aldi Süd: LED-Röhren in drei Längen und Stärken: http://fastvoice.net/2013/09/16/premiere-bei-aldi-sud-led-rohren-in-drei-langen-und-starken/
  32. Blogleser-Kritik: “LED-Röhren sind noch kein gleichwertiger Ersatz!”: http://fastvoice.net/2014/05/09/blogleser-kritik-led-roehren-sind-noch-kein-gleichwertiger-ersatz/
  33. LED-Umrüstung: Wie viel sparen Sie wirklich?: http://fastvoice.net/2012/11/17/led-umrustung-wie-viel-sparen-sie-wirklich/
  34. 180.000 LED-Chips machen ein Parkhaus zur Sparbüchse: http://fastvoice.net/2013/06/13/180-000-led-chips-machen-ein-parkhaus-zur-sparbuchse/

Source URL: http://fastvoice.net/2013/04/20/led-rohre-statt-leuchstofflampe-flackern-und-brummen-war-gestern/