Bauhaus und Penny brauchen LED-“Lumenizer”

“Setzen Sie auf Zukunft”, “Jeder Penny für die Zukunft” – die “Bauhaus”-Kette und die “Penny”-Märkte spielen in ihren aktuellen Werbebeilagen die Nachhaltigkeits- und Umweltkarte aus und haben dabei sogar den Umstieg auf energiesparende LED-Beleuchtung im Blick. Soweit ganz prima. “Bauhaus” erleuchtet uns in seinem Prospekt (gültig bis 29. September) sogar mit ein paar Infos zu den Geheimnissen der Lichtstrom-Einheit “Lumen” (Ausschnitt unten rechts). Die Umsetzung dieser Erkenntnisse in der eigenen Werbung gelingt aber – sagen wir mal – nur mittelgut.

Bauhaus-Lumen 1Anhand einer Auswahl von Osram-Leuchtmitteln mit E27-Sockel – herkömmliche Glühlampe, Halogen-“Birne”, Kompaktleuchtstofflampe und LED-Lampe – werden auf einer Doppelseite der “Bauhaus”-Beilage die verschiedenen Lumen- und Watt-Angaben verglichen.

So erfahren wir unter anderem, dass eine 75W-Glühlampe (935 Lumen) durch eine 57 Watt starke Halogen-, eine 17W-Kompaktleuchtstoff- oder eine 14,5W-LED-Lampe ersetzt werden kann – wobei die sparsamste mit 1055 Lumen auch die hellste “Birne” ist. Das ist von “Bauhaus” alles korrekt beschrieben, denn die EG-Verordnung 244/2009 verlangt, dass LED-Lampen 14% mehr Lichtstrom als ihre Glühlampen-Äquivalente haben müssen.

Genauso wahrheitsgetreu ist die weiß auf rot verkündete Weisheit: “Die Leistung einer Lampe (gemessen in Watt) sagt nichts aus über ihre Helligkeit (gemessen in Lumen).” Ziemlich einleuchtend (mit einer kleinen Einschränkung) klingt auch der Abschnitt Nr. 3: “Ihre Vorteile durch gesetzliche Lumen-Angabe! Genaue Beurteilung der Lichtleistung verschiedener Lampen/Leuchtmittel.”

Auf der gleichen Doppelseite sehen Sie dann aber unter anderem diese Sonderangebote:

Bauhaus-Lumen 2

Während Sie links bei der nicht dimmbaren Osram “Parathom Classic A40 warm-weiß” noch die Leistungsaufnahme (8 Watt) und den Lichtstrom (470 Lumen – entspricht einer 40W-Glühlampe) lesen können, sehen Sie beim “No Name”-LED-Spot rechts … nichts davon! “Extrem niedriger Energieverbrauch”, “Lichtfarbe Warmwhite” und “GU10” müssen hier offenbar als Information genügen. 25 Zentimeter neben dem “Bauhaus”-Loblied auf die Lumen sind die großen Töne des Prospekts schon wieder verklungen. Noch nicht mal die bei LED-Strahlern und -Spots aussagekräftige Lichtstärke (in Candela) wird angegeben.

Und wissen Sie was? “Bauhaus” lässt so zwar seine Kundschaft im Dunkeln tappen, macht aber nichts Ungesetzliches. Die oben erwähnte EG-Verordnung gilt nämlich – unter anderem – nicht für Spots mit gerichtetem Licht. Deshalb gibt’s hier auch keine Produktions- und Vertriebsverbote für altertümliche Stromfresser oder genaue Vorschriften für Packungs- und Prospektangaben, wie sie inzwischen für die rundstrahlenden “Allgebrauchslampen” gelten.

Die Leistung bleibt ein Rätsel

Ich kann Ihnen zu diesem LED-Spot deshalb nur verraten, dass er bereits im Dezember 2011 ein “Bauhaus”-Sonderangebot war und damals 8,95 Euro kostete. Als Anhaltspunkt für Spekulationen vermag ich allenfalls den Preis nehmen, weil ich bisher noch kein Test-Exemplar gekauft habe (mache ich bei “No Name”-Produkten nur sehr selten). Vergleichbare, nicht dimmbare GU10-Spots gibt’s inzwischen mit bis zu 5 Watt und rund 230 Lumen, was etwa der Helligkeit eines 25-Watt-Halogenspots entsprechen kann. Der “Bauhaus”-Spot dürfte aber deutlich schwächer sein, der Abstrahlwinkel könnte dank der Streuscheiben/Linsen-Abdeckung bei rund 60 Grad liegen.

Wie das Ding aber tatsächlich leuchtet, das verraten höchstens noch eventuell vorhandene zusätzliche Angaben auf der Verpackung und vor allem die Praxis. Wer also diesen “Bauhaus”-Spot schon im Einsatz hat, bitte mal kurz in den Kommentaren unten melden und berichten – danke!

“Penny” kümmert sich nicht um Vorschriften

Penny-PhilipsDer Discounter “Penny” liefert in seiner aktuellen Wochen-Werbebeilage (Ausschnitt links, gültig ab Montag, 3. September) die ernüchternde Erkenntnis, dass auch in seiner Marketingabteilung ein “Lumenizer” fehlt. “Nur für kurze Zeit” wird hier eine der vier neuen Philips-“Low Budget”-LED-Lampen angeboten, die’s schon seit Mai bei Edeka und inzwischen auch sonst flächendeckend online und offline zum Einheitspreis von 9,99 Euro gibt. So ein richtiges “Sonderangebot” ist das also nicht.

Zwar wird freimütig verraten, dass die E27-“Birne” 6 Watt Leistungsaufnahme hat und mit ihrem “warm-weißen” Licht eine herkömmliche 32W-Glühlampe ersetzen kann. Hier endet aber das Mitteilungsbedürfnis von “Penny”: Über “Lumen” lesen sie nichts, obwohl es für diese Art von Leuchtmitteln vorgeschrieben ist; hier und auch auf der “Penny”-Webseite gibt es keine der Angaben, die laut EG-Verordnung dort stehen müssten: Lichtstrom, Farbtemperatur in Kelvin, Farbwiedergabeindex, Nennlebensdauer und elektrischer Leistungsfaktor. Das könnte meines Erachtens sogar abmahnungswürdig sein.

Kleiner Lichtblick: Es geht in diesem Fall ja nicht um eine Wald- und Wiesenlampe, sondern um eines der Philips-Produkte, zu denen Sie auf der Webseite der Niederländer umfangreiche Datenblätter finden oder bei mir im Blog sogar einen kleinen Test. Im Einsatz sah die LED-Lampe bei mir etwa so aus (mit kurzer Belichtungszeit fotografiert):

Philips E27 Leuchtbild

Nochmal die wichtigsten Daten: 350 Lumen Lichtstrom, Farbtemperatur 2700 Kelvin, Farbwiedergabeindex mindestens 80 CRI und damit im Mittelfeld vergleichbarer Konkurrenzprodukte (100 wären das maximal Erreichbare). Der Abstrahlwinkel ist nicht angegeben, liegt aber deutlich über 200 Grad. Es gibt jedenfalls keinen Grund für “Penny”, sich für diese Werte zu schämen und sie deshalb nicht zu veröffentlichen.

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2 Gedanken zu „Bauhaus und Penny brauchen LED-“Lumenizer”

  1. Vielleicht meint “Nur für kurze Zeit” ja auch “Nur für kurze Zeit in unserem Sortiment (weil wir nur 10 Paletten gekauft haben und erstmal gucken wollen, ob unsere Kunden den Kram überhaupt kaufen)”. 😉

Kommentare sind geschlossen.