LED-Lampen: Toom kann auch teuer

Wer hübsch verpackten Müll verkauft, macht zwar anfangs vielleicht ordentlich Umsatz, langfristig wird er aber massiv Kunden verlieren. Diese Binsenweisheit hat sich vor allem im Geschäft mit LED-Beleuchtung noch nicht flächendeckend durchgesetzt, scheint aber allmählich wenigstens punktuell anerkannt zu werden. Ein Leser dieses Blogs hat gerade erst ausführlich seine guten und schlechten Erfahrungen dazu beschrieben (siehe vor allem Kommentar #6). Zufälligerweise wurde er jetzt – nach einigen Fehlversuchen zur Modernisierung seiner Wohnzimmerbeleuchtung – überzeugter Käufer von LED-Spots einer Philips-Baureihe, die seit heute (und noch bis zum 26. November) von der Baumarktkette „toom“ beworben wird:

toom-philips-klein
Ausschnitt aus dem aktuellen „toom“-Prospekt; für größere Darstellung anklicken.

Die recht hochwertige „My Vision“-Serie der Niederländer bietet verschiedene Fassungsversionen und Leistungsstufen an – auch als GU5.3-Niedervolttyp. Die Lampen sind allerdings im Gegensatz zu denen der noch teureren „My Ambiance“-Serie nicht dimmbar. Erstaunlicherweise findet sich diese Information auch im „toom“-Prospekt, genau wie einige andere Daten, die sonst bei Discounter- und Baumarkt-Werbebeilagen gerne „vergessen“ werden: Bei allen drei Lampen finden Sie die Leistungsaufnahme in Watt, einen Hinweis zur Farbtemperatur („warmweiß“), den Helligkeitsvergleich mit einer herkömmlichen „Glühbirne“ bzw. einem Halogen-Spot und den Lichtstrom in Lumen … halt, doch nicht!

Beim Spot links (GU10/4W) gibt’s seltsamerweise bei „toom“ keinen Lumenwert – den finden Sie nur auf der Philips-Website bzw. in den dort herunterladbaren Datenblättern: 165 lm. Damit ist erstens schon mal klar, dass diese Lampe nicht – wie behauptet – einen 35-Watt-Halogen-Spot ersetzen kann. Der schafft nämlich zwischen 350 und 400 Lumen – also mehr als das Doppelte. Zweitens erkennt der Fachmann, dass die Effizienz des Philips-LED-Spots mit nur rund 40 Lumen pro Watt sehr schwach ausfällt. Nicht viel besser sieht’s damit übrigens auch bei den anderen „My Vision“-Lampen aus; die sind aber im „toom“-Prospekt auch ziemlich korrekt als Äquivalent einer herkömmlichen 25- bzw. 15-Watt-„Glühbirne“ eingeordnet.

Ist das nun alles überteuerter Mist, was da „toom“ und Philips anbieten? Nein, im Gegenteil. Schon die Werte der Farbtemperatur (2700 Kelvin) und des Farbwiedergabeindex (>80) auf der Philips-Website verraten, dass bei der Entwicklung der Lampen sehr stark auf einen angenehm „warmen“, Glüh- oder Halogenlampen-ähnlichen Lichteindruck geachtet wurde – zu Lasten der Helligkeit bzw. Effizienz. Beides lässt sich derzeit leider noch nicht so richtig unter einen Hut bringen.

Meine Tests mit der technisch verwandten neuesten Philips-Ledino-Baureihe und die oben verlinkten Erfahrungen des Blog-Lesers mit „My Vision“-Spots bestätigen den Erfolg der Philips-Zielrichtung, LED-Leuchten anzubieten, mit denen sich selbst ausgemachte „Glühbirnen“-Fans sehr gut anfreunden können. Billig-Anbietern gelingt das meistens nicht, weil eine sehr gute LED-Lichtqualität wegen der hohen Entwicklungs- und Teilekosten auch mit überdurchschnittlich hohen Preisen bezahlt werden muss.

Daran kommt auch „toom“ nicht vorbei: Die aktuellen „Sonderangebote“ sind eigentlich keine, sondern im Wesentlichen auf dem Niveau der „normalen“ Preise im offiziellen Philips-Online-Shop. Das kennen wir schon von anderen hochwertigen Markenprodukten – Apple-Computer zum Beispiel gibt’s im „Media-Markt“ auch nur selten billiger als bei Apple selbst.

Bisher hatte ich bei LED-Angeboten von „toom“ häufig jede Menge zu mosern. Heute kann ich auf einer imaginären Skala von null bis fünf Sternen immerhin satte vier vergeben (ein Stern Abzug wegen des fehlenden Lumen-Wertes und des irreführenden Vergleichs mit einem „35W Reflektor“ bei einer der Lampen).