Sie befinden sich aktuell in den Fastvoice-Blog Blog-Archiven für den folgenden Tag 10.8.2010.
10.8.2010 von Wolfgang Messer.
Vergessen Sie Roland Koch, Horst Köhler, Ole von Beust und alle anderen, das hier ist wohl der Abgang des Jahres: JetBlue-Flugbegleiter Steven Slater (38) war es jetzt nach 20 Dienstjahren offenbar leid, sich ständig mit aufsässigen Flugpassagieren herumzuärgern.
Als in New York sein üblicher Hinweis nach der Landung, dass die Damen und Herren bitte bis zum Stillstand der Maschine angeschnallt zu bleiben hätten, mal wieder mit Missachtung gestraft wurde und sogar in einer Auseinandersetzung mit einer renitenten Reisenden gipfelte, gingen Slater die Gäule durch. Er beschimpfte per Borddurchsage die Passagiere, schnappte sich ein kühles Bier aus der Pantry, löste die Notrutsche aus, sauste nach unten, rannte zu seinem Wagen und fuhr nach Hause.
Dort fand ihn die Polizei kurz darauf und nahm ihn fest. Nach unbestätigten Berichten soll Slater gelächelt haben, was auch daran liegen könnte, dass er gerade mit seinem Freund im Bett lag. Dieser rasante Abgang wird ihn seinen Job kosten und möglicherweise auch eine Haftstrafe einbringen, aber auch viele Sympathisanten und neue Freunde. Auf seiner Facebook-Seite (Update: Nein, es ist nicht seine Facebook-Seite, sondern eine Fan-Page) wurde die Reisende, die ihm eine Gepäckklappe auf’s Haupt schlug und ihn übel beschimpfte, anfangs so gegrüßt:
To the passenger who called me a m—f–er, f— you
Geschrieben in Justiz, Kurioses, Internet | Drucken | Keine Kommentare »
10.8.2010 von Wolfgang Messer.
Bald ist wieder September und wie schon im vergangenen Jahr häufen sich die Falschmeldungen über “Glühbirnen”-Verbote - das wird uns auch in schöner Regelmäßigkeit noch ein paar Jahre lang beschäftigen, weil für “elektrische Leuchtkörper” (EU-Bürokraten-Deutsch) jeweils im September neue Stufen der EG-Verordnung 244/2009 in Kraft treten. Um schon mal mit den größten Irrtümern aufzuräumen: Ab 1. September ist der Verkauf von Glühlampen über 60 Watt Leistung in der Europäischen Union nicht verboten und es dürfen sogar noch weitaus stromhungrigere “Birnen” hergestellt, vertrieben und verkauft werden, solche zum Beispiel:

105-Watt-Wolfram-Halogenlampe der Energieeffizienzklasse C, noch mindestens vier Jahre lang regulär im EU-Handel. (Foto: Wikimedia Commons)
Selbst die herkömmliche “Glühbirne” (übrigens heute vor 129 Jahren der große Star bei der ersten Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris) darf auch in Stärken über 60 Watt noch nach dem 1. September 2010 verkauft werden, verboten sind allein Herstellung und Handelsvertrieb in der EU. Wenn Ihr Baumarkt also noch genug Lagerware hat, können Sie sich problemlos auch noch im Oktober mit antiquiertem “Glühobst” versorgen, ohne dass der Verkäufer in Dunkelhaft kommt.
Ob eine Lichtquelle jetzt und künftig legal vertrieben werden darf, ist auch nicht unbedingt vom technischen Prinzip abhängig, sondern vom Lichtstrom (gemessen in Lumen), dem Verwendungszweck, dem Abstrahlwinkel, der Leistungsaufnahme, der Spannungsversorgung und hauptsächlich von der Einstufung in “Energieeffizienzklassen“. Die kennen Sie auch von Kühlschränken, Waschmaschinen, Trocknern etc. - dort sind sie auf Klebeetiketten gedruckt.
Die schlechteste Klasse bei Leuchtmitteln heißt F, die beste zur Zeit A. Künftig wären wie bei den Haushaltsgeräten auch noch die “Premium”-Klassen A+ und A++ möglich. Herkömmliche Glühlampen liegen in den Klassen D, E und F. Lampen mit mattiertem Glas mussten aber schon seit September 2009 die Klasse A haben, das war also das vorzeitige Aus für die mattierte Glühlampe. Lampen mit klarem Glas müssen diese Mindestanforderungen erfüllen:
Zwischendurch, im Jahr 2014, sollen die bis dahin gewonnenen Erfahrungen und neue technische Trends ausgewertet werden, um die bestehenden Regelungen eventuell zu verändern. Möglicherweise wird man dann auch noch einige Ausnahmeregelungen auf den Prüfstand stellen. So sind Speziallampen, etwa in Kühlschränken, Backöfen oder der Medizin, von den Verboten nicht betroffen; ebenso Lampen besonders kleiner und großer Leistung (Lichtstrom unter 60 und über 12000 Lumen) sowie Lampen, die weniger als 60 Volt Spannung benötigen. Ebenfalls nicht enthalten - mangels ausreichender Alternativen - sind Reflektorlampen, die einen gebündelten Lichtstrahl abgeben.
Das alles ist schon ziemlich kompliziert, deshalb von zahlreichen Medien kaum korrekt zu vermitteln, aber noch nicht mal die halbe Wahrheit. Zur genannten EG-Verordnung gehören nämlich noch umfangreiche Regelungen für die Betriebseigenschaften der Lampen und die Produktinformationen auf Verpackungen und in Katalogen. Und weil wir bisher noch nicht von Leuchtstoff- und Hochdruckentladungslampen geredet haben: Für die gilt außerdem eine andere EG-Verordnung, deren Lektüre ebenfalls die Birne rauchen lässt.
Wer sich solche Verordnungsriemen sparen will, kann aber einfach seinen Haushalt Schritt für Schritt auf wirklich energieeffiziente Beleuchtung umstellen. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass ich mich dabei nicht mit eher fragwürdigen Leuchtstoff-”Energiesparlampen” aufhalte, sondern komplett auf LED-Technik setze, die sich in rasantem Tempo weiterentwickelt und schon weitgehend der Energieeffizienzklasse A oder besser zuzuordnen ist (obwohl LED-Lampen bisher noch nicht offiziell klassifiziert sind). Kleines Zitat aus der oben erwähnten EG-Verordnung 244/2009 vom März 2009:
Zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieser Verordnung wiesen die besten der von ihr erfassten Lampen folgende Werte auf:
Der höchste festgestellte Lampenwirkungsgrad war 69 lm/W.
69 Lumen pro Watt - dieser Wert wird von neuen, hochwertigen LED-Lampen inzwischen klar überboten und allmählich nähern sich die Preise dieser hocheffizienten Lichtquellen auch bezahlbaren Regionen. Eine herkömmliche 60-W-”Glühbirne” zum Beispiel können Sie heutzutage problemlos durch eine 8-Watt-Bioledex-LED-Lampe mit rund 650 Lumen ersetzen. Die kostet zwar zwischen 25 und 30 Euro, spielt aber ihre Kosten innerhalb der Lebensdauer gleich mehrfach wieder ein. Diese Kosten-Nutzen-Relation wird sich mit den zukünftigen Produkten (und bei steigenden Strompreisen) noch weiter verbessern.
Nein, ich mache keine bezahlte Werbung für die LED-Industrie, bekomme keines ihrer Produkte billiger als Gegenleistung für meine Blogbeiträge. Durch den massenhaften Einsatz von LED-Lampen könnte aber der gesamte Stromverbrauch so weit reduziert werden, dass sich die unselige Debatte um die Verlängerung von AKW-Laufzeiten möglicherweise von selbst erledigt. Ich mag die Dinger nicht, habe sie noch nie gemocht und würde gerne schnellstmöglich auf sie verzichten. Dass meine persönliche Stromrechnung seit der umfassenden, privaten LED-Umrüstung schon deutlich geschrumpft ist und dass mir die monströsen EU-”Leuchtkörper”-Verordnungen total egal sein können, das sind die angenehmen Begleiterscheinungen der Aktion. Vielleicht finden Sie ja auch Gefallen an dieser Idee.
Geschrieben in LED-Beleuchtung, Technik, Kurioses, Journalismus, Privates | Drucken | 12 Kommentare »