Trois femmes et un rêve*

Wie – um alles in der Welt – bringen wir diese drei netten Damen in einer Meldung unter?

LenaBjörk2
Claudia Roth2
Foto-Quellen (im Uhrzeigersinn von oben nach unten): AxelHH, Bertrand, Stepan (alle aus Wikimedia Commons)

Kein Problem, dank Claudia Roth und Super-Illu. Die Bündnis 90/Grünen-Bundesvorsitzende hat dem laut eigener Einschätzung “ostdeutschen” Boulevardblatt ein Interview gegeben, in dem auch über den nächsten Eurovision-Song-Contest im Mai in Oslo gesprochen wurde. Immerhin kennt sich Claudia Roth als ehemalige Band-Managerin ja bestens aus mit Musik und hat den Schlager-Grand-Prix seit 1965 regelmäßig im Fernsehen geguckt (also schon lange vor “Ton, Steine, Scherben”).

Und an dieser Stelle fällt der Satz: “Unsere deutsche Kandidatin, Lena Meyer-Landrut, gefällt mir außerordentlich gut. Sie hat das Zeug, eine deutsche Björk zu werden.” Frau Roth soll das ganz ernsthaft und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gesagt haben. Wer vermutet, dass sich Rio Reiser angesichts dieses Vergleichs seiner früheren Band-Managerin im Grabe herumdreht, könnte richtig liegen; auf dem Friedhof ist er seit ein paar Tagen auch als Kreisel-Rio bekannt.

Liebe Frau Roth: Nein, Lena hat nicht das Zeug, eine deutsche Björk zu werden. Die eine schauspielert ab und zu, singt, textet, parliert und performt ganz leidlich, die andere beherrscht dies alles ebenfalls, aber erheblich besser, kann zusätzlich Noten lesen und schreiben, arrangieren, musizieren über alle Stilgrenzen von Pop bis Klassik, organisieren und nebenbei noch mit einem Spendenfonds zur Rettung ihres nahezu bankrotten Heimatlandes Island beitragen.

Ja, Frau Roth, ich weiß, das war wahrscheinlich als Kompliment gedacht. Aber projezieren Sie doch nicht gleich Ihren ganzen Erwartungshorizont in eine 18jährige Newcomerin, die einfach frisch von der Leber weg einen Song in Oslo interpretieren soll und allein deshalb schon im Moment unmenschlichen Druck aushalten muss.

Denken Sie mal dran, was mit der damals 17jährigen France Gall passiert ist, der Sängerin, die Sie 1965 beim Eurovisions-Wettbewerb im TV siegen sahen. Der frühe Erfolg hat der jungen Frau jede Menge Probleme beschert und sie sogar jahrelang aus ihrem Heimatland Frankreich nach Deutschland vertrieben, wo sie deutschsprachige Schlager singen musste, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – das darf man auch “Höchststrafe” nennen. Und so was würden Sie Lena wohl nicht wünschen.

*Für nicht-Frankophile: “Drei Frauen und ein Traum”
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